00:37 05 Juli 2020
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    Bundesjustizminister Thomas de Maiziere möchte im kommenden Jahr Chefredakteure und Herausgeber von Zeitungen zu Workshops einladen. Dabei sollen diese darüber informiert werden, wie muslimische Mitbürger Medien wahrnehmen. Der Deutsche Journalistenverband – kurz DJV - sieht dieses Angebot äußerst kritisch.

    Was wie ein wohlmeinendes Angebot seitens des Innenministeriums aussieht, das Journalisten im Umgang mit dem Islam Hilfestellung leisten soll, sieht Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes, als Angriff auf die Pressefreiheit.

    „Das ist ein Vorhaben, das wir von vornherein ablehnen. Journalisten sollten sich selbstverständlich fortbilden, sie sollten das aber nicht auf Geheiß des Bundesinnenministers tun müssen. Vor allem nicht, wenn eine Fortbildung mit zu erwartenden politischen Botschaften versehen ist. Die Idee dieser Workshops riecht sehr nach dem Versuch, eine bestimmte politische Auffassung an die Medien weiterzugeben.“

    Das Bundesinnenministerium solle sich lieber mit solchen Angeboten zurückhalten, so Zörner in einem Sputnik-Interview, denn die Medien sollen weiterhin unabhängig vom Staat und seinen Einrichtungen bleiben.

    „Diese Workshops braucht niemand, sie sind so überflüssig wie ein Kropf! Nachhilfe für Journalisten durch das Innenministerium verträgt sich nicht mit der Pressefreiheit!“

    Dennoch habe der DJV nachgefragt, wie Thomas de Maiziere sich die fraglichen Workshops genau vorstelle.

    „Wir haben uns selbstverständlich bei dem Bundesinnenministerium nach den Details erkundigt, doch uns wurde gesagt, dass es bislang nur Idee solcher Workshops gibt, dass das Konzept dafür im Innenministerium entstehen und danach mit den muslimischen Verbänden abgestimmt werden soll.“

    Wenn sie bei der Berichterstattung über den Islam Richtlinien bräuchten, sollten sich Journalisten an den Pressekodex des deutschen Presserates halten, empfiehlt Zörner.

    „Es gibt darin Regeln der Berichterstattung, die für Journalisten seriöser Medien in Deutschland bindend sind. Diese Regeln gelten für das Thema Islam genauso, wie für andere Themen.“

    De Maizieres Vorschlag, Workshops für Journalisten abzuhalten, sei eine neue Art der Einflussnahme, soweit der Sprecher des DJV sich erinnere. Jedoch habe es in der Vergangenheit durchaus schon Versuche seitens des Staates gegeben, in die Berichterstattung einzugreifen:

     „In der Vergangenheit gab es seitens einzelner Bundesministerien durchaus Versuche, die Berichterstattung zu beeinflussen. Das ist nicht durch Workshops passiert, sondern indem fertige Hörfunk- und Fernsehbeiträge den Medien zur Übernahme angeboten worden sind als Ersatz für eigene journalistische Recherchen. Bei dem Gesundheitsministerium war das damals ein Teil der Gesundheitsreform, der auf die Art und Weise an die Medien gebracht werden sollte – unkritisch natürlich, das war ganz klare PR. Im Fall Ursula Von der Leyen ging es um die Persönlichkeit der Ministerin.“

     

     

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    Tags:
    Muslime, Pressefreiheit, Journalisten, Workshop, Hendrik Zörner, Thomas de Maiziere, Deutschland