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02:18 22 September 2019
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    Juri Gagarin

    Gagarins Ruhm und Alltag: „Er scheint das Leben besser zu kennen als seine Freunde“

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    55 Jahre erster bemannter Weltraumflug (10)
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    „Grenzlose Selbstbeherrschung“ und dabei „Kopf voller Humor und Lachen“ – so charakterisierten die zuständigen Fachleute den ersten Raumfahrer der Welt, Juri Gagarin. Die ganze Sowjetunion suchte in Zeitungsreportagen begeistert Details nicht nur über seinen Flug, der sich jetzt zum 55. Mal jährt, sondern auch über sein alltägliches Leben.

    • 1. März 1965. Juri Gagarin mit seiner jüngeren Tochter Galina.
      1. März 1965. Juri Gagarin mit seiner jüngeren Tochter Galina.
      © Sputnik / Alexandr Moklezow
    • 17. August 1961. Juri Gagarin im Urlaub auf der Krim.
      17. August 1961. Juri Gagarin im Urlaub auf der Krim.
      © Sputnik /
    • Legendär war Gagarins Lächeln. Auf einer Pressekonferenz zu Gagarins Weltraumflug fragte ein US-Reporter: „Ihr Russen habt es geschafft, ein eigenes Raumschiff zu entwickeln und die Erdumlaufbahn zu berechnen. Aber wie habt Ihr den Mann gefunden, den Ihr ins Cockpit gesetzt habt? Er ist stattlich, klug, nett, charmant, gebildet, sportlich und mutig. Er hat einen fürstlichen Namen und eine klassische rote Biografie, einen offenen Gesichtsausdruck und ein einzigartiges Lächeln.“
      Legendär war Gagarins Lächeln. Auf einer Pressekonferenz zu Gagarins Weltraumflug fragte ein US-Reporter: „Ihr Russen habt es geschafft, ein eigenes Raumschiff zu entwickeln und die Erdumlaufbahn zu berechnen. Aber wie habt Ihr den Mann gefunden, den Ihr ins Cockpit gesetzt habt? Er ist stattlich, klug, nett, charmant, gebildet, sportlich und mutig. Er hat einen fürstlichen Namen und eine klassische rote Biografie, einen offenen Gesichtsausdruck und ein einzigartiges Lächeln.“
      © Sputnik / Yuri Abramotschkin
    • Gagarins Freunde erinnerten sich, dass er ein guter Angler war und genau wusste, wie ein Fisch geräuchert werden musste.
      Gagarins Freunde erinnerten sich, dass er ein guter Angler war und genau wusste, wie ein Fisch geräuchert werden musste.
      © Sputnik / I. Snegirew
    • Außerdem ging Juri Gagarin gerne auf Entenjagd.
      Außerdem ging Juri Gagarin gerne auf Entenjagd.
      © Sputnik / Walentin Tscheredinzew
    • In seltenen Momenten wie diesen hatte Gagarin endlich die Gelegenheit, mit seinen Freunden über „männliche Themen“ zu sprechen. Foto: 8. Oktober 1966. Die sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin und Wladimir Komarow bei der Jagd.
      In seltenen Momenten wie diesen hatte Gagarin endlich die Gelegenheit, mit seinen Freunden über „männliche Themen“ zu sprechen. Foto: 8. Oktober 1966. Die sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin und Wladimir Komarow bei der Jagd.
      © Sputnik /
    • Als Testpilot musste Juri Gagarin immer topfit sein.
      Als Testpilot musste Juri Gagarin immer topfit sein.
      © Sputnik / I. Snegirew
    • Gagarin war sein Leben lang ein begeisterter Sportler.
      Gagarin war sein Leben lang ein begeisterter Sportler.
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    • Juri Gagarin
      Juri Gagarin
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    1. März 1965. Juri Gagarin mit seiner jüngeren Tochter Galina.

    „Ich bitte, die Partei, die Regierung und persönlich Nikita Sergejewitsch Chruschtschow davon zu benachrichtigen, dass die Landung normal verlaufen ist. Ich fühle mich wohl, habe keine Verletzungen und Prellungen“, sagte Juri Gagarin nach seiner Rückkehr aus dem All. Am 12. April 1961 wurden seine Worte von sowjetischen Medien lawinenartig zitiert. 

