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02:57 21 Juli 2019
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    Eine Muslimin (Symbolfoto)

    „Wer wir sind, was wir möchten“: Liberale Muslime rufen zum Dialog auf

    © Flickr/ Ryan Summers
    Gesellschaft
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    Namhafte liberale Muslime und Islamwissenschaftler haben gemeinsam die Deklaration säkularer Muslime veröffentlicht. Wie der Mitinitiator Dr. Abdel-Hakim Ourghi betont, diene die Deklaration diene dazu, die Positionen der Unterzeichner darzulegen. Außerdem will man so ins Gespräch mit anderen Muslimen kommen.

    „Unwissenheit führt zu Angst, Angst führt zu Hass und Hass führt zu Gewalt. Das ist eine einfache Gleichung.“ Mit diesem Zitat von Ibn Ruschd beginnt die Deklaration Säkularer Muslime. Die ursprünglich Freiburger Deklaration genannte Erklärung wurde unter anderem von Islamwissenschaftlern, Theologen, Lehrern, Soziologen, Ärzten und Psychologen unterzeichnet. Wie Dr. Abdel-Hakim Ourghi, Islamwissenschaftler an der Uni Freiburg und Mitunterzeichner der Deklaration, im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke erklärt, geht es darum, dass sich die liberalen Muslime sich positionieren. Man weiß, dass die konservativen Dachverbände nur 15 Prozent aller Muslime vertreten und deswegen will man sich endlich mal positionieren, hieß es. Zu dem Zweck sei es ihnen gelungen, liberale Muslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ins Gespräch miteinander zu bringen. Den Unterzeichnern gehe es in erster Linie darum, zu vermitteln, welche Werte sie vertreten. Ourghi betont:

    „Wir stehen für einen humanistischen, modernen und aufgeklärten Islam im zeitgemäßen Kontext und wir verstehen uns selbst als säkulare Musliminnen und Muslime. Wir betonen den interkulturellen Dialog mit allen Religionen und Weltanschauungen  und wir setzen uns auch aktiv dafür ein. Für uns stehen der Mensch und seine Bedürfnisse im Zentrum der Religion. Wir sprechen von einem reformierten Islam, der mündige und selbstbestimmte Menschen lenkt und zwar auf der Grundlage der reflektierenden Vernunft. Wir lehnen Diskriminierungen jedweder Art ab. Dazu gehören insbesondere auch Antisemitismus und Homophobie."

    Als Ziele werden in der Deklaration in erster Linie eine Ausarbeitung moderner Lesarten des Korans beruhend auf einer historisch-kritischen Textanalyse, und die Ausarbeitung einer neuen, modernen, aufgeklärten und humanistisch angelegten Theologie genannt. Die Unterzeichner sind sich einig darin, dass Polygamie, eine gewalttätige Erziehung und die Verheiratung Minderjähriger abzulehnen sind, ebenso wie eine Religionspädagogik, die Kindern Angst vor Gott macht. Sie wollen liberale islamische Organisationen und Gruppen unterstützen. Dr. Ourghi erklärt, dass sie sich nicht als eine Konkurrenz für die bereits agierenden liberalen Dachverbände betrachten:

    „Im Gegenteil, wir möchten sie ergänzen und unsere Türen sind auch offen für alle. Das wichtigste ist, dass wir gemeinsam zusammenarbeiten, für eine Etablierung eines humanistischen und modernen Islams bei uns in Deutschland."       

    Ourghi findet es selbstverständlich, wenn sie kritisiert werden, er betont aber, dass sie mit allen Muslimen zusammenarbeiten möchten:

    "Wir sind an einer ehrlichen und mutigen Debatte unter den Muslimen interessiert. Deshalb möchten wir auch gerne Gespräche oder einen Dialog mit den Dachverbänden der konservativen Muslime führen. Die Deklaration dient für uns dazu uns deutlich zu positionieren, wer wir sind, was wir möchten und uns geht es darum, dass sich eine Diskursdebatte unter den Muslimen etabliert."

    Von liberaler Seite gibt es schon ersten Gegenwind. Lamya Kaddor, die erste Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, betone man wolle nicht mit den Vertretern der Deklaration sprechen. Ihr Verein betone, er habe ein ganz anderes Verständnis von Liberalität.

    Auch der Kontakt zu den konservativen Dachverbänden sei naturgemäß schwierig, da es ihnen in erster Linie um die sogenannte Deutungshoheit gehe und der Islamwissenschaftler Ourghi nimmt an, dass sie diese nicht verlieren möchten. Trotzdem hofft er, man ins Gespräch kommt.

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    Tags:
    Koran, Gewalt, Hass, Islam, Lamya Kaddor, Abdel-Hakim Ourghi, Deutschland