16:46 25 September 2020
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    Migrationsproblem in Europa (1282)
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    Zwischen Anfang vergangenen Jahres und Ende Juni 2016 sind in Deutschland einem Bericht zufolge mehr als 600 Abschiebungen per Flugzeug abgebrochen worden. In 160 Fällen sei die Abschiebung gescheitert, weil sich die Fluglinien oder verantwortliche Piloten weigerten, die Migranten mitzunehmen.

    Sputnik wollte wissen, wer entscheidet, ob ein Flüchtling in einen Flieger darf oder nicht. Darum haben wir bei der Pilotenvereinigung Cockpit nachgefragt. „Für die Sicherheit des Flugzeuges ist einzig und allein der Kapitän verantwortlich. Schließlich muss er es auch ausbaden, wenn es in zehn Kilometern Höhe zu Schwierigkeiten kommt“, sagt Markus Wahl, Pilot und Sprecher bei Cockpit. Meistens findet dazu ein Gespräch zwischen Piloten und Abschöbling, so der Fachbegriff, statt.

    Wenn ein abzuschiebender Migrant an Bord einer Maschine kommen soll, ist das Procedere laut Wahl stets dasselbe: Der Flugkapitän schaut sich ihn oder sie genau an und stellt sicher, dass er keine Gefahr für die Flugsicherheit darstellt. „Als normaler Fluggast bekommt man davon aber nichts mit“, sagt der Flugkapitän.

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    Wie häufig ein Abschöbling an Bord eines Flugzeugs sei, sei sehr unterschiedlich. „Das passiert im Durchschnitt ein- bis zweimal im Monat, selten häufiger. Aber im Großen und Ganzen ist es Routine“, stellt Wahl klar. Jeder Migrant werde von Bundesgrenzschützern mindestens bis zum Flieger begleitet. Wenn die Person aber schon einmal durch Gewalt auffällig geworden ist, bliebe die Bundespolizei auch während des Fluges an seiner Seite. Einen Streit zwischen Bundespolizei und Flugkapitän darüber, ob ein Abgeschobener einen Flieger betreten darf, habe es laut des Pilotensprechers noch nicht gegeben: „Dafür liegt die Verantwortung zu sehr beim Kapitän.“

    Die meisten Abschöblinge hat Wahl als Pilot nicht etwa nach „Afrika oder in den Nahen Osten“ geflogen: „Es waren meist Menschen aus Russland oder Südamerika, deren Visa abgelaufen sind“.

    Von den 160 abgebrochenen Abschiebungen waren laut Medienangaben in 46 Fällen Flüge der Lufthansa betroffen, 23 von Air Berlin und 20 von Germanwings. 108 Mal konnte die Aktion nicht durchgeführt werden, weil Betroffene plötzlich krank wurden.

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Abschiebung, Migranten, Deutschland