20:32 21 Juli 2017
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    Wer Single ist, ist behindert? – WHO definiert Unfruchtbarkeit neu

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    Die Weltgesundheitsorganisation will neue Kriterien für Unfruchtbarkeit festlegen, wie „The Telegraph“ berichtet. Demnach soll die Unfähigkeit, einen zur Erfüllung des Kinderwunsches geeigneten Sexpartner zu finden, bereits als Behinderung eingestuft werden.

    Die WHO will demnach die Definition von „Unfruchtbarkeit“ ausweiten, schreibt die Zeitung. Demnach würde sie bald nicht mehr ausschließlich als klinischer Zustand definiert werden. Bislang gilt als unfruchtbar, wer über einen Zeitraum von wenigstens zwölf Monaten hinweg bei regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Kinder zeugen könne. Die neuen Standards sollen bereits 2017 den Gesundheitsministerien einiger Länder zur Prüfung vorgelegt werden.

    Nach Ansicht der WHO hat jeder Mensch ein Anrecht auf Fortpflanzung. Deshalb soll nun auch die Unfähigkeit, einen geeigneten Geschlechtspartner zu finden, als Behinderung eingestuft werden. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Suche nicht krankheitsbedingt erfolglos bleibe.

    Eine solche Standardänderung könnte Medienberichten zufolge eine stärkere Nachfrage nach derzeit in vielen Ländern verbotenen Dienstleistungen nach sich ziehen, wie beispielsweise der kostenpflichtigen Leihmutterschaft. Auf diese Weise könnten etwa alleinstehende Männer ihren Kinderwunsch mit einer Frau verwirklichen, die für eine bestimmte Geldsumme das Kind austragen würde.

    „Diese Neuregelung würde es Menschen ermöglichen, Kinder unabhängig davon zu bekommen, ob sie einen Partner haben oder nicht. Das ist eine radikale Änderung, die den Umgang mit diesem Bereich des Gesundheitsschutzes im Ansatz verändert“, sagte David Adamson, einer der Initiatoren dieser Neuerung.

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    © Sputnik/ Alexander Kryazhev

    Kritiker betonen jedoch, dass die WHO mit der neuen Regelung versuche, „soziale Probleme mithilfe menschlicher Körper zu lösen“. Zudem könnten die neuen Standards dazu führen, dass künstliche Befruchtung für Paare unzugänglich würde, die aus medizinischen Gründen keine Kinder haben können.

    „Die neue Definition ist absurd, absoluter Nonsens“, sagt Josephine Quintavalle, Mitglied der Kommission für Reproduktionsethik. „Dadurch wird nicht nur die Unfruchtbarkeit im Kern neudefiniert, sondern auch die Bedeutung des natürlichen Geschlechtsakts zwischen Mann und Frau negiert. Wie schnell kommen wir auf diesem Wege von Kindern nach Maß zu Kindern aus dem Reagenzglas?“, fragt die Aktivistin.

    Infertilität ist bei Frauen auf Platz 8 der meistverbreiteten Krankheiten – nach Blutvergiftung oder unsicheren Abtreibungen. Unter Menschen bis 60 Jahren ist die Unfruchtbarkeit die fünfthäufigste Krankheit nach Depressionen, Sehstörungen, unbeabsichtigter Traumata und Alkoholismus.

    Tags:
    Single, Weltgesundheitsorganisation (WHO)
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