    Sofort wurde auch die Antwort von Partei- und Staatschef Chruschtschow veröffentlicht: „Der von Ihnen absolvierte Flug eröffnet eine neue Seite der menschlichen Geschichte bei der Eroberung des Weltraums und füllt die Herzen der sowjetischen Menschen mit viel Freude und Stolz auf ihre sozialistische Heimat. Ich gratuliere Ihnen herzlich zu ihrer glücklichen Rückkehr von der Weltraumreise.“

    Doch neben den offiziellen Mitteilungen wollten die Menschen auch etwas vom Alltag ihres neuen Helden erfahren. Reporter besetzten förmlich die Wohnung. Sie wurden im Voraus informiert und verbrachten den 12. April zusammen mit der Familie Gagarin. Die „Komsomolskaja Prawda“ berichtete: „Die Leser können unsere Aufregung verstehen, die wir an der Schwelle dieses Hauses spürten. Hier lebt ER… Zwei Zimmer, die Küche. Tapeten mit Blumenmuster, Gardinen, Bücherregale, ein runder Tisch. Ein Fernsehgerät, ein Radioempfänger – sie werden in dieser Wohnung nicht ausgeschaltet.“ 

    © RIA Novosti.
    Die irdischen Reisen des Kosmonauten Juri Gagarin

    „Hier sind seine Frau und zwei Töchter: Jelena und Galina. Die Ehefrau heißt Walentina. Wir gratulieren ihr, sie ist verlegen, erfreut, aber auch bekümmert. Dutzende Gefühle hat diese Frau jetzt in ihrer Seele – und sie sind ihrem Gesicht abzulesen. Er ist im Weltall! Er sagt, alles sei gut… Mit der zitternden Hand schreibt sie die Uhrzeit in ein Schülerheft. Sie wartet, sie kann nicht reden. Das Zimmer ist voller Nachbarn, sie hören auch zu. ‚Vati…‘, sagt die kleine Jelena und hört auf, an ihrem Apfel zu kauen. ‚Der Flug geht weiter. Kosmonaut Juri Gagarin fühlt sich wohl‘, sagt der Sprecher im Radio. Die Frau dreht am Radioempfänger, wischt die Tränen ab und lächelt.“ 

    Der in einer anderen Stadt lebende Vater des Raumfahrers sagte unterdessen einem Reporter: „Was kann ich von meinem Sohn erzählen? Er wuchs arbeitsfreudig, bescheiden auf, lerne gut, mochte Sport, bastelte Flugzeugmodelle. Er hatte es gern, Bücher über die Flieger Tschkalow und Wodopjanow zu lesen, schwärmte auch für Jules Vernes und Ziolkowskis Werke. Er träumte von künftigen Flügen zu unbekannten Planeten.“

    Juri Gagarin war am 9. März 1934 im westrussischen Gebiet Smolensk zur Welt gekommen. Sein Vater war ein Zimmermann, seine Mutter arbeitete in einem Milchbetrieb. Gagarin nahm 1951 sein Studium an einer Industrie-Fachschule auf besuchte drei Jahre später erstmals den Luftfahrt-Klub in Saratow. Im Jahr 1955 wurde er in die Armee einberufen und in eine Fliegerschule eingewiesen. Als Pilot eines Jagdflugzeugs diente er dann im nordrussischen Gebiet Murmansk. Am 9. Dezember 1959 ließ er sich als Raumfahrt-Bewerber einschreiben.

    © RIA Novosti.
    Raumschiff „Gagarin“ startet ins All

     

    Aus einem Befund der Fachleute, die ihn während des Kosmonauten-Trainings beobachteten: „Es ist sehr schwer (eigentlich unmöglich), ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Seine Stimmung ist gewöhnlich etwas gehoben – wahrscheinlich deswegen, weil sein Kopf immer voller Humor und Lachen ist. Dabei ist er nüchtern und besonnen, besitzt eine grenzlose Selbstbeherrschung (…) Er handhabt sicher die Formeln der Himmelsmechanik und der Höheren Mathematik, verteidigt ohne Verlegenheit jenen Standpunkt, den er für richtig hält. Er scheint das Leben besser zu kennen als manche von seinen Freunden.“

    Juri Gagarin
    © Sputnik /
    Juri Gagarin

    German Titow, der ebenfalls im ersten Kosmonauten-Team war, sagte viele Jahre später einem Journalisten der Zeitung „Iswestija“: „Als Juri für den Flug ausgewählt wurde, beneidete ich ihn sehr. Ich konnte nicht begreifen: Warum er? Wir alle waren ja psychologisch und körperlich fit. Erst dann begriff ich: Nur Gagarin hatte eine ausgezeichnete Eigenschaft – er hatte kein Neidgefühl.“

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    Tags:
    Juri Gagarin, Weltraum