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01:27 22 September 2019
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    ESC-Logo in Kiew

    MdB Dehm: Deutsche sollten European Song Contest boykottieren – als Protest

    © REUTERS / Gleb Garanich/File Photo
    Gesellschaft
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    Wenn die Regierung in Kiew die russische Sängerin Julia Samoilowa nicht zum Eurovision Song Contest (ESC) ins Land lässt, soll Deutschland dem Wettbewerb fernbleiben. Das fordert der Komponist und Linkspartei-Politiker Diether Dehm. Er will von Kiew mindestens eine Ausnahme vom Sanktionsgesetz für die Sängerin.

    Russische ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa
    © Foto : Channel One Russia/Maxim Lee/Courtesy of PR-service of Yuliya Samoylova
    Die Regierung der Ukraine will den Auftritt der russische Sängerin Julia Samoilowa beim Eurovision Song Contest (ESC) am 13. Mai in Kiew verhindern. Der Sängerin im Rollstuhl wird die Einreise verweigert, weil sie auf der Krim auftrat. Diether Dehm, Komponist, Sänger und für die Linkspartei im Bundestag, kritisiert das im Gespräch mit Sputnik. „Das ist weder der Kunst noch dem Gedanken fördernd, der ja dem European Song Contest innewohnt“, betonte Dehm, „nämlich die Völker auch dort zusammenzubringen, wo die Politiker scheitern“. Die ukrainische Politik greife „diktatorisch in die Kunst ein“.

    Der Liedermacher, Sänger und Politiker habe selbst 1989 beim damaligen deutschen ESC-Vorausscheid mitgemacht, berichtete er im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Paul Linke. Daher wisse er, „dass die Künstler da näher beieinander sind als es die Politiker wollen“.

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    Die Kiewer Regierung selbst sei „eine Provokation aller Demokraten in Europa“, reagierte Dehm auf ukrainische Vorwürfe, Samoilowa zum ESC zu schicken, sei eine „russische Provokation“. „Also wer offiziell ein Toleranzgebot der Bandera-Faschisten artikuliert, provoziert alle Menschen, die in einer direkten oder indirekten Weise sich mit den 27 Millionen ermordeten Sowjetmenschen verbunden fühlen. Deswegen machen sie aus dem Täter ein Opfer. Sie vertauschen die Rolle. Die Provokation ging von der Ukraine aus.“

    Kiew rettet ESC vor Rollstuhlfahrerin – und auf Straßen wird weiter gemordet
    © Sputnik / Vitaliy Podvitskiy
    Kiew rettet ESC vor Rollstuhlfahrerin – und auf Straßen wird weiter gemordet

    Schlechte Chancen für Ausnahme oder gar deutschen Boykott

    Der Kiewer Geheimdienst hatte das Einreiseverbot für die russische Sängerin verkündet und sich auf das ukrainische Sanktionsgesetz berufen, dass jedem, der auf der Krim war, die Einreise verwehrt. „Ich halte das Gesetz für falsch“, sagte der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei. „Es sollte zumindest Ausnahmen geben. Meine Bundestagskollegen Andrej Hunko, Wolfgang Gehrcke und andere durften ja auch nicht einreisen, obwohl sie nur für ein Kinderkrankenhaus im Donbass Medizin gebracht haben. Sie wurden dann mit den übelsten, wie ich finde auch mit antiparlamentarischen Methoden der ukrainischen Behörden verfolgt. Auf der anderen Seite sollte man natürlich Ausnahmen machen, weil es hier darum geht, dass Künstlerinnen und Künstler betroffen sind  – und bei dieser Künstlerin auch noch zusätzlich.“

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    Dehm meinte, dass der ESC das erste Mal „in dieser drastischen Form“ für politische Motive missbraucht worden sei. „Es wird klar: Bestimmte Interessen nehmen vor nichts Rücksicht.“ Er erwarte, dass die Organisatoren des Wettbewerbs bei der European Broadcasting Union (EBU) Druck machen auf die ukrainische Regierung, dass das Einreiseverbot zurückgenommen wird. „Ich habe auch mit meinem Kollegen Andrej Hunko gefordert, dass, wenn dies  nicht geschieht und es kein Umdenken in der ukrainischen Regierung gibt, wir dann die deutschen Teilnehmer auffordern, auch als Akt der Solidarität mit der künstlerischen Freiheit, ihre Teilnahme abzusagen.“

    Die Chancen dafür stehen schlecht: Auf deutscher Seite ist der Norddeutsche Rundfunk (NDR) federführend für den ESC verantwortlich. NDR-Journalist Jan Feddersen erklärte schon mal, dass er die ukrainische Entscheidung „völlig naheliegend“ finde  und Kiew „völlig recht“ habe. Die russische Sängerin sei „sehr vermutlich für politische Zwecke“ Moskaus benutzt worden, behauptet der ESC-Experte des NDR.

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    Tags:
    Boykott, ESC-2017, Jan Feddersen, Julia Samoilowa, Diether Dehm, Andrej Hunko, Wolfgang Gehrcke, Deutschland, Russland, Ukraine