13:20 18 November 2019
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    Kuschel-Spionage: Wie smartes Spielzeug mehr Schaden als Spaß bringt

    © Flickr / David Zellaby
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    Mittlerweile gibt es weltweit einen riesigen Markt für sogenanntes „smartes“ Spielzeug. Dass die Teddybären, Puppen und Co aber nicht nur intelligent sind, sondern auch oft – und wohl gerade deshalb – ein Datenschutzrisiko bergen, zeigen die jüngsten Fälle. Sputnik hat die interessantesten zusammengefasst.

    Was vor vielen Jahren noch kaum vorstellbar war, ist jetzt Realität: Kinder könnnen mit ihren Spielsachen regelrecht in Kontakt treten!

    Wie das geht? Üblicherweise mit einer App auf Smartphones oder Tablets, die mit Bluetooth mit smartem Spielzeug gekoppelt werden. Der User muss dafür in der entsprechenden App einfach einen Account anlegen.

    Die Technologien sind zum Teil schon so weit entwickelt, dass smarte Puppen beispielsweise mit Informationen aus dem Internet auf Fragen der Besitzer antworten können. Für viele ein Traum — für Datenschützer ein Albtraum.

    Süße Teddys mit weniger süßen Absichten

    Über das Smartphone oder Tablet Sprachaufzeichnungen aufnehmen und an Plüschbären schicken, damit diese später von den Kindern oder Enkelkindern abgehört werden können. Klingt nach einer netten Möglichkeit, mit seinen Nachkömmlingen auf Dienstreisen oder sonst wo im Kontakt zu bleiben. Doch diese Plüschbären scheinen es faustdick hinter den Ohren zu haben.

    Sicherheitsexperten haben laut dem Nachrichtenportal „Motherboard“ herausgefunden, dass der Hersteller von „CloudPets“-Teddybären sämtliche Daten auf einem Server, der weder durch ein Passwort noch ein Antivirensystem geschützt ist, archiviert.

    Neben 800.000 User-Daten sollen so auch rund zwei Millionen Audioaufzeichnungen im Internet abrufbar sein. Unter den Nutzerdaten seien vor allem E-Mail-Adressen und Passwörter, die wiederum von Hackern genutzt worden sein könnten. Dem IT-Spezialisten Troy Hunt zufolge ist der Großteil der Kennwörter äußerst schwach – die Mehrheit der User würde nämlich Kombinationen wie „123456“ verwenden.

    In mehreren Fällen sollen die gehackten Daten dann als Druckmittel verwendet worden sein. So sollen einige Akteure Lösegeld verlangt haben.

    „Also wenn Sie Eltern sind, die nicht wollen, dass Ihre liebevollen Nachrichten an Ihre Kinder online geleakt werden, dann sollten Sie wahrscheinlich einen guten, alten Teddybären kaufen, der nicht mit einem entfernten, unsicheren Server verbunden ist“, schreibt „Motherboard“.

    Spionin Cayla under Cover

    Erst kürzlich war berichtet worden, dass die Bundesnetzagentur die smarte Puppe „My Friend Cayla“ in Deutschland verboten hat, da diese als Spionagegerät eingesetzt werden könnte.

    Die sprechende Puppe soll heimlich Bild- und Tonaufnahmen senden können, was in der Bundesrepublik verboten sei.

    Dabei wurde die Puppe 2014 vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels sogar als „Top 10 Spielzeug des Jahres“ ausgezeichnet.

    Hallo, ich bin’s – Barbie! Gib‘ mir deine Daten!

    Schon 2015 war Datenschutz im Kinderzimmer ein Thema. Mit der interaktiven „Hello Barbie“ wurde für viele ein Traum wahr. Doch Datenschützer sprachen von einer „Stasi-Barbie“ oder „Abhör-Barbie“.

    „Hello Barbie“ funktioniert etwa so wie das Spracherkennungssystem in Smartphones: Ein Mikrofon im Nacken der Barbie nimmt das auf, das deren Gesprächspartner sagt. Die Daten weden dann über das WLan in eine Cloud geschickt, wo aus rund 8000 vorgefertigten Dialogsätzen eine entsprechende Antwort ausgewählt wird.

    Und die aufgenommenen Daten? Die werden laut dem Spielzeugriesen Mattel nur verwendet, um das Gesprächserlebnis zu verbessen, und dann nach zwei Jahren vom Server gelöscht.

    Die Bedenken waren aber offenbar größer als das Vertrauen, weshalb einige Petitionen gestartet wurden. In den USA kam die Barbie dennoch auf den Markt.

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    Tags:
    Teddybären, Spielzeug, Daten, Privatsphäre, Barbie, Puppen, Datenschutz, Deutschland, USA