14:01 26 Juni 2019
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    Flüchtlinge im Mittelmeer

    Hilfsorganisation Sea-Watch warnt: Auffanglager in Nordafrika fördern Fluchtbewegung

    © AFP 2019 / Aris Messing
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    EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat sich für Auffanglager in Libyen für Flüchtlinge ausgesprochen. Er fordert laut Funke Mediengruppe ein entsprechendes Abkommen der EU mit dem nordafrikanischen Land. Theresa Leisgang, Sprecherin der gemeinnützigen Seenotrettungsinitiative Sea-Watch e.V., lehnt im Sputnik-Interview solche Pläne ab.

    "Es gab ja schon mehrere Avancen in diese Richtung“, sagt Leisgang im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. Sea-Watch ist unter anderem mit Booten auf dem Mittelmeer aktiv, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Die Sprecherin erinnert an einen Vorschlag von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Der habe bereits gefordert, dass gerettete Geflüchtete wieder zurück gebracht und zunächst in Nordafrika versorgt und betreut werden sollen. „Da gab es Einspruch von der Opposition und es war ganz klar, das ist einfach nicht machbar.“ Leisgang warnt: „Keines der Länder, die in Nordafrika angestrebt werden, bietet irgendeine Sicherheit. Es ist auch für die europäischen Staaten nicht möglich, dort Strukturen aufzubauen, dass noch im Wahljahr 2017 ein Lager dort funktionieren könnte — nach Standards, die ja angeblich immer eingehalten werden sollen.“

    Die Aktivistin stellt klar, dass Auffanglager mitnichten Flüchtlingsbewegungen über das Mittelmeer verringern würden. Sie erläutert: "Die Menschen, die in solchen Lagern sind, werden nicht ordentlich betreut, weil das gar nicht möglich ist. Wir haben auf dem Meer so oft von Geflüchteten, die so eine lange Reise auf sich genommen haben und manchmal vielleicht überhaupt nicht nach Europa wollen, gehört, dass sie es nicht mehr in Libyen ausgehalten haben. Sie wollten lieber auf dem Meer ertrinken, als in diesen Lagern zu bleiben. Es ist eben sehr fragwürdig, ob Lager, die von der EU schnell aufgesetzt werden, irgendwie besser aussehen als die Lager, die bis jetzt in diesen Ländern bestehen.“

    Sea-Watch fordert, sofort legale Fluchtwege zu schaffen, um das Leid der Geflüchteten in Libyen und auf dem Meer sowie Menschenhandel und Schlepperei dauerhaft zu beenden.

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