21:55 05 April 2020
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    Europas Flüchtlingsdeals (141)
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    Viele Städte und Gemeinden in Niedersachsen haben weit mehr Flüchtlingsunterkünfte gebaut, als letztlich gebraucht wurden. In Erwartung einer großen Menge Asylsuchender investierten die Kommunen im vergangenen Jahr Millionen. Vielerorts stehen bezugsbereite Containerdörfer komplett leer.

    Der NDR hatte die Sache publik gemacht. Er hatte in einer aufwendigen Umfrage in Sachen Flüchtlinge bei Kommunen in ganz Niedersachsen nachgefragt. Ein Ergebnis: Tausende Flüchtlingsunterkünfte stehen leer. Der Fernsehbericht des Senders zeigte eine Unterkunft, in der mehrere nagelneue, noch verpackte Waschmaschinen gestapelt herumstehen.

    Ob einem angesichts solcher Bilder nicht das Herz blute, fragte Sputnik Thorsten Bullerdiek, den Sprecher des Städte- und Gemeindebundes in Niedersachsen:

    „Das ist natürlich so. Auf der anderen Seite: Wenn wir nicht gehandelt hätten, wäre die Krise viel, viel größer geworden. Dann hätten die Leute hier auf der Straße gestanden, hätten jämmerlich gefroren und wir hätten keine Unterkünfte gehabt. Hier muss man sehen: Was tauscht man für was ein? Da ist es mir lieber, wenn das Buchhalterherz etwas blutet, wir auf der anderen Seite aber dafür gesorgt haben, dass die Flüchtlinge untergekommen sind. Angemessen und menschenwürdig.“

    Trotzdem haben die Kommunen ungedeckte Kosten und ungenutzte Gebäude. Laut Bullerdiek könnten soziale Einrichtungen wie Kindergärten oder Sportvereine die Lösung sein. Um die finanziellen Lücken zu schließen, seien die Kommunen in Kontakt mit dem Land Niedersachsen und dem Bund. Der Städte- und Gemeindebund ist zuversichtlich, dass sich die ihrer Verantwortung bewusst werden.

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    Denn: „Man kann von den Kommunen nicht erwarten, dass man sagt: Wir haben jetzt hier – als Beispiel – 1.000 Flüchtlinge, die nach Hannover kommen. Bitte, sorgt für Kapazitäten. Und hinterher sagt man: Ich zahle aber nur für die fünf Tage, an denen die Flüchtlinge da waren“, gibt Bullerdiek ein Beispiel.

    Einen Überblick, wie viele Gemeinden wieviel Geld an Unterstützung benötigen, kann der Sprecher nicht geben. Aber er berichtet über Unfrieden über die Leerstände in der Bevölkerung. Viele Bürger haben ehrenamtlich in ihrer Freizeit mit angepackt. Jetzt sagten sie sich: „Mensch, jetzt haben wir da was geschaffen und das steht leer“, berichtet Bullerdiek.

    Zum Schluss blickt der Sprecher in die Zukunft: Wer sagt uns denn, dass nicht weitere Flüchtlingswellen folgen werden?

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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