10:35 19 Oktober 2018
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    „Muslime wie Großeltern behandeln“ : Streit um schwulen Kita-Erzieher

    © AFP 2018 / JONATHAN NACKSTRAND
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    Miteinander reden statt falschen und überholten Vorurteilen folgen – dazu rät Katrin Molkentin, Vorsitzende des Landeselternausschusses der Berliner Kitas, nach dem Protest muslimischer Eltern gegen einen homosexuellen Erzieher in Berlin-Reinickendorf. Über Integration zu debattieren bedeutet für sie, auch im Alltag miteinander zu sprechen.

    Wie lässt sich muslimischen Eltern erklären, dass Homosexualität nicht Schlimmes und vor allem kein Verbrechen ist? Diese entscheidende Frage stellte Sputnik Katrin Molkentin, Vorsitzende des Landeselternausschusses Berliner Kindertagesstätten. Ihre Antwort: „Ungefähr so, wie wir unseren Großeltern das erste Mal mit diesen Dingen gekommen sind: Dass schwul zu sein nicht ansteckend ist und auch keine Krankheit.“

    Das Gespräch müsse gesucht werden, „auch wenn das viel Kraft und Zeit kostet“, ist sich die Elternvertreterin sicher. Die Kita verfüge dazu über beste und vielfältige Voraussetzungen: „Es gibt exzellente Gesprächspartner aus dem pädagogischen Bereich.“

    Auf der anderen Seite äußerte Molkentin Verständnis für muslimische Eltern: „Die Sorgen sind berechtigt. Eltern sorgen sich generell um ihre Kinder. Das muss man ernst nehmen und mit Gesprächen begegnen.“ Sie habe auch Verständnis dafür, wenn sich Eltern letztlich für einen Kita-Wechsel entscheiden. Aber: Die sexuelle Orientierung eines Menschen dürfe nicht zum Anlass einer öffentlichen Diskriminierung werden – wie es in Reinickendorf passiert ist.

    „In Berlin haben wir einen Kita-Gutschein. Der versetzt Eltern in die Lage, die Kita zu suchen, die sie brauchen. Wenn mir der katholische Glauben wichtig ist, dann finde ich eine Einrichtung von einem katholischen Träger. Wenn mir bio-veganes Essen wichtig ist, dann werde ich diese Kita finden. Und wenn mir wichtig ist, dass meine Kinder sich permanent draußen bewegen, dann werde ich auch eine Wald-Kita finden.“

    Zum Schluss zog die Elternvertreterin Parallelen zu einer aktuellen politischen Diskussion: „Eine große Integrationsdebatte brauchen wir nicht zu führen, wenn wir diese Gespräche nicht auch an den Orten führen, an denen wir im Alltag zusammenkommen.“ Unterschiedliche Ansichten gehörten auf den Tisch. Dann müsse eine gemeinsame Entscheidung gefällt werden, die „unserem weltoffenen Anliegen, unserer gemeinsamen Lebensweise entsprechen.“ Und da helfe nur: reden, reden, reden…

     

     

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    Tags:
    Schwule, Homosexualität, Muslime, Berlin, Deutschland