04:21 18 Dezember 2017
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    Wenn dein Kommilitone ein Dschihadist ist – IS-Anwerbung an der Universität Turin

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    Heute ist es leichter denn je, sich den Reihen der Terroristen anzuschließen. Oft reicht dafür nur ein Klick in den sozialen Netzwerken. Selbst eine Aufenthaltsgenehmigung, ein Studium an einer angesehen Universität oder ein Stipendium können einen nicht davon abhalten, Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (auch Daesh, IS) zu werden.

    Genau das war der Fall bei zwei Migranten aus Tunesien, die an der Universität Turin studiert hatten und später dann nach Syrien zogen. Insgesamt sollen in Turin bereits zehn solche Fälle registriert worden sein. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Wie kann man das alles verhindern?

    In einem Interview mit Sputnik sprach Barbara Santomartino, eine Studentin der Sprachfakultät der Universität Turin, von ihren Erlebnissen nach Meldungen über radikalisierte Studenten. Als sie erfahren habe, dass ausländische IS-Kämpfer mit ihr studiert haben, sei sie schockiert gewesen.

    „Es ist ziemlich beunruhigend, dass an einer Universität im Kulturzentrum der Stadt, wo man geistig aufgeschlossen ist, junge Menschen angeworben wurden, um in den Krieg auf Seiten des IS zu ziehen“, sagte Santomartino.

    Umso beunruhigender sei es wegen der Schwierigkeit, von solchen Dingen rechtzeitig zu erfahren. Trotzdem sollte jeder ein Recht auf Bildung haben, selbst Ausländer, die in Italien eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, ist die junge Frau überzeugt.

    „Mich beunruhigt die Tatsache, dass es an der Universität viele Arabisten gibt, was Intoleranz hervorrufen kann. Arabisten könnten für potenzielle Dschihadisten gehalten werden“, fügte sie hinzu.

    An der Universität gebe es viele Studenten aus Nordafrika: Tunesier, Ägypter, Marrokaner usw. „Ich habe Angst, dass man sie nun an der Universität mit Misstrauen behandelt – an einem Ort, wo man unvoreingenommen bleiben und wo eine Atmosphäre von Toleranz herrschen sollte“, sagte Santomartino.

    Für die Integrierung von Ausländern werde nicht genug getan, glaubt die Italienerin. Und gerade in dieser Hinsicht gebe es wahrscheinlich einen Nachholebedarf. „Ich bin immer der Meinung gewesen, dass man für solche Studenten spezielle italienische Sprachkurse einrichten sollte. Die Integration liegt schließlich an den Studenten selbst“.

    Es mache ihr Angst, dass an der Universität, einem Ort, wo man es am wenigsten erwarte, dein Kommilitone sich plötzlich als Dschihadist erweisen könnte. „Ich habe Angst, aber da kann man nicht viel tun. Man sollte weiterleben und zur Uni gehen, mit der Hoffnung, dass man in einer kulturell aufgeschlossenen Umgebung ist und dass die Lage besser kontrolliert wird“.

    Zum Thema:

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    Tags:
    Islamischer Staat, Dschihadisten, Algerien, Marokko, Tunesien, Nordafrika, Syrien, Turin, Italien
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