04:14 16 Dezember 2019
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    Münchner Polizei auf dem Marienplatz

    Umwelt-Experte: Bayerische Polizei ignoriert tausende Tote durch Dieselabgase

    © AFP 2019 / Christof Stache
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    Der bayerische Innenminister will dem VW-Rückruf wegen Abgasmanipulationen nicht nachkommen. Er ordnete an, rund 500 betroffene Polizeiwagen vorerst nicht in die Werkstatt zu schicken. Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), sagt im Sputnik-Interview, dass München die Gesundheit der Bevölkerung offensichtlich egal sei.

    Sollten die Autos nachgerüstet werden, befürchtet Innenminister Joachim Hermann (CSU) Garantieansprüche zu verlieren. Man wolle nicht, dass "Fakten geschaffen werden, die die spätere Geltendmachung von Ansprüchen erschweren oder gänzlich ausschließen", wie die Süddeutsche Zeitung zitiert.  Aus diesem Grund fährt die bayerische Polizei vorerst — voraussichtlich bis Ende 2017 – weiterhin schmutzige VW-Dienstwagen.

    Bei solchen Nachrichten aus Bayern sei er nicht mehr sprachlos, sagt Jürgen Resch, der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke.

    „Ich hatte in der vergangenen Woche eine Verhandlung vor dem höchsten bayerischen Verwaltungsgericht. Da ging es eben auch um unterlassenes Handeln der Stadt München und des Freistaates im Großraum München“, so Resch. „Bayern hat eben kein Gespür für die vielen Tausend Menschen, die jedes Jahr vorzeitig in Bayern an den Folgen von Dieselabgasen sterben. Genauso konsequent, wie Bayern eben die Qualitätsvorgaben der EU Kommission ignoriert und jetzt ein Vertragsverletzungsverfahren mit anderen Staaten an der Backe hat. Genauso konsequent verzichtet Bayern auch auf eine Nachbehandlung der Polizeifahrzeuge.“

    Man sehe daran, dass alle Bekenntnisse der bayerischen Regierung, dass die Interessen der Bevölkerung, der Gesundheit, oder der Umwelt höherwertig seien, als die Profitinteressen von BMW, Audi  oder VW, einfach nur Makulatur seien. In Bayern wolle man den VW- Diesel-Abgasskandal nicht ernst nehmen. Die Nichtnachrüstung spreche eine deutliche Sprache, es sei den Bayern einfach Wurst.

    Bezüglich der  von ihm erwähnten Menschen, die jedes Jahr an den Folgen von Dieselabgasen sterben würden, erklärt Resch: 

    „Wir haben in München Zahlen vorgelegt, dass jedes Jahr  in München 500 Menschen vorzeitig an den Folgen von Stickstoffdioxyd sterben. Wir haben auch die Auswirkungen von Dieselrußemissionen. Hier rechnen wir ungefähr im Bundesgebiet mit 30.000 bis 35.000 vorzeitigen Todesfällen, davon ungefähr ein Drittel aus dem Verkehr. Bezogen auf Deutschland haben wir also über 20.000 Menschen, die vorzeitig vor allen Dingen an den Folgen von Dieselabgasen sterben. Das betrifft in Bayern gleich mehrere tausend Menschen. Es gibt ja auch andere Städte als München. Deswegen ist es ein signifikantes Problem. Ich verstehe nicht, wie ein Innenminister in Bayern, ausgerechnet die Polizei, die doch die Bevölkerung schützen soll, auf der anderen Seite mit giftigen Abgasen in den Verkehr schickt. Das Argument, man habe Bedenken wegen der Garantie, das glaubt doch keiner. Wenn die bayerische Polizei nach der Softwareänderung ein technisches Problem hat, wird sie ja Mann genug sein, dann auch eine entsprechende Nachbesserung zu fordern.“

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    Tags:
    Polizei, Volkswagen AG, EU, Jürgen Resch, Bayern