05:20 01 Dezember 2020
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    „Es gibt mafiöse Strukturen, die nichts anderes machen“ – Experte über Zombie-Rechner

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    Internet-Kriminelle, die mit Cyberattacken die Personalcomputer von ahnungslosen Menschen "hacken", sollen härter bestraft werden. Hessen und Nordrhein-Westfalen haben einen entsprechenden Gesetzentwurf im Bundesrat eingebracht.

    Es geht um sogenannte Botnetze, die auch "Zombie-Rechner" genannt werden und mit deren Hilfe in Deutschland millionenfach Hausfriedensbruch betrieben wird und Straftaten begangenen werden.

    Sputnik hat darüber mit dem Informatiker und Datenschützer Uli König, der auch Fraktionsvorsitzender der Piraten in Schleswig-Holstein ist, gesprochen.

    Was genau ist ein „Zombie-Rechner“ oder ein Botnetz?

    Das sind Rechner, auf denen Software läuft, von deren Existenz der Besitzer des Rechners nicht weiß. Die Software wird von jemand anderem kontrolliert. Und dieser Software macht dann irgendetwas, im Sinne desjenigen, der sie auf den Rechner gespielt hat. Das kann sein, dass man Spam versendet, Bankdaten ausspäht, Webseiten damit attackiert, um sie aus dem Netz zu schießen.

    Alles ist denkbar: Man kann quasi alles machen, was man mit einem normalen Computer auch machen kann — mit dem Vorteil, dass es auf dem Namen von jemandem anderem läuft und man im Zweifel nicht so leicht entdeckt werden kann.

    Was hat denn derjenige, der das macht, davon?

    Sie können ganz viele verschiedene Sachen machen. Zum Beispiel, wenn sich auf dem Rechner ein Twitter-Account befindet, kann man sich gegen Geld Follower im Internet kaufen. Man kann die Daten für das Online-Banking klauen und das Geld auf ein anderes Konto überweisen. Man kann persönliche Daten klauen. Man kann Betreiber von Websites wie Firmen erpressen und sagen: Wenn ihr uns kein Schutzgeld bezahlt, dann schießen wir euch mit unserem Botnetz aus dem Netz.
    Man muss sich vorstellen: Das ist nicht nur ein Rechner, der da infiziert ist, sondern Tausende oder Hunderttausende. Und wenn halt Hundertausende Rechner immer wieder gleichzeitig versuchen, auf eine Website zu kommen, das legt auch den besten Webserver lahm.

    Wie kann ich das als normaler Mensch merken, dass mein Rechner plötzlich zu einem Botnetz gehört?

    Im Zweifelsfall gar nicht. Es gibt Indizien, die daraufhin weisen, dass der Rechner sich komisch verhält. Wenn zum Beispiel die Interleitung langsamer wird, obwohl man gar nichts macht, oder der Rechner langsam wird — dann könnte dies ein Hinweis sein. Aber das passiert nur bei schlecht programmierten Botnetzen. Gut programmierte Botnetze bleiben so im Hintergrund, dass der Anwender keinen Verlust an Leistung feststellt.

    Wie kann ich denn verhindern, dass mein Rechner attackiert wird?

    Was Sie machen können: Wenn Sie Windows benutzen, immer Updates aktuell halten. Das ist ganz wichtig. Außerdem einen aktuellen Virenscanner benutzen. Dann haben sie eine Chance, dass ihr Rechner nicht infiziert wird.

    Was macht man denn, wenn der Rechner schon infiziert ist?

    Dann haben sie eigentlich verloren. Sie können nie sicher sein, wenn der Rechner einmal infiziert war, dass er wieder sauber wird. Am besten die persönlichen Daten sichern, Festplatte löschen und wieder neu installieren und zwar aus sauberen Quellen. Also, nichts, was vorher schon auf dem Rechner war. Mit den Dateien muss man natürlich auch vorsichtig sein. Denn so ein Virus oder ein Botnetz kann sich auch in einem Word-Dokument verstecken. Mein Rat ist, wenn Sie sich irgendetwas eingefangen haben: Alles löschen.

    Wie ist das eigentlich strafrechtlich? Kann ich belangt werden, wenn jemand meinen Rechner zum „Zombie-Rechner“ macht?
     
    Das ist eine gute Frage, ich bin kein Jurist. Ich vermute aber, dass Sie dafür nicht belangt werden, weil Sie nicht aktiv etwas gemacht haben. Was aber sein kann, dass man Sie als „Störer“ in Haftung nimmt, weil Sie Ihren Rechner nicht ordentlich abgesichert haben.

    Interview: Matthias Witte

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    Cyberattacken, Windows, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland