23:13 21 September 2017
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    Lkw-Attacke in Berlin: ARD und ZDF „glänzen durch Abwesenheit“ – Netzreaktionen

    © AFP 2017/ Joe Klamar
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    Lkw-Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt (111)
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    Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben für einige Internet-Nutzer zu langsam über die Lkw-Attacke auf den Berliner Weihnachtsmarkt berichtet. In den sozialen Netzwerken ernteten die Sender heftige Kritik. Sogar der US-Sender CNN soll schneller seine Berichterstattung vor Ort gestartet haben.

    Am Montagabend raste gegen 20 Uhr ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Breitschneidplatz – mindestens zwölf Menschen sind dabei ums Leben gekommen. ARD und ZDF reagierten für viele Internet-Nutzer jedoch viel zu spät. Auf Twitter brachten viele User ihren Unmut zum Ausdruck und kritisierten die Öffentlich-Rechtlichen scharf.

    ​ARD sendet lieber Kai Pflaume, bei ZDF läuft Spielfilm

    Erst etwa eine Stunde nach der Attacke selbst unterbrach das Erste die Show von Kai Pflaume „Wer weiß denn sowas XXL – das unvorstellbare Wissensquiz“ durch eine „Tagesthemen“-Sondersendung. Danach blendete die ARD einen Ticker unter der laufenden Quiz-Show ein und verwies auf Online-Ausgabe und App. 

    In der Sondersendung betonte Moderator Ingo Zamperoni, dass man keine Spekulationen und Gerüchte schüren wolle, weswegen dann Archiv-Beiträge über Terroranschläge aus der Vergangenheit gesendet wurden. 

    ​Auf dem Zweiten lief hingegen der erste Teil des TV-Zweiteilers „Gotthard“ – und zwar in voller Länge. Erst um 21:45 Uhr berichtete das „Heute Journal“ über den Vorfall in Berlin.

    US-Bürger schneller informiert

    Schon etwa eine Stunde vor der ARD und über eine Stunde vor dem ZDF startete aber der US-Sender CNN seine Live-Berichterstattung über den mutmaßlichen Anschlag. Bereits kurz nach dem Vorfall gegen 20 Uhr meldete sich auf dem Sender eine britische Augenzeugin zu Wort. Zunächst brachte CNN eine Schnell-Analyse durch Berliner Journalisten, danach übernahm der deutsche CNN-Korrespondent vor Ort die Berichterstattung.

    ​Die ARD reagierte bereits auf den Vorwurf eines Twitter-Users: Als Nachrichtensender habe CNN sehr gute Arbeit geleistet, ARD hingegen als Vollprogramm ebenso.

    ​„Focus Online“ schreibt dazu: „Zwar ist es immer eine schwierige Entscheidung für einen TV-Sender, ab wann genügend Informationen vorhanden sind, um das laufende Programm mit einer Sondersendung zu unterbrechen. (…) Doch dass amerikanische Zuschauer schon eine Live-Schalte aus Berlin zu sehen bekommen, während dem Publikum von ARD und ZDF noch das Pilawa-Quiz und ein Film über den ‚Gotthard‘-Tunnel geboten wird, sollte schon zu denken geben.“

    ​Bereits in der Vergangenheit war den öffentlich-rechtlichen Sendern vorgeworfen worden, bei ihrer Berichterstattung hinterherzuhinken. So habe beispielsweise die ARD im Juli beim Putschversuch in der Türkei noch den „Tatort“ gesendet anstelle von aktuellen Informationen zu den dramatischen Ereignissen vor Ort.

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    Tags:
    Weihnachtsmarkt, Attentat, Kritik, Live-Sendung, Berichterstattung, Lkw-Attacke, CNN, Twitter, ZDF, ARD, USA, Deutschland