12:16 09 Dezember 2019
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    LINKE-Politiker: DW-Paralympics-Karikatur regt fehlende öffentliche Debatte an

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    Die vom russischsprachigen Dienst der Deutschen Welle veröffentlichte Karikatur zum Gesamtausschluss der russischen Paralympics wird nach Ansicht von Andreas Maurer, LINKE-Abgeordneter in Niedersachsen, die fehlende öffentliche Debatte um die Suspendierung aller russischen Sportler anregen.

    Am Dienstag haben die LINKEN Niedersachsens in einer Pressemitteilung das Internationale Paralympische Komitee (IPC) dazu aufgefordert, den Komplettausschluss der russischen Sportler bei den Paralympics in Rio de Janeiro zurückzunehmen. Die Initiative richtet sich auch gegen deutsche Medien und deren anti-russische Kampagnen, die dazu verhelfen, das Feindbild Russlands aufzubauen und zu verbreiten, hieß es.

    Ob es Parallelen zu dem Fall der BILD-Zeitung gebe, die sich weigert, Russlands Medaillengewinne zu veröffentlichen, sagt Andreas Maurer: „Diese Karikatur ist vor allem eine harte Beleidigung für Menschen mit Behinderung. Sowohl durch den Gesamtausschluss, als auch durch die mediale Diffamierung werden diese Menschen einfach nur ins Lächerliche gezogen. Das ist für mich nicht mehr provokativ, sondern schlichtweg zynisch.“

    Der niedersächsische Abgeordnete fährt fort: „Man versucht mit Hilfe der Schwächsten eine ganze Nation zu erniedrigen.“

    Der Vize-Chef des Staatsduma-Ausschusses für Arbeit, Sozialpolitik und Veteranen, Michail Terentjew, forderte indes die Deutsche Welle dazu auf, die „beleidigende“ Karikatur zu entfernen. Doch das zieht die Deutsche Welle laut ihres Pressesprechers Christoph Jumpelt nicht in Betracht.

    Auf die Frage, ob in dem Fall das Recht der Meinungsfreiheit gilt oder ob im Zweifel jene Veröffentlichung tatsächlich zurückgezogen werden muss, sagte der LINKE-Politiker: „Natürlich muss man die Meinungsfreiheit verteidigen. Doch in dem Fall ist die Botschaft ganz klar politisch motiviert. Allein aus moralischen Gründen sollte die Karikatur zurückgenommen werden. Wenn sich die Medien sachlich mit dem Thema auseinander setzen würden und recherchieren, welche anderen Nationen in Doping-Skandalen verwickelt waren, dann wäre das auch nicht problematisch. Wenn man Zeichen setzen möchte, dann müsste Mannschaften von anderen Ländern auch gesperrt werden.“

    Es sei wahrscheinlich, dass die von ihm gestartete Initiative auch zum Wahlkampfthema der LINKE in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gemacht wird, so Maurer. Ziel ist dabei Solidarität sowohl mit der Russischen Föderation, als auch mit Menschen mit Behinderung zu zeigen. „Es geht nämlich nicht nur darum, den Fokus auf Russland zu legen. Warum wird gerade gegen Menschen mit Behinderung so eine deutliche und politisch motivierte Entscheidung getroffen? Denken wir beispielsweise an die Tour de France, wo Doping an der Tagesordnung ist, dann dürfte nach den aktuellen Entscheidungskriterien kaum ein Team antreten.“

    Doch am Ende, so Maurer, „regen Karikaturen wie diese eine wichtige öffentliche Debatte an“.

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    Paralympics-Team, Olympische Spiele in Rio de Janeiro, Bund der Demokratischen Linken (SLD), Russland, Deutschland