08:51 18 Juli 2018
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    „Ich Chef, Du nichts!“- Nach Eklat mit PeWoBe sucht Berlin nach neuen Betreibern

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    Migrationsproblem in Europa (1281)
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    Die Stadt Berlin hat am Montag die Kündigung mit dem Flüchtlingsheimbetreiber PeWoBe vollzogen. Der Initiative „Hellersdorf hilft e. V.“ war das Treiben in dem Heim in der Maxie-Wander-Straße schon seit langem ein Dorn im Auge.

    Schon am 23. Juli forderten die Flüchtlingshelfer die Auflösung des Vertrags mit der Betreiberfirma. In einer Pressemitteilung auf ihrer Homepage bezeichnet die Initiative „Hellersdorf hilft e.V.“ die Zustände in der Unterkunft als unhaltbar. „Es sind zuletzt immer häufiger Geflüchtete zu uns gekommen und haben sich beschwert. Sie fühlen sich unwohl, dort herrschen schlimme Bedingungen und sie werden vom Heimpersonal eingeschüchtert“, sagte Stephan Jung, Sprecher der Initiative.

    Sputnik wollte wissen, wie diese Einschüchterungen der Mitarbeiter konkret ausgesehen haben. „Es ist die fehlende Menschlichkeit, die sich in ganz einfachen Umgangsformen äußert. Es wurden uns mehrfach berichtet, dass die Heimleitung Sätze gesagt hat wie ‘Ich Chef, Du nichts!‘ Da kann wirklich der Eindruck entstehen, dass es nicht um das Wohl der Menschen geht“, sagte Jung. 

    Die Initiative „Hellersdorf hilft“ hofft, dass sich die Situation der rund 500 Menschen in dem Flüchtlingsheim mit einer neuen Heimleitung verbessert und dass das Land Berlin die kommenden Betreiber stärker kontrolliert.

    Am Wochenende hatte ein Zeitungsbericht die Geschichte an die Öffentlichkeit gebracht. Darin wurde der Emailverkehr der Heimleitung um die Verwendung einer 5.000-Euro-Spende veröffentlicht. Vorschläge waren unter anderem die Anschaffung einer Kinder-Guillotine oder ein Krematorium. Die Anwälte der PeWoBe sagten dazu, sämtliche problematischen Äußerungen seien aus ihrem Kontext gerissen. Anders hat es Flüchtlingshelfer Jung erlebt: „Mir hat es den Boden unter den Füßen weggehen.“

    Berlins Sozialsenator Czaja hat am Montag in einer Pressemitteilung verkündet, die außerordentliche Kündigung aller Betreiberverträge mit der PeWoBe sei vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten vollzogen und eine fristgerechte Kündigung erteilt worden.

    Weiter heißt es: „Die Kündigung der Betreiberverträge mit der PeWoBe wird nun vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten organisatorisch umgesetzt. Es geht darum, im Übergang schnellstens neue Betreiber für die neun Objekte zu gewinnen, für die PeWoBe zuständig ist, und die Einrichtungen dann schnell an diese zu übergeben. Die Herausforderung wird sein, einen möglichst nahtlosen Übergang in der Unterbringung der rund 3.000 betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen.“

    Das komplette Interview mit Stephan Jung finden Sie hier:

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