02:03 24 September 2020
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    Die südtürkische Stadt Gaziantep ist eines der größten Zentren des Handels mit Kulturerbe-Schätzen, die von IS-Extremisten aus Syrien entwendet wurden, heißt es in einem Schreiben des russischen UN-Botschafters Vitali Tschurkin an den UN-Sicherheitsrat.

    Dem Diplomaten zufolge stehen derzeit „rund 100.000 Objekte des Kulturerbes von Weltrang, darunter bis zu 4.500 Ausgrabungsstätten, unter Kontrolle des IS“. Neun davon seien auf der UNESCO-Welterbeliste erfasst. Die Einnahmen der Islamisten aus dem illegalen Handel mit Antiquitäten und archäologischen Funden „werden auf 150 bis 200 Millionen US-Dollar im Jahr geschätzt“.

    Zuvor waren bereits Presseberichte über die Beteiligung von Gaziantep an dem Schmuggelhandel mit Antiquitäten aus Syrien erschienen.

    Palmyra
    © Sputnik / Mikhail Voskresenskiy
    Wie der Archäologe Eyüp Ay, Experte und Dozent an der archäologischen Fakultät der Universität Gaziantep, gegenüber Sputnik sagte, „gibt es in Gaziantep Personen, die den Handel mit Altertümern fördern“. Da wohlsituierte Stadtbewohner traditionsgemäß Privatsammlungen und Privatmuseen besitzen, werde zunehmend illegal mit verschiedenen Kulturschätzen und historischen Artefakten gehandelt, so der Archäologe.

    Ihm zufolge wurden seinerzeit Personen mit krimineller Vergangenheit in Museen eingestellt. Zudem seien Angehörige der Sicherheitskräfte, wie etwa Polizisten, in Schmuggeldelikte verwickelt. Die genannten Faktoren würden Aufschluss darüber geben, warum Gaziantep für Kunstschmuggler so attraktiv sei, so Eyüp Ay. An dieser fest etablierten Infrastruktur seien Beamte, Sicherheitskräfte, Unternehmer und Händler beteiligt.

    Festung in Aleppo
    © AFP 2020 / ZEIN AL-RIFAI / ALEPPO MEDIA CENTRE
    Der Archäologe gab zu, dass zahlreiche juristisch untermauerte Expertenberichte zu diesem Thema bisher kein spürbares Ergebnis gebracht haben. Gegen die Schmuggler, die mit Antiquitäten und historischen Denkmälern handelten, würden keine gebührenden Strafmaßnahmen angewendet. Die Gesetzlosigkeit habe sich nicht nur auf dem Gebiet der antiken Kunst ausgebreitet. In den letzten ein bis zwei Jahren seien Menschen sowie Autos, Waffen und andere Gegenstände illegal über die syrisch-türkische Grenze befördert worden. Ganz zu schweigen von der Überschreitung der Grenze durch Terroristen.

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    Tags:
    Türkei, Syrien