09:40 10 Dezember 2019
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    Theateraufführung (Symbolbild)

    Beginn einer Diktatur? Intendanten über zunehmende Theater-Angriffe seitens Rechter

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    Die Attacken rechter Aktivisten auf Theater nehmen bislang ungeahnte Ausmaße an: Zunehmend sollen Theaterschauspieler deutschlandweit beleidigt, bedroht und deren Theater gestürmt werden. Gegenüber der Zeitung „Huffington Post“ haben sich nun Intendanten einiger deutscher Theater zu Wort gemeldet.

    „Den Kulturbetrieb, wie wir ihn unter Schutz der Meinungsfreiheit aufgebaut haben, wollen AfD und andere Rechtspopulisten nicht. Sie wollen ihn radikal verändern“, so Matthias Lilienthal, Intendant der Münchner Kammerspiele, gegenüber dem Blatt.

    Lilienthal will eigenen Angaben zufolge ein sogenanntes „Open Border Ensemble“ mit Flüchtlingen engagieren, um die Flüchtlingsproblematik auch auf der Bühne zu thematisieren. Rechte würden das jedoch „als Bedrohung“ ansehen, was er durchaus zu spüren bekomme. Ihm sei bereits mit Mord gedroht worden.

    Das Theater sei aber eines der wenigen verbliebenen Laboratorien, in denen man „unter dem Schutz der Meinungsfreiheit alles nur Erdenkliche zeigen“ kann, so Lilienthal. „Diese Laboratorien werden von Populisten bedroht. Und deswegen ist es wichtig, dass sich Theater gegen sie auflehnen.“

    Ähnlich besorgt zeigt sich der Leiter des Theaters in Erfurt, Guy Montavon: Es sei schlicht der „leichtere und feigere Weg“, Theatermacher zu diffamieren, als Politiker anzugreifen.

    „Jede Diktatur hat angefangen, indem sie ihre Dichter und Poeten niedergetrampelt und exekutiert hat“, so der gebürtige Schweizer.

    Holger Schultze, Intendant am Theater und Orchester Heidelberg, fordert zu aktiven Schritten auf: „Unsere Kultur wird angegriffen. Und auf dieser Ebene sollten wir antworten“ – sei es in den Medien, in Schulen oder eben an Theatern.

    Ähnlich sieht es Armin Petras, Intendant bei Schauspiel Stuttgart: „Das Theater steht mitten drin in einer gesamtgesellschaftlichen Debatte und ist in der Pflicht, sich zu positionieren.“

    „Keine Angst vor niemand“, kommentierte Ulrich Khuon vom Deutschen Theater Berlin kurz und knapp.

    Karen Stone, Intendantin am Theater Magdeburg, appelliert hingegen für Offenheit und Toleranz. „Diese Werte und die Verteidigung der Meinungsfreiheit finden immer wieder Eingang in unsere Spielpläne“, so Stone. „Offenheit und Toleranz sind Werte, die wir erlernen können, indem wir gemeinsam über Lösungen diskutieren und nicht, indem wir einzelne Gruppen dämonisieren oder unliebsame Meinungen unterdrücken.“

    Joachim Lux vom Thalia-Theater in Hamburg sieht in den zunehmenden Angriffen auf Theater eine „tiefe Krise in der westlichen Demokratie“. Dennoch hält er es nach eigenen Angaben nicht für gut, „jetzt auf Antifa-Aktionen gegen den braunen Mob zu setzen“.

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    Tags:
    Migranten, Diktatur, Rechtspopulismus, Angriffe, Intendant, Theateraufführung, Theater, Antifa, Magdeburg, Hamburg, Berlin, Heidelberg, Erfurt, München, Deutschland