21:06 02 Dezember 2020
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    Das Jüdische Medienforum hat das Projekt „Rent a Jew“ ins Leben gerufen, um Juden und Nichtjuden in Deutschland zusammenzubringen. Mit dem bewusst provokativen Slogan „Deinen ersten vergisst Du nie“ wollen die Organisatoren die Absurdität alter Vorurteile vor Augen führen.

    „Die Antisemiten behaupten seit Hunderten von Jahren, dass Juden weniger wert seien als andere Menschen“, so die Organisatoren. „Wir sind es leid, solche Zuweisungen zu hören. Und wir glauben, dass Humor gemischt mit ein bisschen Chuzpe das beste Mittel ist, um alte Klischees und Vorurteile zu widerlegen und zu zeigen, wie absurd sie sind.“

    In Deutschland leben 100.000 Juden, „doch die Wenigsten hierzulande kennen einen Juden persönlich“, behauptet die Webseite des Projekts. „Das möchten wir ändern, indem wir Begegnungen zwischen Juden und Nichtjuden ermöglichen – und zwar fern von Klischees und Stereotypen“. Mit Rent a Jew soll es möglich werden, „miteinander statt übereinander zu reden, Fragen auf beiden Seiten zu beantworten und Vorurteile abzubauen“.

    „Wir wollen, dass sie sehen, dass wir ganz normale Leute sind"

    Nach Angaben der „Deutschen Welle“ machen rund 50 jüdische Männer und Frauen bei „Rent a Jew“ mit. Nichtjuden erreichen sie, indem sie in Schulen gehen oder Seminare für Privatgruppen organisieren. So soll Kontakt hergestellt — und Vorurteile abgebaut werden. Projektteilnehmer wie Mascha Schmerling und Monty Aviel Zeev Ott lassen sich für das Projekt immer mal wieder „mieten“.

    „Wir wollen den Menschen die Möglichkeit geben, mit der Jüdischen Gemeinde ins Gespräch zu kommen", sagte Mascha Schmerling gegenüber der DW. „Wir wollen, dass sie sehen, dass wir ganz normale Leute sind. Wir wollen nicht nur von der Geschichte her definiert werden und wir wollen nicht, dass wir immer durch die Holocaust-Brille gesehen werden.“ Ott fügte hinzu: „Viele Leute trauen sich nicht, einfach 'Jude' zu sagen."

    Und tatsächlich ist Antisemitismus im Aufschwung. Nach Angaben des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) in Berlin wurden 2015 rund 34 Prozent mehr antisemitische Vorfälle verzeichnet als noch im Jahr davor.

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    Tags:
    Juden, Antisemitismus, Deutschland