22:07 18 Dezember 2018
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    10 Pokémon-No-Go‘s: Welcher Ort zum Spielen geht gar nicht?

    © AFP 2018 / Yasser Al-Zayyat
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    Gotta Catch ‘Em all – aber nicht überall! Klar will man alle Pokémon haben, doch deshalb sollte man nicht unbedingt überall nach ihnen suchen. Sputnik hat für Euch eine Reihe von Orten aufgelistet, an denen man besser die Bälle in der Tasche lässt. Welcher von ihnen geht für Euch am wenigsten?

    KZ-Gedächtnisstätten – was Monster anrichten können

    Es gibt Orte, an denen sollte man über die Vergangenheit der Menschheit reflektieren und der Opfer gedenken. Stattdessen könnten bald gegenwartsverhaftete Zocker an Gedenkstätten umherschweifen. Der Pressesprecher der Gedenkstätte Auschwitz, Paweł Sawicki, äußert sich hier ganz klar:  „Wir können dazu nur schreiben, dass die Zulassung solcher Spiele auf der Gedenkstätte Auschwitz auf vielen Ebenen respektlos gegenüber allen Opfern des nazideutschen Konzentrationslagers und ganz offensichtlich unangemessen ist. Die Stätte des ehemaligen Lagers ist ein Ort des Andenkens an all jene Menschen, die leiden mussten, die entmenschlicht und hier ermordet worden sind. Wir bitten die Entwickler solcher Spiele, die Gedenkstätte Auschwitz von diesem Spiel sofort und in der Zukunft auszunehmen.“

    Kirchen – das Spiel mit Gott

    In der Kirche findet man Vergebung und Segen, aber was, wenn ein Konkurrenzunternehmen direkt am Gotteshaus einen ganz anderen Segen verteilt? Kirchen sind bereits zu beliebten Treffpunkten von Pokémonspielern avanciert. Carsten Splitt, ein Sprecher der Evangelischen Kirche Deutschland sieht das aber nicht so eng und schreibt: „Wenn junge Menschen mit ihren Smartphones in Kirchen auf Pocket-Monstersuche gehen, ist das kein Grund zum Fürchten. Kirchen sind markante, in der Regel öffentlich zugängliche Gebäude und laden auch die ein, die dort nicht zuallererst Gott suchen. Sie sind zugleich aber auch geschützte Orte, die von Menschen zu Einkehr, Besinnung und Gebet aufgesucht werden. Dies darf natürlich ebenso wenig beeinträchtigt werden wie Andachten, Gottesdienste und Konzerte. Besondere Spielregeln gelten in unserer öffentlichen und individuellen Trauerkultur für Friedhöfe: Der Respekt vor Verstorbenen und Trauernden gebietet es, dass weder die Totenruhe noch die Trauer Hinterbliebener gestört werden.“

    Bundestag – wenn Politiker Monster leveln

    Eine lustige Vorstellung: Bevor er vors Podium tritt, fängt Alexander Dobrindt mit seinem Smartphone noch schnell ein Pikachu ein und fordert daraufhin schnelleres Internet für alle. Eine Vorstellung, die man leider fallen lassen muss, wenn man sich die Geschäftsordnung des Bundestags anschaut. Dort steht zum Verhalten im Bundestag: „Die Besucher haben die Würde des Hauses zu achten und auf die Arbeit im Haus Rücksicht zu nehmen. Insbesondere sind alle Handlungen zu unterlassen, die geeignet sind, die Tätigkeit des Deutschen Bundestages, seiner Gremien, Organe und Einrichtungen zu stören.“ Ob ein kurzer Monsterfang als Störung angesehen werden darf, bleibt bei dieser Formulierung allerdings offen.

    Atomkraftwerke – ein Supergau wegen eines Metwos?

    Was tun, wenn im Reaktor ein richtig seltenes Pokémon auf einen wartet? Die Zähne zusammenbeißen und es sein lassen, lautet die Antwort. Guido Steffens, Pressesprecher der RWE teilte uns mit, dass allen Besuchern, ob Schülergruppe oder Journalisten, die Handys vor einer Besichtigung eines Atomkraftwerks abgenommen werden. Das gelte zwar für Mitarbeiter nicht, aber diese würden nicht fürs Telefonieren und Spielen bezahlt, sondern für die Sicherheit. Ob nicht doch jemand heimlich dagegen verstößt, kann man auf diese Weise allerdings nicht zu 100% ausschließen.

