09:41 22 September 2018
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    Zwei Beamte der Bundespolizei patrouillieren im Berliner Hauptbahnhof (Archivfoto)

    Berliner Polizei kauft ausrangierte Dienstwaffen: „Ein Armutszeugnis“

    © AFP 2018 / Kay Nietfeld/DPA
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    Arm ja, aber ist das sexy? Die Berliner Polizei hat so wenig Geld, dass sie sich anstelle neuer Pistolen die veralteten Waffen aus Schleswig-Holstein beschafft. Zu einem Schleuderpreis: Pro Waffe zahlt sie einen Euro.

    Die Polizeigewerkschaft (GDP) hat das gegenüber Sputnik bestätigt. Mit den ausrangierten Pistolen aus dem Norden soll der Waffenbestand der Berliner Polizei aufgefüllt werden. Bei den Waffen handelt es sich um P6 des Herstellers SIG Sauer. „Die Waffen stammen aus den 70er Jahren und werden nicht mehr hergestellt“, bestätigte Benjamin Jendro, Sprecher der GDP in Berlin. „Es ist schon ein Armutszeugnis, wenn man mal sieht, dass wir jetzt irgendwelche Restbestände aufkaufen, um über die Runden zu kommen.  Und andere Bundesländer sich immer wieder neuere, modernere Handfeuerwaffen anschaffen.“

    Da kämen bei einem Polizisten, der seinen Dienst auf den Straßen Berlins tut, natürlich Fragen auf, und Zynismus scheint das einzige Mittel zu sein, dem Manko bei der Ausstattung im Vergleich zu Kollegen in anderen Bundesländern zu begegnen: „Warum muss er mit einer veralteten Waffe herumlaufen, wahrscheinlich ist er nicht so viel wert.“ Laut Jendro gelte das auf allen Ebenen: Bei der Ausrüstung, Einrichtungen in Gebäuden und bei der Besoldung sowieso: „Da ist Berlin ohnehin Schlusslicht, andere Kollegen verdienen wesentlich besser.“

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    Die Anschaffung der veralteten Waffen sei im Übrigen dringend notwendig gewesen. Für die Pistole P6, die die Berliner Polizei derzeit benutzt, gebe es keine Ersatzteile mehr. Darum sei der Kauf dieser Waffen schon sinnvoll gewesen und ein Schnäppchen.  „Man muss sich allerdings schon fragen, warum wir im Ramschladen einkaufen“, sagt Jendro sarkastisch.

    Mit dem Alter einer Waffe sinke auch ihre Verlässlichkeit: „Die Pistole sollte funktionieren, aber es gibt auch Zwischenfälle, wo die Technik ihren Geist aufgibt.“ Solche Ladehemmungen hatten die Waffen bis jetzt nur im Schusstraining – im Einsatz sei nach Angaben der GDP zum Glück noch nicht passiert: „Aber wir sollten uns darauf nicht verlassen“, erklärt Jendro. 

    Zum Schluss hat der Gewerkschaftssprecher noch eine Message, die sich zwei Tage vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus an  die Berliner Lokalpolitiker richtet: „Wir sind die Hauptstadtpolizei, uns scheint die innere Sicherheit nicht so wichtig zu sein wie in anderen Bundesländern.“

    Das komplette Interview finden sie hier:

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    Tags:
    Zynismus, Polizei, Benjamin Jendro, Berlin, Deutschland