07:26 15 Dezember 2017
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    Sea Watch: Zahl der Todesfälle bei Flüchtlingen auf Mittelmeer steigt

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    Migrationsproblem in Europa (1281)
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    Seit 2014 sind auf dem Mittelmeer mehr als 10.000 Menschen umgekommen. Dieses Jahr hat die Flucht über das Mittelmeer bislang mehr Menschen das Leben gekostet, als in den Vergleichsmonaten der vergangenen Jahre, so Ruben Neugebauer von Sea Watch. Allein letzte Woche habe die italienische Küstenwache mehr als 14.000 Menschen aus Seenot geborgen.

    Sea Watch-Sprecher Neugebauer sieht als Hauptgrund dafür die Politik der Europäischen Union. Da es keine legalen Einreisewege gebe, werden die Flüchtenden dazu gezwungen, untaugliche Boote zu besteigen, bevor sie in Europa Asyl beantragen können.

    Die zentrale Mittelmeerroute, ist laut Neugebauer „ohne Zweifel die gefährlichste von allen Routen nach Europa“. Das sie derzeit so viele Tote fordert, liege sicherlich auch daran, dass es Abschottungsmaßnahmen auf den anderen Routen gibt, stellte er in einem Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke fest. Hinzu komme, dass die Europäische Union einen sogenannten Krieg gegen Schlepper führt.

    „Die Schlepper betreiben tatsächlich ein kriminelles Business. Wenn man aber versucht, das einzudämmen, führt das dazu, dass  dann noch schlechtere oder noch seeuntauglichere Boote losgeschickt werden. Dadurch verstärkt sich das Problem eher. Ich denke, das ist auch ein Grund, warum wir dieses Jahr so viele Tote zu beklagen haben", so der Sea Watch-Sprecher.

    Neugebauer selbst war zuletzt im Juli im Einsatz. In diesen zweieinhalb Wochen haben sie über 6500 Menschen geholfen und zu deren Rettung beigetragen. Gleichzeitig hatten die Helfer aber auch da 16 Todesfälle — alleine während dieser zweieinhalb Wochen, alleine auf unserem Schiff. Dazu sagt Sea Watch-Vertreter: „Das ist immer wieder heftig. Das ist eine Situation, die da sowohl den Rettungskräften, als auch den Flüchtenden zugemutet wird, die für uns absolut inakzeptabel ist. Dafür ist eben die Europäische Union verantwortlich, die keinerlei Wege für diese Menschen schafft, auf sicheren Routen nach Europa zu kommen."

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    Mittlerweile gibt es eine ganze zivile Flotte. Mehrere NGOs sind gemeinsam mit Sea Watch dort unterwegs, um Tote zu vermeiden. Wie gefährlich diese Einsätze sind, zeigt sich bei einem Zwischenfall, der sich Mitte August auf dem Schiff von Ärzte ohne Grenzen, der Bourbon Argos, ereignet hat. Dem Schiff näherte sich ein nicht identifiziertes Schnellboot mit hoher Geschwindigkeit und feuerte Schüsse ab. Mittlerweile weiß man, so Neugebauer, dass dies die libysche Küstenwache war:

    „Was da die Intention dahinter war, was da die genauen Hintergründe waren, wissen wir auch nicht. Es ist allerdings so, dass uns natürlich bewusst ist, dass wir in einem Gebiet operieren, wo es zu Zwischenfällen kommen kann. Deswegen gibt es dafür auch auf den zivilen Schiffen entsprechende Sicherheitsprotokolle. Das hat im Fall der Bourbon Argos auch dazu geführt, dass niemand zu Schaden gekommen ist.“

    Angefangen hatte der gemeinnützige Verein Sea-Watch e.V. Anfang 2015 mit einem umgebauten Fischkutter. Mittlerweile gibt es zwei Schiffe, die auf dem zentralen Mittelmeer operieren können. Eins davon ist derzeit im Einsatz, eins in der Werft.

    Außerdem gibt es neuerdings ein Aufklärungsflugzeug. Da fehlt allerdings die Aufstiegsgenehmigung von Tunesien aus. Neugebauer erklärt: „Mittlerweile sind über zehn zivile Schiffe auf dem Mittelmeer in der Seenotrettung aktiv. Das ist ein Zeichen, dass die Zivilgesellschaft dieses Sterbenlassen seitens der Europäischen Union nicht einfach so akzeptieren will.“

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    Tags:
    Migranten, Sea Watch, EU, Ruben Neugebauer
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