    Gefängnisse – Justizvollzug ist keine Unterhaltung

    Für die Insassen der Justizvollzugsanstalten sind die Verhältnisse in Sachen Pokémon Go klar: Da sie keine Handys besitzen dürfen, erübrigt sich die Frage, ob sie es vielleicht doch spielen. Bei den Beamten und Besuchern war sich Sputnik nicht sicher und fragte nach. Auf die Anfrage kam die Antwort, dass jeder, der eine Justizvollzugsanstalt betritt, sein Mobilgerät abgeben muss. Sollten sich dort also ein paar Pokémon befinden, dann werden sie dort in alle Ewigkeit ungestört ihr Dasein fristen dürfen.

    Bundeswehr – Unterhaltung unter Verschluss

    Militärische Anlagen haben nur einen Zweck: der Verteidigung des Landes zu dienen. Ob unter Verteidigung auch die Beseitigung potentiell bösartiger Monster zu verstehen sei, wollten wir wissen. Ein Sprecher der Bundeswehr sagte dazu klipp und klar, dass auf militärischem Gelände jegliche private Unterhaltungsform verboten sei. Er sagte das in aller Deutlichkeit, schlug die Hacken zusammen und verschwand im Nebel seiner Pflichten.

    Die Baustelle BER – viel Geld um nichts verzockt?

    Warum wird er nur nicht fertig? Warum werden immer wieder neue gravierende Fehler entdeckt und wie viele Milliarden muss man in seinen Schlund noch hineinstecken, damit er endlich Ruhe gibt? Diese Fragen hat sich sicherlich jeder anständige Deutsche wenigstens einmal zum Flughafen Berlin Brandenburg gestellt. Doch die wahre Antwort darauf hat Sputnik erst heute erfahren, denn auf die Frage, ob es auf dem Gelände erlaubt sei, Pokémon Go zu spielen, antwortete die Pressestelle des BER überraschend: „Wir haben keine Verbote hinsichtlich Pokémon Go.“ Jetzt wird also deutlich, weshalb die Fertigstellung immer wieder aufgeschoben wird: Die Mitarbeiter sind einfach zu sehr mit dem Fangen von Pokémon beschäftigt. Problem ist nur, dass das Spiel erst Juli 2016 herausgekommen ist. Bleiben also doch noch knapp zehn Jahre zu begründen. Nichts für ungut.

    Die Weltraumstation ISS – abgehobener geht’s nicht

    Freizeit gibt es auch im Weltall, Internet gibt es dort auch und damit hätte man auch auf der Weltraumstation ISS, wenn man denn wollte, die Möglichkeit Pokémon Go zu spielen. Spaß dürfte das Ganze allerdings nur in sehr eingeschränktem Maße machen, denn davon abgesehen, dass dort nicht so viel Raum ist wie auf Erden, kann man dort auch keine wilden Pokémon fangen. Der Grund hierfür ist einfach: GoogleMaps greift dort nicht, da die ISS relativ zur Erde stets in schneller Bewegung ist. Damit sind die armen Astronauten von dem bunten Treiben hier unten leider ausgeschlossen.

    Botanische Gärten – kein abwegiges Vergnügen

    Sicher sollte man in einem Botanischen Garten erst einmal die Natur bestaunen, wenn man schon einmal den Eintritt dafür gezahlt hat. Aber dass man da nicht auch etwas virtuelle Realität mit einfließen lassen dürfte, steht für den Botanischen Garten in Berlin-Dahlem nicht fest. Dessen Sprecherin teilte uns mit, dass alles im Grünen wäre, solange der Spieler sich nur auf den vorgeschriebenen Wegen bewegt und nicht etwa anfängt in den Pflanzen herumzuwühlen.

    Museen – wenn Technik auf Kultur prallt

    Ach ja, die Kunst. Sie zeigt die Geschichte und das Streben der Menschheit wie die dunklen Kapitel und den ewigen Kampf mit der Vergänglichkeit. Da mit dem Handy durch die Gegend zu stolpern wäre doch fast Blasphemie. Nicht, wenn man in den Staatlichen Museen zu Berlin unterwegs ist – die nehmen das anscheinend locker. Deren Pressereferent hat uns mitgeteilt, dass es hierfür keine offizielle Regelung gebe und dass das Spiel für sie kein Problem darstelle. Natürlich appellieren sie an das Verständnis der Besucher, dass Kunst hier den Vorrang habe. Aber die Grundregel, dass man den Abstand zu den ausgestellten Arbeiten wahren soll, ist die bisher einzige Einschränkung für die Gamer.

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    Tags:
    Pikachu, Ausschwitz, Pokemon, Kirche, Gefängnis, Museum, Flughafen BER, Atomkraftwerk, Internationale Raumstation ISS, Bundestag, Bundeswehr, Guido Steffens, Carsten Splitt, Paweł Sawicki