22:39 20 November 2019
SNA Radio
    Ein Cyborg (Symbolbild)

    Fake News und Social Bots – Experte: Eine Gefahr für die Bundestagswahl?

    © Flickr/ Linus Bohman
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    329
    Abonnieren

    Deutsche Behörden sind verunsichert: Im Vorfeld der Bundestagswahl im September 2017 scheinen neue, bisher kaum bekannte Instrumente des Wahlkampfes immer größere Rolle zu spielen - Social Bots und Fake News. Professor Simon Hegelich von der TU München meint allerdings, die Ausgangssituation in Deutschland ist hier anders als in den USA.

    - im Vorlauf der Bundestagswahl 2017 sind die Behörden verunsichert, wie man auf diese Phänomene reagieren soll oder kann.  Professor Simon Hegelich von der Technischen Uni in München sieht im Interview mit Sputnik Handlungsbedarf, betont aber, dass die Ausgangssituation in Deutschland nicht mit der in den USA vergleichbar ist. 

    Vor Bundestagswahl ‘17: Facebook rüstet sich gegen Fake-News-Welle

    Social Bots sind computergesteuerte Akteure, welche in sozialen Medien gezielt eingesetzt werden, um automatische Antworten zu setzen. Welchen Einfluss Social Bots allerdings auf die Präsidentenwahl in den USA gehabt haben, sei ganz schwer zu sagen, sagt Simon Hegelich, Professor für Political Data Science an der Technischen Uni München. Was man mit Gewissheit sagen könne ist, dass im Wahlkampf sehr viele Bots zum Einsatz gekommen seien.

    Es sei generell jedoch nicht besonders einfach, Leute politisch zu manipulieren. Trotzdem spreche einiges dafür, dass die Bots, zusammen mit anderen angewandten Methoden, schon einen gewissen Einfluss auf das Wahlverhalten von Leuten gehabt hätten.

    Deswegen würde man sich nun zu Recht fragen, wie es jetzt mit der Bundestagswahl aussehe. Professor Hegelich erklärt:

    „Erst einmal muss man generell sagen, dass wir in Deutschland eine völlig andere Ausgangssituation haben, als in den USA. Die ganze Gesellschaft ist weniger polarisiert. Wir haben auch ein ganz anderes Wahlsystem. Es spricht einiges dafür, dass wir die Sachen, wie wir sie in den USA erlebt haben, genauso in Deutschland nicht sehen werden. Das heißt aber nicht, dass man vielleiht auch überrascht wird und vielleicht solche Manipulationen in den sozialen Netzwerken doch eine größere Rolle spielen, als uns das lieb wäre."

    Man könne also nicht auf der einen Seite immer sagen, dass wäre ein ganz großes oder wichtiges Problem und gleichzeitig dann aber meinen, der Gesetzgeber kann nichts tun, das bringt alles sowieso nichts. Das Problem sei einfach, dass es eine sehr komplexe Situation sei und dazu werde man auch komplexe Lösungen finden müssen, damit wurde aber gerade erst begonnen.

    Bei Fake News sei dies sogar noch schwieriger als bei  Bots. Professor Hegelich meint dazu:

    „Viele von diesen Nachrichten, um die es da geht, sind in dem Sinne auch gar nicht notwendig falsch, sondern einfach nur ein bisschen verdreht. Zum Beispiel die Nachricht: ‚ A hat von B das und das gehört und berichtet das jetzt‘ — ist  in dem Sinne vielleicht nicht falsch, aber kann dann natürlich trotzdem seine Wirkung haben.“

    Es sei auch nicht richtig, per Gesetz festlegen zu wollen, was wahr und was falsch sei. Der Politikwissenschaftler denkt trotzdem, dass der Gesetzgeber dafür sorgen müsse, dass man sich im Internet bewegen könne, ohne dass man beleidigt oder bedroht werde.

    Sein Standpunkt zu dem Thema Facebook und Correctiv sei eigentlich eher philosophischer Natur. Hegelich findet es nicht richtig, dass man an Meldungen Labels dran machen wolle, ob diese richtig oder falsch seien. Er betont:

    „Wahrheit ist eher der Gedanke in Bewegung. Viele Sachen, die vielleicht aus einer bestimmten Perspektive heraus dann falsch erscheinen, sind, wenn man sie in einen anderen Kontext stellt, vielleicht sogar richtig. Das Problem bei Fake News ist ja, dass viele Leute das einfach glauben, ohne sich näher damit zu beschäftigen. Wenn wir jetzt genau diesen Leuten ein Label anbieten, wo wir sagen, das könnt ihr jetzt glauben, weil das ist als wahr markiert oder nicht als falsch markiert, dann unterstützen wir ja genau diese Faulheit im Denken und fördern damit vielleicht das Problem sogar noch."   

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Correctiv gegen Fake News: Bauen finanzstarke Eliten Zensur-Infrastruktur auf?
    Am Anfang war das Fake – Comedian zu Alternative Facts
    Facebook will gegen Fake-News kämpfen - Anwalt wittert „Anschlag auf Grundrechte“
    Polizei gegen Fake News: Die Vergewaltigung, die es nicht gab
    Tags:
    Social Bots, Fake-News, Simon Hegelich, Deutschland