02:46 14 Dezember 2018
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    Frontbriefe

    „Weint nicht. Alles ist gut. Euer Sohn…“ - sehnsüchtige Frontbriefe von 1941-1945

    © Sputnik / Mark Markov-Grinberg
    Gesellschaft
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    71. Tag des Sieges (45)
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    Kleine, gelb gewordene Dreiecke, die nach Pulver riechen, dünne Seiten mit kaum noch zu sehender Tinte und zahlreichen Klecksen. Viele russische Familien bewahren immer noch Briefe ihrer Groß- und Urgroßväter von der Front und überlassen sie den neuen Generationen.

    Jeder Brief ist mit Sehnsucht und Liebe, mit Zukunftshoffnungen und Erzählungen über das Leben an der Front und im Hinterland gefüllt.

    Jeder Brief hat seine Geschichte, die das Schicksal der jeweiligen Familie, die von dem schrecklichen Krieg betroffen wurde, widerspiegelt. Das sind Briefe, von denen man eine Gänsehaut und feuchte Augen bekommt. Sie erzählen die Geschichte des ganzen Volkes und sind selbst Geschichte geworden.

    Hier ist eine Sammlung von Frontbriefen, die nötig sind dafür, dass der Krieg nie in Vergessenheit gerät und sich nie wiederholt.

    Frontbrief
    © Sputnik / Sergei Pyatakov
    Frontbrief

    „Grüß dich, mein lieber Sohn Tolja! Am 22. Juni ist es ein Jahr, dass ich dich nicht gesehen habe. Ich vermisse dich auch sehr und denke immer wieder an dich. Du bist schon fünf Jahre alt, bist schon ganz groß geworden. Sei klug und vernünftig, liebe deinen Bruder und lehre ihn. Ich komme bald zurück. Wir jagen nur alle Faschisten weg, und dann komme ich zurück. Kuss. Dein Vati.“

    Aus einem Brief eines unbekannten Soldaten

    „Mein liebes Kind, du musst dich auf eine lange Trennung gefasst machen. Es steht das Jahr 1942 bevor. Lebe mit der Hoffnung auf unser Treffen, wie auch ich das tue.“

    „Grüß dich, meine liebe Vera und mein lieber Sohn Edik! Vera, sei nicht traurig! Bereitet euch auf den Winter vor. Kaufe unserem Sohn neue Filzschuhe und lass ihm einen neuen Pelzmantel schneidern. Ich liebe euch. Alexej.“

    Aus Briefen Alexej Rogows, Kommandeur einer Fliegerstaffel, Held der Sowjetunion postum.

    „Ich bin am rechten Bein verletzt worden. Ich wurde schon operiert, wobei aus meinem Bein ein Splitter herausgezogen wurde. Die Verletzung war leicht – ich kann schon wieder gehen. Hoffentlich bin ich bald wieder gesund, um die deutschen Schurken weiter zu schlagen. Für unser geplagtes sowjetisches Volk, für euch, meine Lieben.“

    Gardesergeant Andrej Gadenow. 10. November 1942.

    „Unweit von hier befindet sich ein Lager. Ein Vernichtungslager. Du hast wohl in den Zeitungen über das Lager bei Maidansk gelesen. Und dieses Lager ist viel, viel größer als das bei Maidansk. Dort wurden sechs Millionen Menschen getötet. (…) Hier gibt es Gaskammern, wo die Häftlinge vergiftet wurden; Öfen, wo sie verbrannt wurden; Gruben, wo die Leichen hineingeworfen wurden. Diese Gruben sind mit Blut gefüllt…

    Im Hinterland mögen manche nicht an diese zahllosen furchtbaren Erzählungen glauben. Das ist tatsächlich unglaublich, dass Menschen, die genauso wie wir aussehen, so unmenschlich grausam sein konnten. Aber wenn man das alles sieht, fragt man sich: Wer sind sie denn, diese Lebewesen, die die Menschheit vernichten wollten? Ob sie noch als Menschen bezeichnet werden können? Natürlich nicht – das sind keine Menschen! Aber bald findet das alles ein Ende, und sie werden es uns büßen.“

    Boris Rutschjow, 7. März 1945

    „…Wir haben kaum Freizeit. Wir müssen vieles aus dem Stegreif lernen. Aber wir sollten nicht traurig sein – wir werden gewinnen. Meine lieben Mutti, Vati und Oma, macht euch keine Sorgen um mich. Weint nicht. Alles ist gut. Euer Sohn Kolja.“

    Nikolai Dronow, gefallen 1942 bei Kertsch

    Manche Briefe kamen erst mit Verspätung und sogar nach der Todesbenachrichtigung. Dann wartete und hoffte die ganze Familie, dass die Todesbenachrichtigung ein Fehler gewesen war, dass ihr Sohn, Bruder, Mann und Vater doch am Leben ist und irgendwann heimkehrt.

    „Ich erinnere mich oft an Ihren Unterricht, Michail Petrowitsch. Ich weiß immer noch, wie ich jedes Mal zitterte, wenn ich Ihre Stimme hörte…“

    Aus einem Brief der 16-jährigen Sonja Stepina an ihren früheren Mathematiklehrer Michail Jeskin

    Frontbrief
    © Sputnik / Olga Lander
    Frontbrief

    „Ich habe mich sehr gefreut, deinen Brief gelesen zu haben. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich hier alle sind, Briefe von ihren Nächsten zu bekommen.“

    Antwort des Lehrers, Abteilungskommandeur Michail Jeskin

    Damit begann der Briefwechsel der zwei jungen Menschen. Sie liebten einander und heirateten 1944.

    Frontbrief
    © Sputnik / Grigoriy Chertov
    Frontbrief
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    Themen:
    71. Tag des Sieges (45)
    Tags:
    Frontbrief, Zweiter Weltkrieg, UdSSR