16:26 22 Oktober 2018
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    EU-Skepsis steigt: „Brexit ist nur der Anfang vom Ende“ – Experte

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    Immer mehr Europäer sind laut einer Umfrage von Pew Research Center gegenüber der Europäischen Union kritisch eingestellt. EU-Wirtschaftsexperte Marc Friedrich findet die Stimmung mehrfach begründet und ein Scheitern der EU – unumgänglich.

    „Im Zuge der Flüchtlingskrise haben viele Leute ihren Glauben an die EU verloren. Zusätzlich darf man auch den Panama-Papers-Skandal nicht vergessen“, sagt Marc Friedrich im Sputnik- Interview.

    Bei der Recherche zu seinem neuen Buch „Kapitalfehler: Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ habe er festgestellt, dass Herr Juncker in Luxemburg eine der größten Steueroasen Europas und der Welt gegründet habe. „Das sind alles verschiedene Baustellen, die das ganze Konstrukt der EU zerbröseln“, erklärt Friedrich.

    „Ich dachte, wir hätten eine Demokratie“

    Hinschlich der Abstimmung in England frage er sich „als überzeugter Europäer“: „Warum darf England abstimmen, aber wir in Deutschland nicht? Wir haben doch eine Demokratie. Um diesen extremistischen politischen Kräften, die wir überall  in Europa auf dem Vormarsch sehen, Einhalt zu gebieten, sollte man den Bürgern in den politischen Entscheidungsprozess mitaufnehmen. Ich wurde weder zum Euro, noch zur EU, noch zu TTIP gefragt. Ich bin mir sicher, dass der demokratische Wille ein ganz anderer ist, wie der von der Politik. Das ist eine brandgefährliche Entwicklung für Europa.“

    Der Brexit hätte ihm zufolge negative Folgen für Europa „Das ist der Anfang vom Ende, aber das ist ein Prozess, der nicht mehr aufzuhalten ist. Europa und die EU werden scheitern, das ist unumgänglich.“

    Sein Rezept für die Rettung der EU ist: „Wir müssen dieses Währungsexperiment beenden. Wir brauchen eine Schuldenkonferenz wie nach dem Zweiten Weltkrieg, also Schulden erlassen, so dass wir dann ein neues Fundament haben. Man muss die Finanzwelt an die Leine nehmen, sonst ist der nächste Crash vorproklamiert.“

    Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center unterstützen 51 Prozent der Befragten die EU als Institution, 47 Prozent sehen die Zukunft der EU eher pessimistisch. Im Durchschnitt meinen 42 Prozent der EU-Bürger, dass die einzelnen Nationalstaaten mehr Vollmachten innerhalb der Union haben sollten. Gleichzeitig meinten 70 Prozent der Befragten, dass sich der Ausstieg Großbritanniens aus der EU negativ auf die Institution als solche auswirken werde.

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    Tags:
    Brexit, EU, Marc Friedrich, Deutschland