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    Rassismus (Symbolfoto)

    AI-Report: Institutioneller Rassismus in Deutschland gehört zum Tagesgeschäft

    CC BY 2.0 / Kathy Sunderman / Unity for a Day
    Gesellschaft
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    Der institutionelle Rassismus gehört in Deutschland genauso zum Tagesgeschäft wie der bürokratische Papierwahn. In einem Interview mit Sputnik spricht Alexander Bosch von Amnesty International (AI) Deutschland über die Gründe und Abgründe des anhaltenden Rassismus und erklärt, warum ein politisches Umdenken dringend notwendig ist.

    „Dass deutsche Behörden Menschen vor rassistischer Gewalt nicht richtig schützen, könnte daran liegen, dass es einen weitverbreiteten institutionellen Rassismus in Deutschland gibt“, so Alexander Bosch. Der neue Report von Amnesty International deckt nicht nur auf, sondern mahnt auch an. „Fest steht: Der deutsche Staat muss Menschen, die von Rassismus betroffen sind, besser schützen. Gerade auch im Hinblick auf die vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, muss mehr getan werden, um die Menschen vor Gewaltangriffen zu schützen.“ Der Vorwurf wiegt schwer, denn offensichtlich wird die Bearbeitung von rassistischen Angriffen in deutschen Behörden oftmals durch interne rassistische Strukturen gehindert. 

    „Im Grunde genommen kommt Rassismus in jeder westlich-weißen Gesellschaft vor“, so Bosch. „Ausschlaggebend für die Recherche zu dem Report war natürlich der NSU-Prozess und die sehr erschreckenden aktuellen Zahlen von gewalttätigen Übergriffen auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime.“  In Bezug auf die Wahrnehmung in Deutschland und der ausbleibenden Debatte sieht er jedoch die Bundesregierung klar in der Verantwortung. „Vor dem UN-Antifolterausschuss hat die Bundesrepublik Deutschland bekannt gegeben, dass sie keine Anzeichen für institutionellen Rassismus in deutschen Behörden sieht. Mit anderen Worten, wenn kein Problem anerkannt wird, kann es auch nicht gelöst werden.“

    Laut Amnesty International findet Rassismus in vielen Bereichen der Gesellschaft statt und ist daher nicht nur mit kriminellen Übergriffen auf Flüchtlinge gleichzusetzen. „In Deutschland wird Rassismus immer unter dem Phänomen politisch-motivierte Kriminalität gefasst, das heißt, Rassismus ist nur ein Problem der extremen Rechten und nicht der Mitte der Gesellschaft. Unser Report bestätigt jedoch genau das Gegenteil. Denn Rassismus zeigt sich gerade unterschwellig in vielen gesellschaftlichen Strukturen. In Studien über die Wohnungsvergabe wird deutlich, dass Personen mit einem türkischen oder arabischen Nachnamen es viel schwerer haben, eine Wohnung zu bekommen.“

    Alexander Bosch fügt hinzu: „Ich hoffe aber, dass sich Amnesty International in Zukunft mehr zu dem Thema positionieren wird, denn das haben wir in der Vergangenheit leider versäumt. Wir können als klassisch weiße Mittelschichtsorganisation in Zusammenarbeit mit Betroffen die Debatte in den nächsten Jahren auf der Metaebene vorantreiben, mit dem Ziel, ein Umdenken in der Politik sowohl als auch in der Gesellschaft zu bewirken.“

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    Tags:
    Rassismus, Amnesty International, Alexander Bosch, Deutschland