14:32 10 Dezember 2019
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    Muhannad Musa

    Deutschland, deine Helden: Keine Belohnung für den Syrer, der 150.000 Euro fand

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    Muhannad Musa, ein 25-jähriger Flüchtling aus Syrien, hat im Juni deutschlandweit Schlagzeilen gemacht, als er in einem Schrank 150.000 Euro fand und diese der Polizei übergab. Das Verhalten des ehrlichen Finders in Minden wurde als „vorbildlich“ gepriesen und er selbst avancierte zum Helden. Mittlerweile ist es still um den Syrer geworden.

    Dabei war seine Tat längst nicht selbstverständlich und auch der ehrliche Finder räumt ein, dass er zunächst darüber nachdachte, das Geld zu behalten, das er zufällig in einem Schrank aus dem Second Hand Shop gefunden hatte.

    „Ich überlegte, was ich tun sollte, und mein erster Gedanke galt meiner Familie. Diese Summe wäre genug, um ihr zu helfen und sie nach Deutschland zu holen. In Syrien ist ja Krieg und es passieren schreckliche Dinge. Meine zwei Brüder sind in dem Alter, wo sie in die Armee eingezogen werden können, und wenn man zur Armee geht, wird man höchstwahrscheinlich sterben oder wird gezwungen sein, Unschuldige zu töten.“

    Musa hatte sich dennoch dazu entschlossen, das Geld bei der Polizei abzugeben, damit es seinem rechtmäßigen Besitzer zugeführt werden kann. Dass man in Deutschland über seine Ehrlichkeit augenscheinlich sehr erstaunt war, wundert den 25jährigen aber nicht.

    „Naja, ich bin ein Flüchtling und bekomme nur sehr wenig Geld. Sie wissen, dass die Verhältnisse für die Flüchtlinge sehr schwer sind. Sie wissen auch, dass jeder Flüchtling hier noch Familie in Syrien hat und ihr mit dem Geld gern helfen würde. Normalerweise denken die Leute: Wenn ich das Geld gefunden habe, gehört es mir. Vielleicht gibt es da aber kulturelle Unterschiede. Die Deutschen schienen jedenfalls erstaunt darüber, dass ein Mensch, der das Geld so dringend braucht, wie kaum ein anderer, es trotzdem bei der Polizei abgibt.“

    Aber was hat sich für Muhannad Musa durch seine Tat verändert? Nicht viel, sagt der Flüchtling in einem Interview mit der Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer. Freunde habe er nach wie vor nur wenige, Hilfe von anderer Seite habe er auch nicht erhalten. Die Besitzer des gefundenen Geldes habe er einmal getroffen, der Kontakt sei aber nicht aufrechterhalten worden. Für die 150.000 Euro habe man ihm zwar einen Finderlohn von etwa 1600 Euro zugesprochen, doch das Geld habe er bis heute nicht bekommen.

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    „Ich darf das Geld aber nicht bekommen, das Jobcenter wird es an meiner Stelle verwalten. Da ich ein Flüchtling bin, ist es illegal, wenn ich so viel Geld habe. Ich habe gefragt, ob ich von dem Geld den Führerschein machen könnte, aber auch das ist verboten.“

    Das Geld sei für ihn aber nicht das Wichtigste, sagt Musa. Vielmehr hoffe er, dass sich jemand findet, der ihm hilft, seine Familie zu retten.

    „Das Einzige, was ich mir wirklich wünsche, ist meine Familie aus ihrer schrecklichen Lebenssituation herauszuholen und vielleicht gibt es irgendjemanden, der mir dabei helfen könnte. Meine Mutter weint jedes Mal, wenn wir miteinander telefonieren. Meine Eltern sind stolz auf mich, aber ich bin so weit weg und wir haben uns seit einem Jahr nicht gesehen. Wenn meine Familie kommen könnte, wäre das die größte Belohnung für mich, ich brauche kein Geld der Welt, ich möchte sie einfach sehen.“

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    Migranten, Muhannad Musa, Syrien, Deutschland