05:02 18 Juni 2019
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    Monument“ in Dresden

    Kunst-Aktion oder Provokation? – Aleppo-„Monument“ in Dresden wird zum Politikum

    © REUTERS / Matthias Schumann
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    Zu einer Protestaktion ist es am Dienstag bei der Einweihung des Kunstwerks „Monument“ in Dresden gekommen. Rund um das Monument haben sich zwei Lager gebildet: Das eine fühlt sich von der Aktion provoziert, das andere sieht darin ein Symbol und versteht die Wut der Protestler nicht.

    Das vor der Frauenkirche aufgestellte Kunstwerk „Monument“ des Deutsch-Syrers Manaf Halbouni  besteht aus drei Lastwagen in senkrechter Lage, die einem Foto aus Aleppo im Kriegszustand nachgebildet sind. Bei der Einweihungszeremonie kam es zu derart lauten Protesten, dass man den Oberbürgermeister und den Künstler kaum vernehmen konnte.

    „Ich habe in die Gesichter von Menschen geschaut, die hasserfüllt diese Kunstinstallation als Schrott bezeichnet haben, die sich nicht zurückgenommen haben und den Begriff der Entarteten Kunst gebrauchten“, sagt der Pfarrer der Frauenkirche Sebastian Feydt in einem Sputnik-Interview. „Das ist in der deutschen Geschichte eines der unrühmlichsten Kapitel, in dem zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus Kunst als Entartete Kunst verfemt wurde. Diesen Zusammenhang herzustellen ist ein Rückgriff auf nationalsozialistische Propaganda.“ 

    „Sie lehnen jeglichen Dialog ab, sie haben auch gestern alle Angebote abgelehnt, miteinander zu kommunizieren, erst das eine zu hören und dann auch ihren Widerspruch gegen die Installation einzulegen“, fährt Feydt fort.

    Das Ziel der Installation sei gewesen „zum einen auf den Krieg in Syrien hinzuweisen, zum andern auch an dem Ort, der für die Stadt Dresden so bedeutend ist, weil wir an die Zeit des Krieges und an die Toten erinnern und gleichzeitig aber im Heute stehen und die aktuellen Bezüge zu den Kriegsorten heutiger Zeit wachhalten wollen.“ Mit der Ortswahl der Frauenkirche zeige man zugleich auch, was ein Wiederaufbau nach einem Krieg möglich mache.

    Dem widerspricht Gordon Engler, der Kulturpolitische Sprecher der AfD, mit den Worten: „Die AfD betrachtet das nicht als Kunst, sondern als politische Demonstration von Oben, für bestimmte Zwecke, die man damit erreichen will. Es geht um eine Form von politischer Erziehung, sicherlich auch von einer Provokation gegenüber der Gedenkkultur in Dresden. Das Ganze hätte warten können bis wenigstens eine Woche nach dem 13. Februar. Es ist unklug, das in dem Augenblick durchzuführen, weil es absehbar war, dass sich das in Protest, Widerstand entfalten würde.“ 

    Aleppo, 14. März, 2015
    © AFP 2019 / Karam Al-Masri
    Aleppo, 14. März, 2015

    Auch hinsichtlich des Dialogs hegt Engler seine Zweifel: „Ob bei so einer Kundgebung, wo der Oberbürgermeister es einweiht und ein paar andere Reden stattfinden, überhaupt ein Dialog stattfinden kann, ist natürlich fehl am Platze. Da kann kein Dialog stattfinden. Das hätte im Vorfeld stattfinden müssen. Man hätte vorher eine große Bürgerversammlung einberufen können.“ 

    Das sei aber nicht geschehen. „Ich bin Stadtrat in Dresden“, erklärt Engler. „Es ist über die Bürgermeisterbüros gegangen und entsprechend entschieden worden. Wir haben auch erst davon erfahren, als es schon klar war, dass es kommt.“

    „Es ist wichtig, nicht nur der Opfer von damals zu gedenken, sondern auch die der heutigen Zeit nicht zu vergessen“, begründet der Oberbürgermeister Dirk Hilbert in einem Stern-Interview die Entscheidung. „Wir wollen einen aktuellen Zeitbezug, ohne die Toten des 13. Februar hintanzustellen.“

    „Die Rechtspopulisten, die nicht nur in unserer Stadt, sondern überall in Europa an Zuspruch gewinnen, bauen auf das Vergessen“, erklärt Hilbert ferner in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Dem Monument komme daher die Aufgabe zu, an die Vergangenheit zu erinnern – und zwar in der Gegenwart.

    In einem Punkt sind sich aber alle Parteien sicher. So sagt Engler, die Position der AfD sei zwar die, dass man protestieren müsse, aber der Protest von Dresden ginge für Engler dann doch "zu weit". Andererseits müsse man bedenken, dass ein stiller Protest gegen die Aktion nicht wahrgenommen worden wäre. „Insofern ist es eine Form der Notwendigkeit, es ist nicht schön, aber es ist notwendig“, so Engler.

    Ablehnend begegnet Engler auch der Verwendung des Begriffs „Entarte Kunst“: „Die AfD möchte nicht solche Begriffe benutzen, die eindeutig im Kontext des Nationalsozialismus zu sehen sind. Das ist eher negativ für diejenigen, die den Protest gegen diese Kunstaktion zum Ausdruck bringen.“

    Feydt sieht wegen der Art des Protests Anlass zu weiteren Nachforschungen. Er sagt: „Das war keine Form von Protest, sondern der Versuch, eine genehmigte öffentliche Veranstaltung auf dem Neumarkt der Stadt Dresden zu verhindern und damit ist nach meinem Dafürhalten auch eine Grenzüberschreitung vorgefallen. Da ist auch von „Verrat“ und „Verrätern“ gesprochen worden, da ist von „Widerstand“ gesprochen worden – da sind die Grenzen des im Rechtsstaat Möglichen überschritten gewesen. Insofern muss auch geprüft werden, in welcher Form hier öffentliche Meinungsäußerung und der Versuch der gezielten Verhinderung einer Veranstaltung vorliegt.“

    Doch dazu wird es aller Voraussicht nicht kommen: „Man muss in aller Deutlichkeit sagen, dass die Veranstaltung stattgefunden hat“, kommentiert Polizeisprecher Marko Laske den Vorgang. Derzeit liege keine strafrechtliche Relevanz vor, auch Anzeigen gebe es bis jetzt keine. 

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    Tags:
    Partei Alternative für Deutschland (AfD), Manaf Halbouni, Syrien, Deutschland, Dresden