03:08 17 November 2019
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    Soldaten des Fallschirmjägerregimentes (Symbolbild)

    Sadistische Sex-Rituale in Staufer-Kaserne – MdB Neu: „Ein Ventil zum Dampf-Ablassen“

    © Foto: Bundeswehr/Sebastian Wilke
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    Die in einer Kaserne in Pfullendorf aufgedeckten Gewaltrituale und sexuelle Erniedrigungen sind nach Ansicht von Dr. Alexander Neu, sicherheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, ein Produkt der abgeschlossenen sozialen Räume und bestimmter Hierarchieverhältnisse.

    Dr. Alexander Neu war als Obmann für die Fraktion die Linke im Verteidigungsausschuss am  Freitagabend von Generalinspekteur Volker Wieker schriftlich informiert worden. Das deutsche Heer spricht von einer Häufung ernstzunehmender Vorfälle, Dr. Neu stellt fest:

    „Da wird darauf verwiesen, dass es einige Vorfälle gegeben hat, die an Menschenrechtsverletzungen grenzen oder gar darstellen. Sexuelle Übergriffe, sonstige Rituale, die mit Körperverletzungen einhergehen und psychischer Belastung bis hin zu Mobbing. Dinge also, die man eigentlich nicht erwarten sollte, wenn man eine gewisse Distanz zur Armee hat.“

    Solche Vorfälle ereignen sich, so meint der Abgeordnete Dr. Neu in einem Sputnik-Interview mit Bolle Selke, wenn man abgeschlossene soziale Räume habe, wo niemand anderes reinkomme. Er erläutert:

    „Man hat keinen Außenkontakt mehr zum normalen Leben. Da stellen sich bei manchen dann seltsame Denkweisen ein. Hierarchieverhältnisse in Form von Befehl und Gehorsam befördern das noch einmal. Diese Art von Mobbing und sexuellen Übergriffen oder sonstige Demütigungen sind, glaube ich, eine Art Ventil, um den Dampf abzulassen. Das ist ja nicht nur ein Problem in der Bundeswehr, auch in der russischen Armee gibt es den Begriff Dedowschtschina — also die „Herrschaft der Großväter“. In der US-Armee fällt das unter den Begriff Code Red, auch in der türkischen Armee gibt es diese Probleme. Ich glaube, nahezu in allen Armeen dieser Welt gibt es mehr oder minder genau diese Probleme, dass Menschen in abgeschlossenen sozialen Räumen mit strengen Hierarchien dann dazu tendieren, gelegentlich auszuflippen."

    Die Konsequenz, die Neu selbst daraus zieht ist, dass die Bundeswehr eben kein Arbeitgeber wie jeder andere sei. Er betont:

    „Die Bundeswehr ist ein besonderer Arbeitgeber und jeder junge Mensch — ob männlich oder weiblich — sollte sich genau überlegen, ob er in einer Armee, und in dem Falle in der Bunderwehr, seinen Dienst verrichten möchte."

    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte die  Vorgänge am Rande einer Parteiveranstaltung am Samstag in Hessen: "Die Vorgänge in Pfullendorf sind abstoßend, und sie sind widerwärtig". Sieben Soldaten seien vom Dienst suspendiert worden, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

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    Tags:
    Volker Wieker, Alexander Neu, Staufer-Kaserne