23:16 04 August 2020
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    Bekommt Berlin amerikanische Verhältnisse? Wenn es nach Berlins Innensenator geht, sollen die Polizisten künftig mit sogenannten Tasern bewaffnet in der Hauptstadt auf Streife gehen. Mit diesem Vorstoß hat sich Frank Henkel eine ganze Menge Kritik eingehandelt, Vertreter der Polizei sind vorsichtig optimistisch.

    In Großbritannien und den USA sind Taser seit Langem Teil der Ausrüstung von Streifenpolizisten, in Deutschland werden die Elektroschocker bisher nur von Spezialeinheiten eingesetzt. Nun sollen die Elektroschocker in einigen Bezirken von Berlin, wie etwa am Alexanderplatz oder in der Friedrichstraße, auf ihre Alltagstauglichkeit getestet werden. Ein mögliches Szenario für den sinnvollen Einsatz der Waffe sieht der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) Andre Schulz im Umgang mit psychisch kranken Personen, von denen Gefahr ausgeht.

    „Wir haben die Problematik bei einigen Einsätzen, also beispielsweise bei psychisch kranken Personen, mit denen man schwer reden kann und wo auch Pfefferspray nichts nützt, wo man aber auch die Schusswaffe nicht einsetzen möchte, von der Person aber Gefahr ausgeht“, sagte er in einem Interview mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer. „Hier versucht man, ein Mittel zu finden, um diese Lücke zu schließen – also wie man diese Person handlungsunfähig machen kann, ohne sie wirklich zu verletzen.“

    Kritiker der Elektroschocker, darunter Amnesty International, warnen vor dem Einsatz der Waffen mit Verweis auf die Erfahrungswerte aus den USA. Dort soll es zu Hunderten Todesfällen infolge von Taser-Einsätzen gekommen sein und auch Fälle von unverhältnismäßigem Einsatz der Waffe seien keine Seltenheit. 

    Der deutschen Polizei seien die Berichte bekannt, so Schulz, Studien des Herstellers würden diese aber widerlegen. Man wolle eigene Erfahrungen mit dem Taser sammeln, um zu prüfen, ob es ein taugliches Mittel sei und helfen könne, Menschenleben zu retten.

    Befürworter des Tasers bezeichnen ihn als effektiver als Pfefferspray und humaner als ein Schlagstock. Auch der Bundesvorsitzende des BDK kann sich vorstellen, dass der Einsatz der neuen Waffe im Vergleich zum Schlagstock weniger Schäden verursachen könnte:

    „Wenn man sich anschaut, was ein Schlagstock für schwere Verletzungen anrichten kann, gerade wenn man auf den Kopf getroffen wird, dann wäre nach bisherigen Untersuchungen ein Elektroschock, der einen kurz außer Gefecht setzt und in der Regel keine bleibenden Schäden hinterlässt, das deutlich humanere Mittel.“, erklärt der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) Andre Schulz.

    Die Idee des Taser-Einsatzes ist nicht neu. Dass Berlins Innensenator Frank Henkel das Thema als politisches Mittel im Wahlkampf gezielt einsetze, wie ihm unter anderem vom Regierenden Bürgermeister  Michael Müller vorgeworfen wird, sei der Polizei durchaus bewusst, so Schulz.

    „Wenn man das objektiv betrachtet, sieht man ganz klar den Zusammenhang mit dem Wahlkampf. Es ist daher durchaus eine populistische Forderung. Die Diskussion gibt es seit Jahren und bisher sahen sich wenige Senatoren genötigt, sie nach vorne zu bringen.“

    Das Argument seitens der Grünen, man solle sich besser darum kümmern, die Grundausstattung der Polizei zu modernisieren,  als mit der Einführung von Tasern Wahlkampf zu machen, unterstützt der BDK-Vorsitzende allerdings nicht.

    „Das eine hat mit dem anderen nicht unbedingt etwas zu tun. Die Grundforderungen bleiben gleich:  Schutzwesten zu haben, die den Anforderungen des Alltags entsprechen, Schusswaffen, die praktikabel sind. Berlin hat mit die ältesten Pistolen, die es noch gibt. Es gilt, die Kollegen zu ihrem Schutz mit der bestmöglichen Ausrüstung auszustatten und zugleich des Taser mit der nötigen Sorgfalt und unhysterisch zu testen.“

    Insgesamt sehe die Polizei der Einführung der Taser positiv oder zumindest neutral entgegen und begrüße bessere Einsatzmittel.

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    Tags:
    Taser, Polizei, Großbritannien, Deutschland, USA