20:22 19 Oktober 2017
SNA Radio
    Sankt Petersburg

    MH17-Umfrage: Russen nennen Schuldige

    © Sputnik/ Alexej Danitschew
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Ermittlungen zu MH17-Absturz (223)
    451051320824

    Auch zwei Jahre nach dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 über der Ost-Ukraine sind die meisten Russen überzeugt: Hinter der Katastrophe mit 298 Toten stecken entweder das ukrainische Militär oder westliche Geheimdienste.

    Die jüngste Studie des Moskauer Meinungsforschungsunternehmens WZIOM zeigt, dass die MH17-Katastrophe auch nach zwei Jahren noch großen Widerhall in der russischen Öffentlichkeit findet: Fast jeder Russe hat davon gehört.

    Jeder zweite Befragte glaubt, dass die ukrainische Armee das Passagierflugzeug vom Himmel geholt hat. 14 Prozent geben „westlichen Geheimdiensten“ die Schuld. Nach Ansicht von acht Prozent der Befragten wurde die Boeing von Terroristen abgeschossen, die mit dem Konflikt in der Ost-Ukraine nichts zu tun haben.

    Die Mutmaßungen westlicher Politiker, hinter dem Abschuss stünden Volksmilizen des Donbass oder gar Russland, kommen bei den Russen nicht an: Ihnen glauben nur fünf Prozent. Etwa 16 Prozent antworteten mit „weiß nicht“, weitere sieben Prozent  nannten andere Versionen der Ereignisse. Fast zwei Drittel der Befragten sind mit den Schlüssen der internationalen Ermittlergruppe vertraut, laut der die Rakete, die das Flugzeug traf, aus einem von den Donbass-Milizen kontrollierten Gebiet abgeschossen worden sein soll.

    Rund 27 Prozent erwarten davon negative Auswirkungen für Russland: von schärferen Sanktionen bis hin zu einem militärischen Konflikt. Nur fünf Prozent glauben, dass die westlichen Ermittler Russland freisprechen könnten. Das WZIOM hat am 1. und 2. Oktober dieses Jahres 1600 Menschen zu diesem Thema befragt.

    Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 im damals umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk abgestürzt. Alle 298 Insassen der von Amsterdam nach Kuala Lumpur fliegenden Verkehrsmaschine, darunter 85 Kinder, kamen ums Leben.

    In der Region lieferten sich die ukrainische Armee und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Die Regierung in Kiew und die Milizen werfen sich gegenseitig vor, den Jet abgeschossen zu haben. Weil die meisten Opfer Niederländer waren, übernahmen die Niederlande die Leitung der Untersuchung. Doch noch vor Beginn der Ermittlungen hatten viele Kiewer und westliche Politiker die ostukrainischen Volksmilizen schon für den mutmaßlichen Abschuss verantwortlich gemacht und Russland eine Verwicklung vorgeworfen.

    Nach Erkenntnissen des internationalen Ermittlungsteams JIT (Niederlande, Australien, Ukraine, Belgien, Malaysia) wurde die Maschine mit einer Boden-Luft-Rakete der Baureihe Buk abgeschossen.

    Ende September dieses Jahres veröffentlichte das JIT einen neuen Bericht, laut dem die Rakete aus einem von den Volksmilizen kontrollierten Gebiet abgefeuert wurde. Dorthin soll sie aus Russland gebracht worden sein, hieß es.

    Diese Angaben widersprechen jedoch den Ergebnissen von mehr als 100 Feldexperimenten des Buk-Herstellers Almaz-Antey, der im Rahmen eigener Untersuchungen sogar ein abgemustertes Flugzeug mit einer Rakete zerstört hat.

    Der Rüstungskonzern warf den Ermittlern vor, wichtige technische Daten der Rakete ignoriert und ihre Schlussfolgerung an eine bereits vorgefertigte Meinung angepasst zu haben. Auch die Regierung in Moskau bezeichnet den Bericht als voreingenommen. Sie kritisiert unter anderem, dass die Ukraine die Towergespräche und die USA ihre Radardaten vom Tag der Katastrophe geheim halten. Russland hingegen hat alle seine Daten zur Verfügung gestellt.

    Themen:
    Ermittlungen zu MH17-Absturz (223)

    Zum Thema:

    „Unsinn im Quadrat“ - Sacharowas Antwort an niederländischen Premier zu MH17-Absturz
    Flugzeug-Abschuss über Ostukraine: 100 Verdächtige im Fall MH17
    „Gezielte Täuschung“: Raketenbauer nehmen Bellingcat-Bericht zu MH17 auseinander
    Tags:
    Umfrage, MH17-Absturz, WZIOM, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren