21:48 21 August 2017
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    Bureaucrazy: Flüchtlinge in Deutschland "basteln" an Behörden-App

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    Flüchtlinge entwickeln eine App für Flüchtlinge. Die App Bureaucrazy soll die vielen Kontakte mit Ämtern und Behörden vereinfachen, wie einer der Entwickler, Munzer Khattab aus Syrien, im Interview erläutert.

    Flüchtlinge müssen eine Vielzahl von Behördengängen absolvieren. Kontakte mit Ämtern können schon für gebürtige Deutsche mühsam und unübersichtlich sein. Wie schwer muss es wohl sein, wenn man kein Deutsch spricht? Genau diese Hürde soll nun genommen werden. Mit der App Bureaucrazy soll es Flüchtlingen möglich sein, Anträge und Formulare in ihrer Muttersprache auszufüllen. Munzer Khattab, einer der fünf Entwickler von Bureaucrazy, erklärt im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke die Funktionen der Anwendung:

    „Die App wird drei Hauptfunktionen haben. Zum einen soll sie die Formulare und Anträge, die wir von den Behörden bekommen, übersetzen. Sie soll eine Datenbasis haben, so dass man die Formulare in seiner eigenen Sprache ausfüllen kann. Bis jetzt Arabisch und Englisch. Anschließend kann man die Anträge als pdf konvertieren, ausdrucken und direkt zu den offiziellen Stellen bringen.“

    Migranten in Italien
    © REUTERS/ Arnd Wiegmann
    Migranten in Italien

    „Die zweite Funktion ist es Anleitungen zu geben“, fuhr Munzer Khattab fort. „Wenn man zum Beispiel ein Konto eröffnen will, kann dir die App erklären, wie man vorgehen sollte. Als dritte Funktion gibt es eine Orientierungshilfe. Es wird eine Karte geben, die einen zu den offiziellen Ämtern geleiten kann. Direkt zum richtigen Ansprechpartner.“

    Die Idee für Bureaucrazy kam den Syrern in einer Klasse der ReDi-School of Digital Integration. Als die Klasse über Probleme von Flüchtlingen diskutierte, fiel ihnen auf, dass Kontakte mit den deutschen Ämtern und Behörden zu den größten Problemen der Flüchtlinge in Deutschland gehöre, wie Khattab erläuterte:

    „Wir haben über die Sprach-Barriere gesprochen, über Probleme beim Internet und mit dem Wohnraum. Das größte Problem für Flüchtlinge ist aber die Bürokratie. Wir konnten noch nicht einmal normales Deutsch sprechen, geschweige denn offizielles Beamtendeutsch. Wir haben also überlegt, was man da machen könnte und wie man die Bürokratie für die Neuankömmlinge vereinfachen könnte. So sind wir dann auf die Idee für die App gekommen."

    Bureaucrazy
    © AFP 2017/ Tobias Schwarz
    Bureaucrazy

    Die Website des Projekts ist fast fertig. Munzer Khattab schätzt, dass es im Januar 2017 eine erste Version der App geben wird. Die viele Aufmerksamkeit und das große Interesse der Medien für Bureaucrazy findet er großartig. Seitdem haben sich sehr viele freiwillige Helfer bei ihnen gemeldet und auch Arbeitsraum ist den Entwicklern angeboten worden.

    Hilfe brauchen die Syrer vor allem bei der Programmierung der App. Bevor Munzer Khattab Syrien wegen dem Bürgerkrieg verlassen musste, hatte er zwei Jahre lang Architektur an der Tichrin-Universität in Latakia studiert. Nach dem Erfolg der Idee von Bureaucrazy will er sich aber umorientieren:

    "Im Moment plane ich meinen Deutsch-Kurs fertig zu stellen. Danach möchte ich die Universität als Informatik-Student besuchen. Jetzt werde ich natürlich noch weiter an der App arbeiten. Wir wollen die App nicht nur in Berlin einführen, sondern in ganz Deutschland und sogar auch in anderen Ländern, so wie in der Türkei. Dort gibt es auch viele Flüchtlinge, die gesagt haben, wir brauchen hier auch so eine App."

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    Tags:
    Migranten, Munzer Khattab, Bolle Selke, Deutschland
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