14:34 22 April 2019
SNA Radio
    Migranten-Problem in Europa

    Kriminalität hat keine Nationalität - Braunschweiger Kripo-Chef Küch

    © REUTERS / Darrin Zammit
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    3534

    In der Einwanderungsgesellschaft gibt es nach Meinung von Ulf Küch, Leiter der Kriminalpolizei Braunschweig, keinen Zusammenhang zwischen Delinquenz und Herkunft. Es gibt keine kriminellen Völker. Insofern verbietet sich so eine Diskussion.

    Aus seiner Erfahrung als Praktiker hat die Straffälligkeit mit der Nationalität nichts zu tun. „Es gibt natürlich in der zweiten oder dritten Generation möglicherweise Zusammenhänge“, räumte der Braunschweiger Kripo-Chef in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin ein. „Aber nicht so, wie es bei der Flüchtlingsdiskussion im vergangenen Jahr in Deutschland zu gravierenden Folgen geführt hat. Wenn man eine Gruppe von Menschen im Land hat und kümmert sich nicht um sie, verselbstständigen sie sich. Und wenn die Minderheiten sich selbst überlassen werden, kann es passieren, dass die Kriminalität entsteht. Das ist aber eine andere Geschichte.“

    Umfrage in Frankreich: Bringen mehr Migranten mehr Kriminalität?

    Die Kriminalstatistiken seien nur begrenzt aussagekräftig, fuhr Küch fort, weil sie nur die angezeigten Straftaten widerspiegeln. „Da muss man genauer angucken, um feststellen zu können, was hinter den einzelnen Straftaten steckt. Die Statistik sagt schon etwas aus, aber sie ist nicht die ganze Wahrheit. Das haben die kriminologischen Forschungen, die in Köln unter dem Titel,Kriminalität in der Einwanderungsgesellschaft‘ vorgestellt wurden, bewiesen.“

    Ulf Küch findet es interessant, dass die Vertreter der zweiten und dritten Migrationsepoche eher zu Straftaten neigten, als diejenigen, die jetzt direkt eingewandert seien. „Gemessen an der Gesamtzahl, sind sie weniger kriminell auffällig, als die Menschen, die seit Jahren in Deutschland wohnen.“

    Alle von vornherein als kriminell einzustufen und die Menschen zu stigmatisieren, hält Küch für sehr gefährlich. „Wenn ein Berliner in München einen Einbruch begeht, dann sind nicht alle Berliner Einbrecher. Und das gilt auch für fremde Menschen, die jetzt in unser Land gekommen sind und Asyl gesucht haben.“

    Mehr zum Thema: Rekordkriminalität in Deutschland — So viele Wohnungseinbrüche wie nie

    Ulf Küch, der eine Sonderkommission zum Thema „Flüchtlingskriminalität“ ins Leben gerufen hat und überraschende Wahrheiten über Migrantenkriminalität in seinem Buch "Soko,Asyl'“ offenbarte, meint, dass die Polizei emotionsfrei arbeiten müsse. „Sie darf sich nicht von den Meinungsmachern — sowohl von rechts, als auch von links — beeinflussen lassen. Die Polizei ist dem Gesetz unterworfen, und so muss sie auch handeln.“

    Die Untersuchungen des Bundeskriminalamtes, laut denen es bei den 900 Sexualdelikten in der Silvesternacht bundesweit nur 120 Verdächtige und lediglich vier Verurteilungen bislang gibt, lägen in der Natur der Dinge, so Küch. „Es kann in deutschen Gerichten nur Urteil gesprochen werden, wenn die Fälle einwandfrei beweisbar sind. Wo das nicht erfolgt, gilt der Spruch in dubio pro reo, also im Zweifel für den Angeklagten, und er kommt nicht zur Verurteilung. In der Silvesternacht in Köln gab es eine starke Alkoholisierung, die Opfer haben die Täter nicht sichtig erkannt, die Polizei war offensichtlich nicht genügend vor Ort. Und dann passieren solche Sachen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Kriminalstatistik 2015: Straffälligkeit von Migranten gestiegen
    Umfrage: Je stärker der Flüchtlingszustrom, desto größer die Ängste der Deutschen
    Geheimer BKA-Bericht: Flüchtlingskriminalität 2015 verdoppelt
    Facebook sperrt deutschen Schriftsteller nach Kritik an EU-Migrationspolitik
    Tags:
    Migrationspolitik, Migranten, Nationalität, Kriminalität, Kriminalpolizei Braunschweig, Ulf Küch