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11:46 21 Oktober 2019
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    E-Sports in Deutschland: Millionen-Transfers wie in Bundesliga

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    In Südkorea und Japan ist aus dem Trend längst ein Massenphänomen geworden und langsam kommt die Bewegung auch in Deutschland an: Die Rede ist von den E-Sports.

    Bei den Turnieren messen sich die Gamer in verschiedenen Spielen, wie Counter-Strike oder DOTA 2, die Preisgelder erreichen Millionenbeträge und Zehntausende begeisterter Fans verfolgen die Großereignisse live im Stadion oder am Bildschirm. Sputnik hat Michael Bister, Veranstalter der deutschen Ligen und Turniere der Electronic Sports League, im Rahmen der AppsWorld-Messe getroffen und nach den neusten Entwicklungen in der Branche gefragt.

    Herr Bister, große E-Sports-Events sind weiterhin weltweit im Aufwärtstrend und bei den Championships geht es mittlerweile um Preisgelder in Millionenhöhe. Woher kommt dieser Trend, diese Entwicklung?

    Dieser Trend kommt natürlich aus dem koreanischen, aus dem asiatischen Raum. Dort ist schon seit Jahren E-Sports ein anerkannter, richtiger Sport, aber wir sind selber mit der ESL seit gut 15 Jahren mit dabei und bauen diesen E-Sport hier, in Europa, aber auch in Amerika weiter auf und – es wächst und gedeiht von Jahr zu Jahr.

    Welche Entwicklungen beobachten Sie im internationalen Vergleich? Wie unterscheiden sich die Gaming-Welten in Europa, Amerika, Asien, Russland? Warum sind bestimmte Spiele in bestimmten Teilen der Welt populär und in anderen nicht?

    Tatsächlich kann man sagen, dass die Spiele flächendeckend fast überall gleich sind. Es ist nicht so wie im klassischen Sport, wo man sagt: Deutschland ist eine Fußballnation, in Amerika ist es eher American Football – das gibt es so eigentlich nicht. Tatsächlich werden diese vier großen Spiele überall gespielt. Im asiatischen Raum werden Spiele wie „Starcraft“ mehr gespielt, es ist das Spiel schlechthin in Korea zum Beispiel. Der einzige Unterschied, den man feststellen kann: dass in Amerika sehr viele Konsolenspiele gespielt werden.

    Ich könnte vielleicht einwerfen: Im russischen oder im russischsprachigen Raum ist „World of Tanks“ super beliebt und hierzulande wohl weniger. Woran liegt das? 

    Bei „World of Tanks“ liegt es vor allem daran, dass der Publisher, Wargamingentwickler aus Russland kommt (in Wirklichkeit kommt der Wargamingentwickler aus Weißrussland. — Anm. d. Red), eben aus diesen Ländern und da natürlich sehr viel powert, sehr viel Macht reinsetzt, sehr viel Geld investiert.

    Sie haben vorhin Parallelen gezogen zu Sportarten wie Fußball. Da gibt es ja weitere Parallelen in dem Sinne, dass Top-Spieler zum Beispiel von Teams von anderen Teams aufgekauft werden. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

    Die ganze Struktur mit den Teams und Spielern ist nahezu identisch mit dem klassischen Sport. Das wird nur noch weiter wachsen: Es werden noch mehr Leute dazukommen zu einem Team, aber die Teams sind selber mittlerweile entweder Vereine oder sogar GmbHs oder andere Formen. Das heißt, da ist wirklich Geld im Spiel. Sponsorengelder werden bezahlt und natürlich auch Transfergelder. Das wird auch immer weiter gehen, denn letztendlich will ein Team wissen: Bleiben meine Spieler denn auch wirklich ein Jahr bei mir? Es müssen Verträge geschnürt werden, denn auch die Verträge mit den Sponsoren haben eine Laufzeit, und wenn jemand abgekauft werden will oder muss oder soll, geht das natürlich auch nur, wenn Geld dahintersteckt.

    Eine weitere Parallele zum Sport, zum Fußball, sind Sportwetten und entsprechend auch Schiebereien, die da passieren können. Können Sie diese Entwicklung bestätigen? Und wie wirkt man diesem Betrug entgegen?

    Leider kann ich das bestätigen. Aktuell ist ein Fall aufgetreten, wo ein asiatischer Spieler in „Starcraft“ sehr viele Spiele manipuliert hat, um bei Wetten beziehungsweise Online-Wetten gut dazustehen. Der ist nun auch im Gefängnis in China, weil das dort einen ganz anderen Stellenwert hat.

