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16:09 22 Oktober 2019
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    Flüchtlingslager in Calais

    "Calais-Dschungel": Eskalationen treiben Unternehmer zum Straßen-Protest

    © AFP 2019 / Denis Charlet
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    Am 5. September soll an der französischen Autobahn A16 zwischen Boulogne-sur-Mer, Dunkerque und Calais protestiert werden: Teilnehmer der „Operation Schnecke“ fordern den Abriss des berüchtigten Flüchtlingscamps "Dschungel", wie Sebastien Rivera von der Nationalen Föderation der Fuhrunternehmer (FNDR) im Sputnik-Interview sagte.

    Der Protest ist demnach sowohl von Fuhrunternehmern, Landwirten und Geschäftsleuten aus Calais, aber ebenso von Hafenarbeitern und Vertretern der Polizeigewerkschaft SCP organisiert worden. Allen gemeinsam ist, dass sie das große Flüchtlingslager mit seinen knapp 10.000 Bewohnern in Calais als ein Wirtschafts- und Sicherheitsrisiko betrachten. Auch Rivéra, Generalsekretär der FNDR im Departement Pas des Calais will an dieser Aktion teilnehmen.

    Im vergangenen Jahr schon habe man sich an verschiedene Behörden sowie die Ministerien für Verkehrswesen und Finanzen gewandt. Seitdem habe sich wenig verändert. Darum die erneute Protestaktion am 5. September — als Zusammenspiel verschiedener Branchen.

    • Anti-Migranten-Demo in Calais
      Anti-Migranten-Demo in Calais
      © REUTERS / Pascal Rossignol
    • Flüchtlingslager in Calais
      Flüchtlingslager in Calais
      © AFP 2019 / Philippe Huguen
    • Flüchtlingslager in Calais
      Flüchtlingslager in Calais
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    • Flüchtlingslager in Calais
      Flüchtlingslager in Calais
      © REUTERS / Pascal Rossignol
    • Flüchtlingslager in Calais
      Flüchtlingslager in Calais
      © REUTERS / Yves Herman
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      Flüchtlingslager in Calais
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      Flüchtlingslager in Calais
      © AP Photo / Markus Schreiber
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      Flüchtlingslager in Calais
      © REUTERS / Philippe Wojazer
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    © REUTERS / Pascal Rossignol
    Anti-Migranten-Demo in Calais

    „Die Geschäftsleute von Calais haben gestern auf einer Pressekonferenz erklärt, dass sie sich ebenfalls unserer Aktion am 5. September anschließen werden. Auch die Hafenarbeiter werden sich beteiligen. Uns schließen sich alle Wirtschafssektoren von Calais an sowie ein Teil der Bevölkerung, die ihren Protest bekunden will“, sagte Rivéra.

    Die Lage spitze sich zu, eine Konfliktlösung dringender.

    „Die Überfälle sind auch aggressiver geworden. Schon sechs Monate lang erstürmen Migranten praktisch jede Nacht die Umgehungsstraße am Hafen sowie die Automagistrale A16 zwischen Calais und Coquelles an der Einfahrt zum Eurotunnel“, so Rivéra.

    Dabei kömen immer wieder gefällte Bäume oder in Brand gesteckte Autoreifen zum Einsatz. Fahrzeuge würden mit Brandflaschen, Eisenstangen, Holzknüppeln und Pflastersteinen angegriffen. Zudem seien die Fahrer bedroht und Lkw-Planen zerschnitten worden. Sobald die Fahrzeuge anhielten, versuchten die Migranten hineinzuklettern, um  zwischen der Fracht versteckt doch noch nach Großbritannien zu gelangen. Dabei werde oft die Ware beschädigt oder ganz gestohlen, „und das bei völliger Straflosigkeit“, so der FNDR-Generalsekretär.

    Der Vize-Vorsitzende der im Flüchtlingslager tätigen Assoziation Migranten-Herberge (franz. Auberge des Migrants), François Guennoc, sieht in der Aktion einen politischen Hintergrund. Auch er habe erfahren, dass Landwirte, Geschäftsleute, Hafenarbeiter und — seltsamerweise, wie er sagt – selbst die Fernfahrer eine Verkehrsblockade planten.

    „Anfangs dachten wir, die Aktion sei äußerst gefährlich, da es die in Calais ohnehin existierenden Spannungen noch steigern werde. Dann war für uns offensichtlich, dass es um ein politisches Manöver seitens der Stadtverwaltung von Calais und der rechten Opposition geht. Das ist eine politische Operation, über die wir nachdenken werden. Morgen treffen wir uns mit anderen Verbänden, um festzulegen, wie auf diese Aktion zu reagieren ist“, erzählt Guennoc.

    Im Februar 2003 unterzeichneten die Innenminister beider Länder das Abkommen über vorgezogene Grenzkontrollen am Ärmelkanal. Der Grenzübergang zum Nicht-Schengen-Land Großbritannien befindet sich demnach jetzt auf französischer Seite in Calais. Allerdings hatte damals niemand mit einem derart hohen Aufkommen an Migranten gerechnet, wie es heute zu verzeichnen ist. Das mit den Briten abgeschlossene Abkommen ist vielen französischen Politikern nun ein Dorn im Auge. Sie würden die Grenze gern wieder ins englische Dover verlegen, damit sich die Briten selbst um die Asylanträge und den starken Zustrom von Migranten kümmern.

    Der sogenannte „Dschungel von Calais“ ist eine provisorische Zeltstadt nahe der französischen Stadt Calais im Norden des Landes. Flüchtlinge und Migranten wollen dann per Fähre oder Eurotunnel weiter nach Großbritannien. Im August kampierten dort über 9.000 Menschen in provisorischen Unterkünften.

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    Tags:
    Migranten, Sébastien Rivéra, Calais, Frankreich