17:56 07 Dezember 2019
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    Das aktuelle Spiegel-Cover

    Blutrünstiges Trump-Cover soll „Demokratie verteidigen“ - „Spiegel“-Chefredakteur

    © REUTERS / Spiegel/Handout
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    Donald Trump als Schlächter: Die Illustration auf dem Titelblatt der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe zeigt den neuen US-Präsidenten als Henker der Freiheitsstatue in New York und sorgt seit dem Wochenende international für Furore. Nun meldete sich der Chefredakteur des Blattes zu Wort.

    In der linken Hand hält Trump ein blutiges Messer, mit der rechten streckt er den abgetrennten, blutigen Kopf der Freiheitsstatue in die Höhe. Daneben steht in Großbuchstaben Trumps Motto „America First“. Das aktuelle „Spiegel“-Cover hat international für Aufregung gesorgt: Den neuen US-Präsidenten bildnerisch mit einem Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS, auch Daesh) zu vergleichen, die bekanntlich unschuldige Gefangene vor laufender Kamera enthauptet, geht vielen zu weit.

    ​​„Es ist das Köpfen der Demokratie, das Köpfen eines heiligen Symbols“, sagt der aus Kuba stammende Künstler Edel Rodriguez über die von ihm entworfene Illustration gegenüber der US-Zeitung „Washington Post“. „Und natürlich, das, was in letzter Zeit mit Kopfabschlagen in Verbindung gebracht wird, ist der IS, da steckt also ein Vergleich drin. Beide Seiten sind Extremisten, ich mache also nur einen Vergleich.“

    „Spiegel“-Chefredakteur verteidigt Cover

    Gegenüber der dpa verteidigte „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer die Darstellung: „Auf unserem Titelbild enthauptet der amerikanische Präsident jenes Symbol, das seit 1886 Migranten und Flüchtlinge in den USA willkommen heißt, und damit Demokratie und Freiheit.“  Die Frage, inwiefern die Trump-Darstellung an die Enthauptungen durch den IS erinnern sollte, kommentierte er nicht.

    „Der Spiegel will niemanden provozieren“, erläuterte Brinkbäumer gegenüber Reuters TV. „Wir wollen zeigen, worum es geht. Es geht um Demokratie, um Freiheit, um Pressefreiheit, Justizfreiheit und all dies ist ernsthaft gefährdet (…) Wir verteidigen also die Demokratie“.

    Kritik aus den eigenen Reihen

    „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt bezeichnete das Cover auf Twitter als das „mit Abstand abstoßendste und geschmacklosteste aller Zeiten“.

    ​Der US-Korrespondent der „Welt“, Clemens Wergin, schrieb am Sonntag: „Das Kalkül dieses Covers ist klar: Es soll ein Schocker sein und dem ‚Spiegel‘ möglichst viel Aufmerksamkeit bringen (…) Die Rechnung ist aufgegangen, die ebenso plump war wie offensichtlich: Publicity um jeden Preis.“

    „Tatsächlich beschädigt solch ein Cover nicht etwa den neuen US-Präsidenten, es beschädigt den Journalismus. Weil es das Vorurteil vieler Bürger bestätigt, dass die ‚Mainstream-Medien‘ nicht unvoreingenommen berichten und dass viele Journalisten lieber ihr eigenes Weltbild promovieren, als neutral Zeugnis über das abzulegen, was ist“, so Wergin weiter. „Es ist verantwortungslosen Übertreibungen wie diesem ‚Spiegel‘-Titel zuzuschreiben, wenn der Journalismus heute nur noch eine stumpfe Waffe ist im Kampf für Aufklärung und gegen die populistische Vereinfachung.“

    Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ warnt: „Die Gleichung Trump = Terror ist allerdings zu einfach. Wer sie aufmacht, verrät seinerseits ein zumindest erstaunliches Demokratie-Verständnis und hat sein Pulver als Trump-Kritiker früh und vollständig verschossen.“

    „Der Verlust an Stil und Klugheit dabei ist freilich beträchtlich“, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“.

    Reaktionen aus der Welt

    EU-Parlamentsvizepräsident Alexander Graf Lambsdorff bezeichnete die Illustration gegenüber der „Bild“ als „geschmacklos“.

    Der Deutsche-Journalistenverband (DJV) hingegen versteht die Aufregung um das Cover nicht. Es verstoße nicht gegen journalistische Regeln, schrieb der Verband auf Twitter.

    ​Die AfD Berlin will den „Spiegel“ nicht mehr als seriös bezeichnen und kontert mit einer ähnlichen Illustration mit Bundeskanzlerin Angela Merkel:

    „Oh mein Gott“, kommentiert Bradd Jaffy von NBC News.

    ​„Und ich dachte immer, die Deutschen sind für ihr sanftes Vorgehen bekannt“, meint dessen Kollege Joe Scarborough.

    ​Das „Spiegel“-Cover scheint auch Nicht-Journalisten zu spalten:

    ​​„Spiegel“ ist nicht allein

    Neben dem „Spiegel“ haben jedoch auch andere international bekannte Magazine mit ähnlich Aufsehen erregenden Titelblättern für Furore gesorgt.

    Das Wirtschaftsmagazin „The Economist“ zeigt Donald Trump mit einem Molotow-Cocktail.

    ​Das renommierte Magazin „The New Yorker“ hingegen liefert auf seiner Titelseite eine Illustration der Freiheitsstatue mit erloschenem Licht.

     

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    Titelseite, Zeitung, Ausgaben, Reaktion, Terrormiliz Daesh, Der Spiegel, Julian Reichelt, Donald Trump, Klaus Brinkbäumer, Deutschland, USA