17:49 21 Juli 2018
SNA Radio
    Red Heat

    Voice of America: Russen sind wieder Bösewichte in Hollywood

    © YouTube / Screenshot
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    3214103

    Russischsprachige Helden kehren nach Hollywood zurück – sie haben mal wieder ein negatives Image, jetzt aber mehr Individualität als während des Kalten Krieges, berichtet Voice of America nach einer Rundtischdiskussion von Russland-Experten an der New School in New York.

    „Bösewicht“-Rollen würden gerne mit Russen besetzt, weil sie sich im Unterschied zu den Neuankömmlingen aus dem Nahen Osten nicht über ihr überliefertes Bild mokieren, so die Wissenschaftler.

    Russische Figuren kehren ins Hollywood-Kino zurück – sie sind negativer geworden, während die Sujets über die Konfrontation zwischen den beiden Ländern oft auf Verschwörungstheorien beruhen, fasste Voice of America die Thesen der Diskussion zusammen, die von der Professorin der New School Nina Chruschtschowa moderiert wurde. 

    Zu Beginn der Diskussion schlug Chruschtschowa vor, bei der Umformulierung des Begriffs „Kalter Krieg“ den heutigen Zustand der internationalen Politik als „eingefrorener Frieden“ zu bezeichnen. Da ist die Realität viel ergreifender und paradoxaler als in jeder Hollywood-Phantasie. Für den Westen ist Putin bereits zum „Erz-Bösewicht“ geworden. 

    Russische Figuren kehren nach Hollywood in verschiedenen Genres zurück, weil sie sich besser für die Rolle der Bösewichte eignen, sagte der Slawist  Eliot Borenstein von der New York University. In Zeiten der Politkorrektheit sei die Konkretisierung der Gestalt des Feindes mit einer sehr schwierigen Wahl verbunden – wenn man Islamisten darstelle, würde dies Massenproteste der US-amerikanischen Muslime auslösen. Russen protestieren bislang nicht, so der Experte.

    Unter den Filmen der letzten Zeit nannte Borenstein die Serie „The Americans“ über das Leben sowjetischer Spione in den USA. Er machte unter anderem darauf aufmerksam, dass die Russen im Kino oft Russisch mit einem starken Akzent sprächen, doch in diesem Film sprächen die US-Schauspieler ein einwandfreies Englisch, was man als vernünftige Lösung bezeichnen könne.

    Der Experte für US-Medienkultur von der Columbia University Todd Gitlin analysierte einen der bekanntesten Filme über den Kalten Krieg der letzten Jahre — „Bridge of Spies — der Unterhändler “ von Steven Spielberg. Ihm zufolge basiert der Film völlig auf den allgemein anerkannten Klischees über Ehre und Unehre,  Gut und Böse, Wahrheit und Lüge.

    Chruschtschowa zufolge sind die Russen in Hollywood wieder „sehr schlechte Kerle“ geworden. Im Vergleich zu den primitiven Bösewichten aus der Zeit des Kalten Krieges sind sie weniger systematisch und haben mehr Individualität.

    Die neuesten Realitäten – nach der Annexion der Krim – hätten bislang keine Reflexion in den Filmen gefunden, allerdings arbeiten Filmemacher bereits in dieser Richtung, so Chruschtschowa. Der Prozess verlaufe im Ganzen chaotisch, auf Grundlage der Vorstellungen der führenden Filmkonzerne über das kommerzielle Potential der Projekte.

    Zum Thema:

    „Feindbild Russland“: Historiker untersucht Dämonisierung der Russen
    US-Kongressmitglieder schlagen Gründung von Agentur gegen „russische Propaganda“ vor
    Liebeserklärung an Russland: DiCaprio träumt von Lenin-Rolle
    Steven Seagal: „Amerikaner lieben Russland“
    Tags:
    Kalter Krieg, Hollywood, Eliot Borenstein, Nikita Chruschtschow, USA, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren