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    „Unreife Vorstellung von Demokratie“ - Sind Flüchtlinge optimale AfD-Wähler?

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    Die in Deutschland angekommenen Flüchtlinge weisen laut einer Studie mehrheitlich eine große Demokratieaffinität, aber auch unreife Demokratie-Vorstellungen, so Professor Ronald Freytag aus der Hochschule für Medien Kommunikation und Wirtschaft in Berlin (HMKW).

    Die HMKW hatte eine Umfrage in Berliner Flüchtlingswohnheimen abgehalten, in denen sie die Flüchtlinge erstmals nach ihren politischen Ansichten, nach ihren Vorstellungen von Staat und Religion und über das Zusammenleben in Deutschland befragt haben. Das Überraschende dabei war, so Freytag, Kanzler und Professor für Medien- und Wirtschaftspsychologie an der HMKW, der die Studie initiiert hatte, dass die Flüchtlinge in ihrem Politikverständnis nicht so weit von dem von Rechtspopulisten entfernt sind.

     „Die Flüchtlinge sind sehr für Demokratie“, betonte er in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. „Sie stimmen in ihrer überwältigenden Mehrheit dem Statement ‚Demokratie ist die beste Staatsform, die es gibt‘ zu, aber zugleich zeigen sie auch eine gewisse Affinität zu Statements, die traditionellerweise in Deutschland eher der rechtspopulistischen Szene zugerechnet werden. Statements wie ‚Ein starker Führer soll zum Wohle aller regieren‘ oder ‚Wenn es sein muss, müssen Recht und Ordnung mit Gewalt durchgesetzt werden‘. Das sind Statements, die typischerweise in Deutschland eher von den Anhängern der rechten oder rechtspopulistischen Parteien geteilt werden —und die finden wir auch bei den Flüchtlingen."

    Die Migranten seien da allerdings auch maßgeblich von dem politischen System, aus dem sie stammen, beeinflusst, so Professor Freytag:

    "Die Menschen kommen aus Ländern, in denen die demokratische Bildung doch eher unterentwickelt ist. Sie kommen dann hier nach Deutschland, weil sie in Deutschland die Demokratie schätzen, weil sie wissen, dass hier Meinungsfreiheit herrscht, sie wissen auch, dass hier Religionsfreiheit herrscht. Das schätzen sie sehr stark. Aber sie haben trotzdem ein bisschen unreife Vorstellungen von Demokratie."

    Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist es nötig, Aufklärungsarbeit zu leisten. Professor Freytag sagt deshalb, dass wir als deutsche Mehrheitsgesellschaft sehr offen auf die Flüchtlinge zugehen sollten:

    „Worauf wir an der Stelle bauen können, ist, dass die Flüchtlinge sehr an Kontakten zu Deutschen interessiert sind. Sie sehen die Deutschen als eine freundliche und offene Gesellschaft, die mit den Flüchtlingen tatsächlich in sehr fairer Weise umgeht. Wir als Deutsche haben jetzt die Pflicht, diesen Vertrauensvorschuss, den uns die Flüchtlinge dort geben, auszunutzen und auch tatsächlich umzusetzen und unsere Werte selbstbewusst zu vertreten."

    Ein Ergebnis, das Professor Freytag und sein Team überrascht hat, war, dass die übergroße Mehrheit der Flüchtlinge eine klare Trennung von Staat und Religion fordert. Viele Deutsche hätten ja vor allem Angst davor, dass mit den Flüchtlingen jetzt hier eine Million potentielle islamistische Fanatiker ins Land kämen, so Freytag. Es zeige sich aber, dass das durch unsere Studie überhaupt nicht gestützt wird:

    „Die Flüchtlinge schätzen die Säkularität des deutschen Staates. Sie schätzen, sie würdigen und sie finden es gut, dass Religion hier Privatsache ist. Das bedeutet natürlich auch für sie, dass sie ihre Religion unbestraft ausüben dürfen, aber sie finden es gut, dass das reine Privatsache ist, da hat der Staat also nichts zu sagen. Dass das in einem so hohen Maße gesagt wurde, das hat uns überrascht."

    Die meisten befragten Flüchtlinge möchten Deutschland als neue Heimat annehmen. Sie seien bereit, dafür in Sprache und Bildung zu investieren. Viele geben an, kulturell gebildet oder zumindest interessiert zu sein. Viele Flüchtlinge bringen auch ein überraschend großes Interesse an der Kultur Deutschlands mit. Laut den Autoren der Umfrage lautet die positive Botschaft der Studie: Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge möchte sich in die deutsche Gesellschaft integrieren und weiß, dass das großer Anstrengungen bedarf. Sie sind bereit, diese Anstrengungen zu schultern.

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    Migranten, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland