03:43 01 Dezember 2020
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    In Thüringen hat eine Polizistin einen offenen Brief an Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) geschrieben. Darin schilderte die Beamtin, sie sei wegen der hohen Arbeitsbelastung "am Ende ihrer Kräfte". Das sei kein Einzelfall, beklagt der Thüringer Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Kai Christ, gegenüber Sputnik.

    Zunächst schildert Christ den Vorfall, der zu der offenen Klage führte: „Die Kollegin war Anfang Oktober mit zwei weiteren Polizisten zu einem Einsatz gefahren. Das war zunächst eine ganz normale Ruhestörung, die dann ausgeartet ist. Es kam zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Polizisten und den Veranstaltern. Schlussendlich hat sich die Polizei zurückziehen müssen, weil sie personell nicht in der Lage war, die Situation zu beherrschen“, beschreibt der Polizeigewerkschafter die Situation.

    Sputnik möchte wissen, ob das nicht die Kapitulation des Rechtsstaates sei. „Ja, die Möglichkeiten des Rechtsstaates sind dann dort beendet. In diesem Moment wird der Rechtsstaat nicht mehr durchgesetzt“, gesteht Christ. Allerdings sei die Situation schnell von dazu geholten Kollegen übernommen worden, so dass Recht und Gesetz wieder hergestellt wurden. Was allerdings bei diesem Einsatz auf der Strecke blieb, ist die Psyche der drei Polizisten.

    „Die Kollegen haben sich bedroht gefühlt. Sie sahen sich außerstande, die Situation zu klären“, erklärt Christ. Daraufhin schrieb die eine der Betroffenen den Brief an den Innenminister. Dieser habe allerdings schon einiges bewirkt: Innenminister Poppenhäger habe die betroffene Dienststelle in Mühlhausen aufgesucht. Dabei stellt der Sozialdemokrat fest, dass der Altersdurchschnitt in diesem Revier deutlich höher sei als im thüringischen Landesdurchschnitt. Er habe Besserung versprochen.

    Glauben sie auch daran? hakt Sputnik nach. „Nun, das geziemt sich so“, sagt der Polizist fast ritterlich. Allerdings hätte diese Aussage die Polizeikollegen im benachbarten Erfurt bewogen, ebenfalls einen Brief an den Innenminister zu schreiben. Diese fürchten nämlich, dass die Unterstützung für Mühlhausen  aus Kollegen besteht, die aus Erfurt abgezogen werden. „Unsere Tischdecke ist kleiner als der polizeiliche Sicherheitstisch, den wir abdecken müssen“, stellt Christ die Situation der Thüringer Polizei plastisch dar. Es fehle, wie auch in Hamburg, Brandenburg, Berlin oder Baden-Württemberg schlicht an Personal.

    Das komplette Interview hören sie hier:

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    Polizei, Kai Christ, Deutschland