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06:01 19 Juli 2019
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    Kunst-Protest an Türkischer Botschaft in Berlin

    PixelHELPER-Proteste in Berlin: „Wir haben die Finger in die Wunde gelegt“

    © Foto: PixelHELPER
    Gesellschaft
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    Erdogan mit Hitlerbart oder die schwarze Flagge von ISIS – mit provokanten Lichtinstallationen, die die Aktivisten von PixelHELPER an die Außenwände von Botschaftsgebäuden projizieren, sorgen sie nicht nur für Zustimmung. Dennoch finden die Künstler es wichtig, öffentlich für Pressefreiheit und gegen diktatorische Regime zu protestieren.

    Gleich zwei neue Lichtinstallationen haben die Lichtkünstler von PixelHELPER innerhalb weniger Tage in Berlin präsentiert. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai war an der Außenwand der türkischen Botschaft eine Karikatur zu sehen, die den türkischen Staatspräsidenten mit Hitlerbart zeigte. Ihr zur Seite gestellt wurde der Text des Schmähgedichts auf Erdogan, mit dem der Satiriker Jan Böhmermann jüngst für einen Skandal gesorgt hatte. Auch die Lichtinstallation der Berliner Künstler hat viel Kritik geerntet. Unter anderem ist moniert worden, mit dem Hitlervergleich würde der Holocaust verharmlost werden.

    Oliver Bienkowski von PixelHELPER findet, es gebe durchaus Parallelen und es sei notwendig, die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei anzuprangern:

    „Wir wollten auf die schlimmen Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, die Erdogan in seinem Land verübt. Also Verfolgung der Opposition, Aufhebung der oppositionellen Rechte im Parlament, Selbstschussanlagen an der Grenze zu Syrien, Einschränkung der Pressefreiheit“, sagte er im Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer. „Wir haben den Finger in die Wunde gelegt. Wenn man Erdogan mit Hitler vergleicht, dann gibt es bis auf den Holocaust eins zu eins Überschneidungen. Was da hinterrücks passiert mit den Waffenlieferungen, die an ISIS gehen in getarnten Lastern des Deutschen Roten Kreuzes, das ist im schlimmsten Guerilla-Krieg nicht zu wünschen. Dass die Türkei auch Öl von den ISIS-Terroristen kauft – das kann einfach kein Verhandlungspartner für die Europäische Union sein.“

    Es ist fraglich, ob der gewünschte Effekt eingetreten ist, eine offizielle Reaktion habe es bisher nicht gegeben:

    „Uns hat niemand angerufen, weder von Seiten der Botschaft, noch von Unterstützern. Wir haben zwar einige Morddrohungen bekommen, sonst ist aber nicht viel passiert.“

    Die Debatte darüber, was Kunst und Satire darf, bleibt in Deutschland weiterhin aktuell. Juristische Konsequenzen fürchtet Bienkowski allerdings nicht.

    „Wir haben diese Hitler-Erdogan-Karikatur als Lichtkunstinstallation auf das Gebäude gesetzt. Das ist wie eine Zeitungskarikatur, deswegen berufen wir uns auf die Karikaturfreiheit.“

    ‪Lichtkunstkarikatur‬ auf der saudi-arabischen ‪‎Botschaft‬
    ‪Lichtkunstkarikatur‬ auf der saudi-arabischen ‪‎Botschaft‬

    Am 12. Mai haben dann  die Lichtkünstler erneut zugeschlagen: An den Wänden der saudi-arabischen Botschaft konnte man neben der schwarzen Flagge des ISIS die Worte Daesh Bank lesen. Mit dieser Aktion wollten die Künstler die Finanzierung des Terrors durch Saudi-Arabien anprangern und zugleich für die Freilassung des Bloggers Raif Badawi protestieren, der seit drei Jahren in Saudi Arabien im Gefängnis sitzt.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Pixelhelper, Oliver Bienkowski, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Berlin, Deutschland