    So etwas gibt es, so etwas wird es auch immer geben, wenn es die Möglichkeit gibt zu wetten und damit Geld zu verdienen. Wir arbeiten stark mit Firmen zusammen und sagen: Okay, welche Daten werden herausgegeben? Denn man kann nur live wetten, wenn auch die Spieldaten in Echtzeit ankommen. Da arbeiten wir stark mit solchen Firmen zusammen, um die Schnittstellen zu bieten. Trotz alledem ist klar: Wetten – das kann auch immer unter der Hand laufen, da hat man natürlich nie Einfluss drauf. Wir müssen dann immer mit den Spielern in Kontakt bleiben, dass die ihre eigenen Spiele nicht manipulieren, und da werden entsprechend auch Strafen verhängt.

    Gibt es bei Teilnehmern von Turnieren auch Versuche, durch Hacks sich Vorteile zu verschaffen? Und wenn ja: Wie kontrolliert man das?

    Es gibt zwei Arten von "Doping", wenn man es so nennen möchte: Einmal tatsächlich das, was an den PCs gemacht wird – das sind Hacks und Cheats, die können wir komplett verbieten und auch prüfen, wenn wir ein Event auf Zeit haben, wo die Leute vor Ort sind. Denn dort stehen wir mit unseren Schiedsrichtern dahinter und können einfach über die Schulter schauen. 

    Schwerer wird es natürlich, wenn es online gespielt wird. Trotz alledem haben wir dort Programme, die im Hintergrund laufen wie ein Antiviren-Programm, ein Anticheat-Programm, das prüft den PC des Spielers.

    via GIPHY

    Und natürlich gibt es auch immer wieder Möglichkeiten, sich das Spiel nochmal anzuschauen und wirklich von Fall zu Fall zu entscheiden. Interessanter wird es allerdings mittlerweile bei echtem Doping, bei Stoffen, die dem Menschen zugeführt werden, um eine höhere Aufmerksamkeit zu haben. Das ist in den letzten ein-zwei Jahren vereinzelt aufgetreten. Wir haben letztes Jahr bei unserem Großevent in Counterstrike in der Kölner Lanxess-Arena tatsächlich Dopingtest durchgeführt, offiziell, und konnten dann auch sagen: Es hat kein positiver Test stattgefunden, das heißt, so was hat man im Griff, aber diese Cheats und Hacks – da arbeiten wir natürlich auch streng dagegen.

    Ich stelle mir vor, es ist relativ kompliziert, wenn viele Teilnehmer dabei sind. Sie können ja unmöglich jedem über die Schulter schauen?

    Doch, können wir, denn letztendlich findet ein Turnier bei uns tatsächlich so statt, dass die zwei Teams gleichzeitig gegeneinander spielen. Das heißt, die anderen Teams sind irgendwo im hinteren Bereich, spielen sich dort warm, und wir stehen hinter den Spielern und schauen über die Schulter. Gleichzeitig prüfen wir auch das Equipment im Vorfeld: Es sind PCs, die von uns kommen, sie sind auch alle gleich; die Software wird von uns installiert. Gleichzeitig haben wir noch die Möglichkeit, bei Counter-Strike zu sagen: Es geht gar keine Internetverbindung mehr raus, außer die, die nur für das Spiel da ist. Und Kleinigkeiten: Natürlich werden die USB-Slots der PCs kontrolliert, dass keine USB-Sticks eingesteckt werden können. Und tatsächlich sammeln wir die Tastaturen und Mäuse schon ein-zwei Tage vorher ein, denn es gibt mittlerweile auch Mäuse, die SD-Slots haben, über die man wieder Software installieren könnte.

    Die Tastaturen und Mäuse werden also von den Playern selber mitgebracht?

    Genau. Das ist so wie bei den Fußballschuhen des Fußballspielers – die werden nicht gestellt, sondern das sind ihre eigenen Tastaturen und Mäuse. Was von uns kommt, sind die PCs, sind die Monitore und die Kopfhörer beziehungsweise die Kopfhöher, wenn wir auf Großevents sind, die eher schallisoliert sind. Weil wir natürlich nicht wollen, dass man sich von außen irgendwelche Informationen erhaschen könnte. Alles andere wird vom Spieler gestellt: Mousepad, Tastatur und Maus, weil das eben die Schuhe sind von ihm und da muss er auch mit seinem eigenen Equipment antreten können.

    via GIPHY

    Sind Hacker schädlich für die Community oder können sie vielleicht sogar irgendwelche positiven Entwicklungen anstoßen?

    Es ist, wie so oft beim Hacking: Auf der einen Seite ist es gut, auf der anderen Seite ist es natürlich schlecht. Sobald ein Hack geschrieben wird und wir wüssten davon Bescheid, könnten wir sofort wieder gegenarbeiten. Klar, würden wir sehr gerne mit Hackern zusammenarbeiten, die kein Interesse mehr daran hätten, die uns mit ihren Fähigkeiten weiterhelfen können. Aber solange natürlich Hacker damit noch Geld machen und private und personalisierte Hacks programmieren für Spieler, werden die wahrscheinlich eher auch so weitermachen und nicht mit uns zusammenarbeiten.

