08:45 21 Juni 2018
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    Facebook: Neues Tool soll Leben retten

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    Facebook will Nutzern helfen, die durch Selbstmord gefährdet sind. Was dabei zählt, ist vor allem eine schnelle Reaktion schon bei ersten Anzeichen eines drohenden Suizids. Facebook-Berater Dr. Dan Reidenberg erklärt im Sputnik-Interview, wie künstliche Intelligenz Menschen dabei unterstützen kann.

    Leidet jemand unter psychischem Stress, ist es für den Menschen ratsam, sich Hilfe zu holen. Doch psychischer Druck kann dazu führen, dass der Verstand aussetzt und die Logik versagt. Dann kommt es einem gar nicht in den Sinn, Unterstützung zu suchen. Immer größere emotionale Belastungen erzeugen ein Gefühl von Ohnmacht – ein Teufelskreis. Einigen erscheint nur der Selbstmord als Ausweg. Und genau hier soll das neue Facebook-Tool ansetzen.   

    „Wenn jemand in sozialen Netzen, zum Beispiel bei Facebook Live, ankündigt, bald Selbstmord zu begehen, reagieren dessen Follower darauf und hinterlassen Kommentare. Diese enthalten bestimmte Sprachmuster, die das neue Tool aufspürt, um dann Helfer zu alarmieren. Das Programm gibt bestimmte Empfehlungen, was in so einer Situation zu tun ist. Dann erscheinen auf dem Monitor Kontaktdaten einer Selbstmordhilfe-Hotline zum Beispiel“, erklärt Reidenberg. Der Wissenschaftler leitet in den USA eine Organisation zur Selbstmordprävention.

    Seit Jahren schon funktioniert dieses Programm bei Facebook, seit gestern nun auch bei Facebook Live. „Es analysiert die Posts und die Kommentare von Nutzern. Schreibt dort jemand, dass er Selbstmordgedanken hat, werden das Facebook-Team und die Follower alarmiert. Bislang konnten bereits einige Nutzer gerettet werden, die ihre verhängnisvollen Absichten im sozialen Netzwerk verkündet hatten“, betont Reidenberg. 

    Doch was ist, wenn jemand sich einen bösen Scherz erlaubt und einen Selbstmord ankündigt, den er gar nicht begehen will? Solche Fälle kommen öfter vor, als allgemein angenommen, wie der Experte sagt. Doch: „Wenn das System etwas Verdächtiges erkennt, schätzt es im ersten Schritt das Ausmaß der Bedrohung ein. Dann erst informiert das Programm Menschen und wenn nötig Behörden, die dem suizidgefährdeten Nutzer helfen können. Es nutzt dafür ein bestimmtes Raster, anhand dessen es einschätzt, wie ernst die Lage ist. Sollte das Programm eine Mitteilung als unglaubwürdig einstufen, wird es dieses einfach aussortieren“, erklärt der Spezialist.

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    Tags:
    Suizid, Facebook, Dan Reidenberg
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