18:15 05 Dezember 2019
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    Nora Illi in der Talkshow von Anne Will

    Niqab-Auftritt bei Anne Will: „Man kann der Sendung fast dankbar sein“

    © AFP 2019 / / dpa/ Karlheinz Schindler
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    Der Niqab-Auftritt von Nora Illi in der Talkshow „Anne Will“ weitet sich zum Skandal aus. Offenbar warnte die Schweizer Justiz die ARD vor der 32-jährigen. Illi ist Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS), der vom eidgenössischen Nachrichtendienst beobachtet wird.

    Die ARD und speziell die Redaktion von „Anne Will“ stehen nach dem Auftritt der Muslima Nora Illi unter Beschuss. In eine Niqab gekleidet, verharmloste die Schweizerin in der Talkshow den Dschihad und verteidigte die Vollverschleierung als Freiheit und Selbstbestimmung.

    Nach Ansicht vieler Zuschauer bekam Illi mit ihren radikalen Aussagen eine viel zu breite Plattform. Sputnik hat Leif-Erik Holm, den Fraktionsvorsitzenden der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, nach seiner Meinung gefragt.

    „Vielleicht ist der Auftritt ganz gut, in der Hinsicht dass der Bevölkerung mal vorgeführt wird, was für Probleme wir mit dem 'Islamischen Staat' haben“, äußerte er. „Und welche Probleme wir haben, wenn wir uns mit Niqab verkleiden und im Fernsehen sitzen oder uns auf der Straße begegnen. Man kann ja gar nicht vernünftig miteinander kommunizieren. Das wurde jetzt plastisch dargestellt. Insofern kann man der Sendung fast dankbar sein.“

    Bei der Kardinalfrage, ob Deutschlands meistgesehene Talkshow auf einem öffentlich-rechtlichen Sender Extremisten eine Öffentlichkeit gewähren darf, wird der gelernte Journalist kritisch: „Das ist die große Frage. Bei jeder Gelegenheit wird gesagt, Extremisten können wir nicht platzieren im Fernsehen. Man wird niemals einen von der NPD einladen oder jemanden von ganz Linksaußen. Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Das verstehe ich eigentlich nicht. Ich hätte mit der Niqab auch meine Probleme gehabt — so jemanden einzuladen, von dem man weiß, er wird Propaganda betreiben für eine grauenvolle Organisation.“

    Nora Illi ist Frauenbeauftragte  des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS). Die Schweizer Bundesanwaltschaft soll die „Anne Will“- Redaktion nach Medienangaben im Vorfeld vor Illi gewarnt haben. Die Redaktion bestätigte den Kontakt zur Bundesanwaltschaft. Die Schweizer Juristen hätten allerdings nicht konkret von einer Einladung Illis abgeraten.

    Diese Begründung reicht Holm nicht aus: „Da sitzt eine große Redaktion eines der größten Sender zusammen. Die plant jede Woche eine Talkshow. Wenn unsere AfD-Leute in der Talkrunde sitzen, da wird jedes kleinste Zitat hochgepuscht, was irgendwann im Laufe der Jahre gefallen ist. Aber in dem Fall hat man nicht feststellen können, dass da eine extremistische Dame sitzt? Da muss ich dann schon an der Redaktion zweifeln.“

    Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Schweriner Landtag fordert die Senderaufsichtsgremien auf, darüber zu sprechen, ob diese Einladung sinnvoll war. Es sei durchaus sinnvoll, einmal auszuloten und dann darzustellen, welche komischen Gedanken diese Herrschaften hätten. „Aber ob man diese Plattform in einer Livesendung geben muss, ist fragwürdig“, gibt Holm zu bedenken.

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    Niqab, Skandal, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Leif-Erik Holm, Schweiz, Deutschland