    Welche neuen Spiele sehen Sie als potentielle Turnierspiele für die Zukunft?

    Gerade ganz frisch sind die neuen Blizzard-Spiele, das wäre einmal „Heroes of the Storm“ – da haben die ersten Meisterschaften bereits stattgefunden, zuletzt auch im März in Kattowitz in Polen, wo wir unser Riesenevent hatten. Demnächst wird der neue Shooter „Overwatch“ herauskommen, auch aus dem Hause Blizzard, da werden wir auch in nächster Zeit sehr viel sehen. Das sind die nächsten beiden Spiele, die wahrscheinlich kommen. Gerade Blizzard hat in den letzten ein-zwei Jahren wirklich sehr viel nachgelegt, nicht nur mit „Starcraft“, sondern dann kam „Hearthstone“ raus, jetzt „Overwatch“, dann „Heroes of the Storm“ – das sind so die Spiele, die jetzt gerade relevant sind oder relevant werden können.

    via GIPHY

    Gibt es dahingehend auch irgendeine Verschiebung bezüglich der Genres?

    Eine Genreverschiebung gab es zuletzt, wie gesagt, durch „Hearthstone“: Es ist ein reines Kartenspiel gewesen. Vielleicht kennt man so Spiele von früher, „Magic the Gathering“ zum Beispiel, was ein wirklich haptisches Kartenspiel war. Und das wurde jetzt quasi portiert auf den PC und hat dadurch ein komplett neues Genre aufgemacht. Ansonsten hangelt man sich ein bisschen an den Genres entlang, die es bislang gab. In den letzten Jahren kam ein neues hinzu, das war „MOBA“, „League of Legends“ und „Dota 2“, wobei es „Dota“ ja schon damals gab. Man orientiert sich sehr stark an vorhandenen Genres, es ist ganz selten, dass komplett neue Sachen hinzukommen, denn man hat schon so ziemlich alles schon einmal gehabt und es wird natürlich schwer da etwas Neues zu entdecken und zu erfinden.

    Welche Karrierechancen gibt es für junge Entwickler in diesem Feld?

    Für Entwickler gibt es zwei Möglichkeiten: Einmal bei dem Publisher beziehungsweise bei dem Entwickler eines Spiels zu arbeiten und dort mitzuwirken oder sogar bei uns, aufgrund der Tatsache, dass wir, wie ich eben schon erwähnt habe, unsere Anticheat-Software haben. Wir haben natürlich auch unsere Webseiten, die eine riesige Datenbank dahinter haben – also in dem Bereich natürlich. Aber sie haben auch die Möglichkeit, neue Ideen reinzubringen: Wir haben vor Kurzem eine Fantasy-Liga aufgebaut, das heißt man kann mit den echten Spielen, die da draußen stattfinden, eine fiktive Liga aufbauen und die managen – das muss programmiert werden und auch da haben wir Entwickler, natürlich. Es gibt schon viele Möglichkeiten – mit dem Schwerpunkt wahrscheinlich bei den Entwicklern des Spieles. Aber auch wir bieten offene Stellen aktuell.

    Sind Sie selber aktiver Spieler? Und wenn ja: Was spielen Sie?

    Ich hab früher wirklich exzessiv gespielt: Damals war es „Counter-Strike“, im Shooterbereich bin ich mehr unterwegs gewesen. Aufgrund der Arbeit habe ich leider ganz wenig Zeit. Aktuell spiele ich neue Spiele wie „The Vision“ auf der Playstation, aber selbst da habe ich maximal zehn Spielstunden bis jetzt. Die Arbeit sorgt dafür, dass man nicht mehr so viel spielen kann. Leider, leider, leider.

    via GIPHY

    Was würden Sie jungen Gamern raten, um eine Karriere als professioneller E-Sportler anzufangen?

    Ratschläge hier zu geben, das kann man Eins zu Eins machen wie im klassischen Sport, wie im Fußball: Dranbleiben, wenn man merkt, man hat Talent und dann auch wirklich gucken, dass man dieses Talent auch fördert, indem man mit Leuten zusammenspielt, die ebenfalls gut dabei sind. Dieses "Ja, ich muss jetzt Profispieler werden!" und man versucht jetzt jeden Tag zehn Stunden zu spielen – ich glaube, das wird nicht funktionieren. Das ist auch beim Fußball oder Tischtennis so gewesen: Man braucht dieses Stückchen Talent auch und man muss sich vor allem auch von der Struktur her anpassen. Das heißt, man muss schauen, dass man mit Leuten zusammenkommt und zusammenspielt, die auch den gleichen Ehrgeiz haben. Dann stehen einem einige Wege offen, definitiv.

    Interview: Ilona Pfeffer

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