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    Trumps Triumph: Die „Erbärmlichen“ haben Clinton nachhause geschickt - Experte

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    Das blamable Versagen der viel zitierten Umfrage-Institutionen hat Donald Trumps Wahlsieg umso sensationeller gemacht. Amerika-Fachmann Dr. Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies untersucht die Wurzeln dieser Fehleinschätzungen und macht seine Prognose, was vom Überraschungspräsidenten zu erwarten ist.

    Wie er betont, ist eine Fehlerquote von vier bis fünf Prozent durchaus normal — und etwa in dem Bereich habe sich Clintons vermeintliche Führung nach der Email-Affäre auch bewegt. Trumps Sieg habe man dennoch nicht erwartet.

    „Ich muss sagen, dass niemand während des Wahlkampfs Trump vorne gesehen hat und dass beim Sampling vielleicht bestimmte Bevölkerungsgruppen unterbewertet wurden.“

    Auch Curd Knüpfer vom John F. Kennedy Institut der Freien Universität Berlin sieht Fehler bei der Datenerhebung:

    „Die Erklärung dafür ist, dass unsere Methoden nicht stimmen, dass wir Dinge übersehen haben, die man hätte sehen können. Es gab dabei durchaus Minderheiten, vor allem in den Alternativmedien, die ziemlich genau vorhergesagt haben, was passieren würde.“

    Dass auch die Medien Hillary Clinton favorisiert und vorzeitig als Siegerin dargestellt haben, sei in der amerikanischen Medientradition begründet.

    „Man muss verstehen, dass es in den USA eine andere Medientradition als in Deutschland gibt, wo sich prominente Medienunternehmen für den einen oder den anderen Kandidaten aussprechen. In der Tat hat sich die überwältigende Mehrheit der etablierten Medien in den USA für Clinton stark gemacht, selbst im konservativen Lager. Ich glaube, das zeigt, dass Donald Trump als Kandidat einfach ein Ausnahmefall war“, so Knüpfer im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Armin Siebert.

    Es sei jedoch nicht unbedingt von Vorteil, wenn man in den Umfragen vorne liege, gibt Dr. Martin Thunert zu Bedenken.

    „Wenn ein Kandidat bei den Umfragen führt, ist das nicht immer gut für die Mobilisierung seiner Anhänger. Das hat man in Kolumbien bei dem Referendum über den Friedensvertrag gesehen. Da lagen die Ja-Stimmen schon so weit vorne, dass viele Leute, die für das Abkommen waren, gar nicht mehr zur Wahl gingen, weil sie dachten, die gewinnen ohnehin. Und dann ist es eben nicht passiert.“

    Den Erfolg Trumps sehe er aber darin begründet, dass der Republikaner kein Politiker sei und damit keine Lobbyverbindungen in Washington habe. Mit ihm würden die Leute einen Wandel verbinden – dass Trump die Erosion der Mittelschicht stoppen und die Industrie wiederbeleben könnte. Es gehe nicht darum, ob er einen liebenswerten Charakter besitze oder wie er mit Frauen umgehe, sondern um die Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung, so Thunert.

    Außerdem habe Trump es besser verstanden, auf die Ängste der Wähler einzugehen.

    „Ich glaube, dass Viele aus den medialen und politischen Eliten nichts aus dem Brexit gelernt haben. Dass man nämlich die Menschen mit ihren Ängsten und ihrer persönlichen Unzufriedenheit, z.B. mit der ungeregelten Zuwanderung, ernst nehmen muss  und nicht wie Frau Clinton als „Erbärmliche“ abqualifizieren soll. Die „Erbärmlichen“ haben jetzt gesprochen und Frau Clinton nachhause geschickt.“

    Aber was kann man vom 45. US-Präsidenten erwarten? Trump sei kein Ideologe, sondern durch und durch Geschäftsmann, meint der Amerika-Experte Thunert. Auch schätze er ihn nicht so ein, dass der Präsident sich in die Details militärischer Kriegsführung einmischen würde, denn darin besitze er keine Expertise. Amerikas künftige Außenpolitik würde maßgeblich davon abhängen, wer Trumps außen- und sicherheitspolitische Berater werden würden.

    Was den bewaffneten Konflikt in Syrien und die Spannungen mit Russland anbetreffe, sei er vorsichtig optimistisch, sagte der Experte im Interview mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer:

    „Es kann sein, dass Trump versuchen wird, tatsächlich eine Lösung zu finden, die für alle Seiten gesichtswahrend wäre und für die Leute in Syrien ein Safe Haven zu schaffen. Andererseits halte ich Trump für jemand, der, wenn er das Gefühl hat, man komme über einen Konsens nicht weiter, bereit wäre, das Militär einzusetzen, aber immer nur in eng definierten Zielen. Ich glaube z.B. nicht, dass Trump unilateral eine Flugverbotszone in Syrien ausrufen würde. Ich denke auch, dass die russische Seite diesen Neuanfang nutzen wird, um zu sehen, wo vielleicht gemeinsame Interessen liegen könnten.“

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