Widgets Magazine
21:52 21 Oktober 2019
SNA Radio
    Gesellschaft

    Führt die Erderwärmung zu Klimakriegen? – Experte: „Weltsicherheit ist in Gefahr“

    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    41432
    Abonnieren

    Überschwemmungen, Hitze, Krankheitserreger – seit dem Beginn des immer spürbar werdenden Klimawandels ist die deutsche Regierung zunehmend über erhebliche Risiken für die Wirtschaft besorgt. Aber auch aus anderen Weltregionen drohen Gefahren. Der Klimaforscher Professor Mojib Latif warnt vor verstärkten Migrationsbewegungen nach Europa.

    Mehr als 1000 Feuerwehrleute waren am 27. Juli in Berlin im Einsatz. Eine Unwetterfront hatte viele Straßen und Keller überflutet und in Brandenburg Millionenschaden verursacht. Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe, sagte dem Tagesspiegel: "46 Liter Wasser pro Quadratmeter in weniger als zwei Stunden — das war eine Heftigkeit, die ich nicht kannte."

    Mojib Latif, Leiter des Forschungsbereiches Ozeanzirkulation und Klimadynamik am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, geht im Sputnik-Interview mit Bolle Selke davon aus, dass derartige Extremwettersituationen noch zunehmen werden:

    „Anhand der Vergangenheit ist es nur schwer festzustellen, weil wir keine gute Datenbasis haben, aber die Klimamodelle insbesondere die regionalen Modelle, auch für Europa, zeigen, dass in dem Maße in dem die globale Erwärmung fortschreitet, wir häufige mit solchen Wetterextremen zu rechnen haben. Ich selber war letzte Woche in Berlin und es war wirklich unfassbar, was für Wassermassen da runter gekommen sind."

    Auch die Bundesregierung sieht es als wahrscheinlich an, dass Deutschland in zunehmendem Maße verwundbar gegenüber den Folgen des Klimawandels sein wird. Das geht aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, wie der Spiegel berichtete. Die Regierung unterscheidet dabei zwischen direkten und indirekten Folgen. Direkte Folgen sind zum Beispiel Gewitter wie am besagten 27. Juli in Berlin. Zu indirekten Folgen zählen Wetterphänomene im Ausland, deren Folgen auch hierzulande spürbar sind, wie Professor Latif erläutert:

    "Indirekte Folgen sind zum Beispiel verstärkte Fluchtbewegungen. Das sind aber auch wirtschaftliche Erwägungen. Die Weltwirtschaft ist inzwischen global. Egal, wo etwas passiert, es betrifft fast immer alle anderen Länder auch. Dann sprechen wir natürlich auch über eine ganz veränderte Sicherheitsarchitektur auf der Erde, denn wenn sich die Lebensbedingungen in einigen Gebieten der Erde so dramatisch verschlechtern, dann wird das natürlich auch Konsequenzen für die Weltsicherheit haben."

    Auch die jetzige Flüchtlingskrise ist laut dem Klimaexperten zum Teil auf die globale Erderwärmung zurückzuführen:

    "Im Prinzip sind es gerade die armen Länder, in denen man den Klimawandel am stärksten zu spüren bekommt. Das ist auch einer der Gründe, warum wir so starke Migrationen haben. Wir nennen die Menschen Wirtschaftsflüchtlinge, aber ich bin mir sicher, dass da natürlich schon ein paar Klimaflüchtlinge dabei sind, denn gerade in Afrika schreitet der Klimawandel ja auch fort. Irgendwann kann man da einfach nicht mehr leben, weil es dann einfach zu heiß wird."

    Jeremy Pal von der Loyola Marymount University in Los Angeles und Elfatih Eltahir vom Massachusetts Institute of Technology haben bereits letztes Jahr eine Studie in dem Fachjournal "Nature Climate Change" eine Studie publiziert, in der sie eine düstere Prognose für die Golfstaaten aufstellen: Der Klimawandel könnte die Region bis Ende des Jahrhunderts weitgehend unbewohnbar machen. Sollte dies wirklich eintreten, wird ein Vielfaches der Menschen nach Europa drängen, als es jetzt im letzten Jahr der Fall gewesen ist, meint Professor Latif:

    "Das wird uns natürlich noch vor ganz andere Herausforderungen stellen. Deswegen ist eigentlich in jeder Hinsicht die beste Möglichkeit, die beste Alternative,  immer den Klimawandel so gering wie möglich zu halten. Dann vermeiden wir nicht nur die ganz schlimmen klimatischen Veränderungen, dann vermeiden wir eben auch größtenteils noch die Fluchtbewegungen. Wir vermeiden möglicherweise ein ökonomisches Desaster und eventuell sogar Klimakriege."

    Die globalen Durchschnittstemperaturen brechen einen Rekord nach dem anderen seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre ist durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Entwaldung in beispiellose Höhen aufgestiegen. Tatsächlich liegen sie heute höher als jemals zuvor in den letzten 800.000 Jahren.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Kroatischer Forscher: Serbien macht Leute mit elektromagnetischen Waffen verrückt
    Russischer Vizepremier: Nato benutzt Klimawandel zur Aufrüstung in der Arktis
    UN-Klimakonferenz: Terror und Klimaschutz
    Tags:
    Klimawandel, GEOMAR Helmholtz-Zentrum, Mojib Latif, Berlin