07:01 06 Dezember 2019
SNA Radio
    Oktoberfest

    500 Jahre Reinheitsgebot: „Biernation heißt nicht besoffene Biertrinker-Horde“

    © AFP 2019 / Christof Stache
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    14517
    Abonnieren

    Was in anderen europäischen Ländern erlaubt ist, schließt das Reinheitsgebot seit schon genau 500 Jahren für das deutsche Bier aus: Die Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker. Inzwischen gibt es dem Bierexperten Ralf Zmölnig zufolge auch Kritik an der Vier-Rohstoffe-Regel.

    „Es gibt aber auch Stimmen, die hinter dem Reinheitsgebot eine rein protektionistische Maßnahme sehen“, sagt Ralf Zmölnig, Autor bei der Plattform bierologie.de, im Interview für Sputnik.  Er selber gehöre aber der anderen „Fraktion“ an: „Es gibt ja Bier, das nach Kirsche oder sonst noch was schmeckt, aber ich persönlich freue mich, wenn ich einfach ein schönes regionales Bier trinke und weiß, dass es da außer den genannten Zutaten nichts drin ist.“

    Das Reinheitsgebot habe sich in den 500 Jahren nicht geändert, betont Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher des Deutscher Brauer-Bundes e.V., im Gespräch mit Sputnik: „Wir haben eine massive technologische Entwicklung erlebt, nicht verändert hat sich im Laufe der Jahrhunderte aber die Orientierung an den wenigen Rohstoffen: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Das Reinheitsgebot steht also für die Einschränkung auf die vier Zutaten und den Ausschluss den in Europa zugelassenen Extra-Zusatzstoffe.“ Die ältesten Biere werden ihm zufolge obergärige Biere mit einer dunkelbrauen Färbung gewesen sein, was an dem Rostverfahren für das Malz gelegen habe. Heute gebe es Biere, die, obwohl sie mit diesen vier Zutaten gebraut wurden, nach Orange, Grapefruit oder Schokolade schmecken, das liege aber nur an der geschickten Braukunst. Zmölnig zufolge habe sich auch ein starker Trend um die Kraftbier-„Szenarie“ entwickelt.

    „Kühl, aber nicht wirklich gekühlt“

    Politiker und Bier
    © REUTERS / Kai Pfaffenbach

    Das Reinheitsgebot, ursprünglich die Verordnung von Wilhelm IV. „Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll“, regelte neben der Rohstoffkombination auch die richtige Verkostungsweise. Kühl, aber nicht wirklich kühl, einigen sich beide Experten: „Das deutsche Bier in einem bayerischen Wirtshaus ist am besten ausgeschenkt, wenn es mit Schaum kommt, indem das Glas kühl, aber nicht wirklich gekühlt, und nicht warm ist,  und mit einem freundlichen Lächeln serviert wird“, erklärt Zmölnig. „Immer gut gekühlt, nicht zu kalt, und in einem mit Liebe eingeschenkten Glas. Es kommt hauptsächlich darauf an, dass die Kombination zwischen guter Kohlensäure,  einer entsprechenden Temperatur und dem gut vorbereiteten Glas gut passt, dass jeder schon beim Angucken, dann beim Riechen, Genießen und Runterschlucken Freude hat“, präzisiert Huhnholz.

    Die Restriktion auf die vier Rohstoffe bedeute noch nicht eine geringe Zahl von Biersorten, so Huhnholz weiter: „Wir sind und bleiben die Biernation im Herzen Europas: Nirgendwo in Europa wird so viel Bier produziert wie in Deutschland. Das Bier ist das Nationalgetränk der Deutschen. Unter Berücksichtigung des Reinheitsgebotes gibt es rund 5.500 Biermarken im Handel, so dass jeder Bierfreund über 15 Jahre jeden Tag ein anderes Bier trinken könnte, ohne sich zu wiederholen.“

    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © AFP 2019 / DPA / KARL-JOSEF HILDENBRAND
    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © REUTERS / Michaela Rehle
    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © Flickr / Kurt
    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © AFP 2019 / CHRISTOF STACHE
    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © AFP 2019 / CHRISTOF STACHE
    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © REUTERS / Michaela Rehle
    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © AP Photo / Marc Kleine-Kleffmann
    • 182. Oktoberfest in München
      182. Oktoberfest in München
      © REUTERS / Michael Dalder
    • 181. Oktoberfest in München
      181. Oktoberfest in München
      © REUTERS / Michael Dalder
    1 / 9
    © AFP 2019 / DPA / KARL-JOSEF HILDENBRAND
    182. Oktoberfest in München

    Eine Biernation sei dabei, wie im gängigen Mythos, mit einer „Horde besoffener Biertrinker“ nicht gleichzustellen, warnt  Zmölnig: „Hinter dem Bierkonsum steckt ein Faktor der Gemütlichkeit und etwas Verbindendes, wenn zum Beispiel beim Oktoberfest mehrere Millionen Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen, um in Zelten primär Bier zu trinken. Das Argument muss genug sein, um uns nicht als eine Horde besoffener Biertrinker abzustellen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Krebserregendes Bier: „Brauereien versuchen das Problem kleinzureden“ – Experte
    Bundeswehr-Garantie: Beim Panzerfahren nie wieder Bier verschütten
    Fünf Bierflaschen gleichzeitig öffnen?
    Problemlos Bierflasche ohne Öffner öffnen?
    Tags:
    Bier, Oktoberfest, Ralf Zmölnig, Europa, Deutschland