14:47 21 Juli 2017
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    „Jeder Furz aufgenommen“ - Aktivist zu US-Spionage in Frankfurt

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    Daniel Bangert, Aktivist bei NSA Spion Schutzbund, beobachtet US- Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet seit Jahren. Mit Stör-Aktionen versucht er beispielsweise, den Dagger-Complex bei seiner Arbeit zu behindern. Überrascht haben ihn die Wikileaks-Enthüllungen über angebliche CIA-Spionage von Frankfurt a. M. aus nicht.

    Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges seien die Geheimdienste in großem Stil aufgebaut worden, auch in Deutschland, meint Daniel Bangert. Und auch die Enthüllungen von Edward Snowden hätten nicht dazu geführt, dass die Spionageaktivitäten zurückgefahren wurden — im Gegenteil.

    Er selbst befasse sich seit einigen Jahren mit dem Thema US-Spionage. Nahe seinem Wohnort Griesheim stehe beispielsweise der Dagger-Complex. Dieser solle der wichtigste Stützpunkt der NSA außerhalb der USA sein, so der Aktivist. Bangert hat den „NSA Spion Schutzbund“ gegründet und versucht, in einer Art zivilem Protest die Aktivitäten  des Komplexes zu stören.

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    „Ich spaziere jede Woche hin und gehe ihnen einfach auf die Nerven. Protestieren hilft nichts und auch Politiker werden nichts ändern können, denn obwohl man sagt, das Ganze finde in einem politischen oder demokratischen Rahmen statt, gibt es effektiv keine Kontrolle, sie machen, was sie wollen. Die Geheimdienstleute berichten nicht bis in die hohen Ämter, sodass die Leute nie wissen, was da abgeht. Deswegen treibe ich für sie die Arbeit hoch, sodass sie mehr schreiben müssen und sich mit Kinkerlitzchen, die nicht wirklich strafbar sind, auseinandersetzen müssen.“

    Die Aktivisten um Bangert stören die Aktivitäten im Dagger-Complex, indem sie einfach davor stehen und so tun, als würden sie Fahrzeuge und Mitarbeiter fotografieren.

    „Das regt die Mitarbeiter auf, sie wenden sich an das Sicherheitspersonal, dann wird die Militärpolizei gerufen“, so Bangert. Seine Aktionen haben ihm auch schon Besuch vom Staatsschutz eingehandelt, erzählt der Aktivist.

    Was die angebliche CIA-Spionage angeht, die sich theoretisch auch Haushaltsgeräte zu Nutzen machen könne, hält Bangert es vom technischen Standpunkt zwar für machbar, glaubt aber nicht, dass tatsächlich jeder Bürger abgehört wird.

    „Ich denke, man muss schon irgendwie Interesse erwecken, damit gezielt nach Einem gesucht wird. Wenn man beispielsweise ein hohes politisches Amt hat, dann ist man interessant, dann nehmen sie die komplette Kommunikation auf. Man kann sich das wie zur Stasi-Zeit vorstellen, wo ganz penibel jeder Furz aufgenommen wurde. Das machen die Computer und am Ende hat man eine Art Google-Suchmaschine und kann drüber gehen und sich das visuell aufbereiten lassen. Man kann Sprach- und Textnachrichten untersuchen. Ich würde also sagen, dass es sehr komfortable Möglichkeiten zur Auswertung gibt.“

    An eine Aufklärung der möglichen Spionage-Aktivitäten seitens amerikanischer Geheimdienste in Deutschland glaubt Daniel Bangert nicht.

    „Gerade hatten wir den NSA-Untersuchungsausschuss, vielleicht macht man auch einen CIA-Untersuchungsausschuss. Es wird viel darüber geredet, man wird viele Leute einladen und am Ende wird nichts dabei herauskommen.  Solange der Großteil der Leute gerade einmal so in der Lage ist, sein Smart-TV zu programmieren und es keinerlei technisches Verständnis davon gibt, was gerade abläuft, wird sich auch nichts ändern.“

    Bericht: Ilona Pfeffer

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    Tags:
    Spionage, CIA, NSA, Daniel Bangert, USA, Frankfurt am Main
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