13:30 31 März 2020
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    Das israelische Startup-Unternehmen SuperMeat will mit kultiviertem Fleisch dem Morden von Tieren und den Folgen der Viehwirtschaft ein Ende setzen. Daniela Kurz, Vertreterin von SuperMeat in Deutschland, geht im Gespräch mit Sputnik auf Einzelheiten des Projekts ein.

    Wie isst man Fleisch, ohne ein Tier vorher zu schlachten? Indem man Tierzellen kultiviert. Daniela Kurz, die Vertreterin von SuperMeat in Deutschland, beschreibt das Vorhaben so: "SuperMeat ist kultiviertes Fleisch, das wir vorhaben, in Maschinen zu entwickeln. Diese Maschinen werden wir zunächst einmal an Supermärkte und Restaurants verkaufen und später sollten sie sogar bei Konsumenten zuhause stehen. Das Fleisch wird dann in diesen Maschinen heranwachsen, lokal, und wird sogar um Längen besser sein als das, was wir jetzt so kennen. Es wird zwar genauso schmecken wir das Fleisch, das wir kennen, nur können wir es noch nahrhafter machen. Wir können zum Beispiel Eisen dazugeben oder Proteine. Und es wird natürlich gesünder sein, weil die ganzen Antibiotika und Schwermetalle, die jetzt im Fleisch enthalten sind, nicht mehr drin sein werden. Also, wir versuchen wirklich gegen die Massentierhaltung anzukämpfen, die ja natürlich zu Umweltzerstörung führt und gesundheitliche Probleme mit sich bringt. Und für mich persönlich als Veganerin und Tierschützerin ist es sehr wichtig, gegen diese Massentierhaltung anzukämpfen."

    Die Idee selbst habe sich schon vor sieben Jahren herauskristallisiert. "Es gab Tier- und Umweltschützer, die über die Forschung an kultiviertem Fleisch erfahren haben. Diese haben realisiert, dass die effektivste Methode, gegen Tierausbeutung und Umweltausbeutung anzukämpfen, kultiviertes Fleisch ist. Und diese Leute haben beschlossen, Gewebezüchtung zu studieren an den besten Universitäten und schließlich haben wir eine gemeinnützige Organisation gegründet, die dann die erste Studie über kultiviertes Hühnerfleisch geführt hat. Kultiviertes Hühnerfleisch ist wirklich etwas, was wir als erstes Unternehmen entwickeln", so Kurz im Interview mit Sputnik-Korrespondent Valentin Raskatov.

    Und so sieht das Werbevideo von SuperMeat aus:

    Um mit einer Züchtung in der Maschine zu beginnen, sei zunächst eine kleine Biopsie nötig, bei der einem Huhn – vorerst geht es bei SputerMeat nämlich nur um Hühnerfleisch — eine Zelle von der Hautoberfläche entnommen wird. „Diese Zelle wird dann in Muskelgewebe umgewandelt und das wird dann verpackt und mit den Nährstoffen zusammen an die Konsumenten weiter geschickt. Der Konsument wird dann die Nährstoffe und die Primärzellen verpackt erhalten und sie selbst in diese Maschine einsetzen können. Und das Besondere an dieser Maschine ist, dass sie die Physiologie von einem Huhn nachahmen wird, die Zellen werden sich so fühlen wie in einem echten Huhn."

     

    Das würde nicht nur die Transportkosten vom Schlachthof zum Supermarkt sparen, sondern könnte der gesamten Viehwirtschaft mit ihren Folgen den Boden unter den Füßen entziehen – und Unmengen an Ressourcen sparen. Dazu sagt Kurz: "Die Massentierhaltung ist ja heute nicht nachhaltig, sie führt zu Umweltzerstörung und zu Problemen wie Abholzung von Regenwäldern und Treibhausgasemissionen und natürlich auch zu gesundheitlichen Problemen. Es wird auch unglaublich viel Land in Anspruch genommen durch die Massentierhaltung. 50 Prozent auf der Erde werden im Moment von der Fleischindustrie besetzt. Und ein Drittel des Wassers auf der Welt wird für die Fleischindustrie verwendet. Mit der Herstellung von SuperMeat müsste man 99 Prozent weniger Land in Anspruch nehmen und 96 Prozent weniger Wasser und es gäbe 96 Prozent weniger Treibhausemissionen.  Dadurch, dass die Maschinen lokal genutzt werden, fällt auch der Transport des Fleisches weg."

    Es könnten ebenso unterversorgte oder rasant wachsende Regionen versorgt werden. „Zum Beispiel für den asiatischen Raum ist es sehr wichtig, denn dort wächst der Fleischkonsum ja enorm in den nächsten Jahren. Und wir haben nicht sehr viel Zeit, um eine Entwicklung zu finden und deswegen ist die Entwicklung dieses Produkts sehr wichtig“, stellt die SuperMeat-Vertreterin fest.

    Langzeitstudien kann es zu dieser Fleischherstellung zwar nicht geben, aber die Expertin  ist zuversichtlich, dass von SuperMeat keine Gefahr ausgehen kann: „Laut unserem Forschungsleiter Nahmias gibt es eigentlich keine gesundheitlichen oder Umweltrisiken, sondern nur Vorteile. Das Fleisch, wie wir es kennen, bietet ja viele Gefahren wie Salmonellen oder die Vogelgrippe. Es kommen unglaubliche gesundheitliche Probleme mit diesem ganzen Fleisch, das wir heute kaufen. Außerdem muss ich noch sagen, dass viele Lebensmittel heute auch künstlich hergestellt werden. Das würde bei uns auch künstlich hergestellt werden, aber wir würden es dann noch nahrhafter machen: Proteine dazugeben, Eisen – und natürlich wären die ganzen Antibiotika dann auch nicht mehr im Fleisch."

    Danach befragt, ob sie als Veganerin denn auch das Produkt probieren würde, antwortete Klein: "Ich vermisse Fleisch zwar überhaupt nicht, ich weiß nicht einmal mehr, wie das schmeckt. Aber ich würde es tatsächlich probieren, weil es mich schon interessiert, wie das Fleisch schmeckt. Ich hätte überhaupt kein Problem damit, das zu probieren."

    Und hier geht’s zur Fundraising-Seite des Unternehmens.

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