02:51 22 November 2019
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    Mutmaßliche rechte Terrorgruppe vor Gericht – Ihre Facebook-Gruppe weiterhin online

    Mutmaßliche rechte Terrorgruppe vor Gericht – Ihre Facebook-Gruppe weiterhin online

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    Ein Prozess gegen die sogenannte Gruppe Freital hat am Dienstag in Dresden begonnen. Die Gruppe soll im Sommer und Herbst 2015 fünf Anschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte, Politiker und ein linkes Wohnprojekt verübt haben. Eine zentrale Rolle bei der Planung soll die Facebookgruppe FTL/360 gespielt haben. Und die ist immer noch online.

    Sieben Männer und eine Frau müssen sich seit Dienstag vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet: versuchter Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Gruppe rund um den 28jährigen Busfahrer Timo S. soll aus fremdenfeindlichen Motiven im Sommer und Herbst 2015 mehrere Anschläge mit selbstgebauten Bomben verübt haben.

    „Freital“ hatte es nicht geschafft, mit den Anschlägen Menschen zu töten, doch die Auswertung des Chatverlaufs zwischen den Mitgliedern der Gruppe hat den Ermittlern recht deutliche Hinweise darauf gegeben, dass die Gruppe bereit war, bis zum Äußersten zu gehen. Laut SZ soll in dem Chat die Rede von „unserem Terrorquartier“ gewesen sein. „Wir sind Nazis bis zum bitteren Ende“ zitiert die SZ weiter. Im Chat soll auch gestanden haben, man könne auf ein Flüchtlingsheim „perfekt ein paar Brandsätze werfen“. Und ganz direkt: „Alle töten diese elendigen Parasiten“.

    Die Kerngruppe aus dem mutmaßlichen  Anführer Timo S., einem weiteren Busfahrer, einem Pizzaboten, einem Paketzusteller, einem Mitarbeiter eines Pflegedienstes, einem Selbständigen und einer Goldschmiedin soll sich ursprünglich über eine von Timo S. gegründete Facebookgruppe gefunden und vernetzt haben.  Auch der erweiterte Täterkreis soll sich über diese Gruppe hinzugesellt haben – insgesamt laufen derzeit 126 Ermittlungsverfahren.

    Der Busfahrer Timo S. soll die Gruppe ursprünglich eröffnet haben, weil er Übergriffe auf deutsche Frauen und Kinder seitens Flüchtlinge im Nahverkehr bekämpfen wollte und dafür Gleichgesinnte suchte. Die Gruppe FTL/360 kann also als wesentlicher Baustein, wenn nicht gar als Voraussetzung für die späteren Taten in Betracht gezogen werden.

    FTL/360 Gruppe auf Facebook weiterhin verfügbar

    Sputnik hat bei seiner Recherche festgestellt: Die Gruppe gibt es immer noch und sie ist offen zugänglich. In der Gruppenbeschreibung steht:

    „In der letzten Zeit kam es immer mehr zu Übergriffen in FTL und auf der Linie 360. Das wollen wir nun unterbinden

    Schließt euch an

    Freital wehrt sich!“

    2527 Personen gefällt das, 2477 Personen haben das abonniert.

    Der letzte Eintrag ist vom 5. November 2015, aber der interessierte Besucher kann sich weiterhin bequem durch die Seite scrollen und sehen, welche Beiträge und Aufrufe geteilt wurden und wer etwas kommentiert hat.

    Und dort kann man noch immer allerhand verächtliche Kommentare zu Flüchtlingen und Linken Aktivisten nachlesen:

    Good night left side Wenn ich die hässlichen Visagen schon sehe! Dreckspack!

    Bürgerwehr FTL / 360 In meinen Augen sehe ich das so. Erst zerlegt das linke Spektrum die Bude von Herrn R. dann ein vermeintliche rechte Bar. Sowas dürfen wir nicht dulden!!!!! Richter seine Vasallen werden Freital nicht in Frieden lassen. Darum geht auf die Straße und schließt euch an. Vertreibt das Linke ran gekarrte Gesocks aus Freital!!!

    Es stellt sich die Frage: Warum hat Facebook, das neuerdings durch markieren und gegebenenfalls in der Sichtbarkeit einschränken von fragwürdigen Inhalten Karmapunkte sammelt, diese Gruppe nicht gesperrt? Zumal sie ja offenbar mit Schwerverbrechen in Zusammenhang stehen soll?

    Sputnik hat Facebook gebeten, diesen Sachverhalt zu erklären und bleibt dran.

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    FTL/360, Facebook