17:01 24 Juni 2018
SNA Radio
    Blumen und Porträts an einer Gedenkstätte des Konzentrationslagers Ravensbrück

    Polen nimmt Ermittlungen wegen Genozid im Frauen-KZ Ravensbrück wieder auf

    © AFP 2018 / DPA/ PATRICK PLEUL
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    91324

    Das polnische Institut für nationale Erinnerung hat die Ermittlungen wegen Völkermord im KZ Ravensbrück wiederaufgenommen, berichtet die Nachrichtenagentur PAP.

    Das Konzentrationslager in der brandenburgischen Gemeinde Ravensbrück, rund 90 Kilometer nördlich von Berlin, war das größte Frauenlager Nazideutschlands. Insgesamt 130.000 Menschen waren in den Jahren 1939-45 in dem Todeslager inhaftiert; 90.000 von ihnen starben. Eine Ermittlung wegen Völkermord im KZ Ravensbrück fand bereits statt und wurde Mitte der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts eingestellt.

    Der polnische Staatsanwalt Marek Rabega, Leiter der Stettiner Kommission zur Aufklärung des Genozids am polnischen Volk, betont die Notwendigkeit der erneuten Untersuchung: „Er wurden noch niemals Ermittlungen zur Behandlung polnischer Insassen im Lager Ravensbrück seitens der polnischen Regierung geführt“, erklärt er.

    Die erneute Untersuchung trage zudem symbolischen Charakter: „Juristische Untersuchungen und geschichtliche Betrachtungen betreffen meistens Männer, die verfolgt wurden oder im Zweiten Weltkrieg starben. Dabei vergessen wir das Heldentum jener Frauen, ohne die es das heutige Polen nicht gegeben hätte“, sagte der Staatsanwalt.

    Zunächst gehe es der Kommission vor allem darum, die Zahl der Menschen festzustellen, die in Ravensbrück gefangen waren. Dann sollen „alle Verbrecher des Frauenlagers gesucht werden, um sicherzugehen, dass sie für ihre Taten belangt wurden“.

    Über 24 Prozent der Gefangenen in Ravensbrück seien Polinnen gewesen – rund 40.000 Menschen. Das verpflichte die Staatsanwälte, die Ermittlungen vollends zu Ende zu führen, sagt Rabega. „An den Frauen wurden pseudomedizinische Versuche durchgeführt und Sterilisationen vorgenommen. Die jüngste Frau, die auf diese Weise gefoltert wurde – Barbara Petschik – war 16 Jahre alt. Rund 8.000 polnische Gefangene haben das Lager überlebt. In den Zweigstellen des KZ befanden sich außerdem rund 20.000 Männer und 1.000 Mädchen“, heißt es in der Mitteilung des Instituts für nationale Erinnerung.

    Größtenteils wurden Jüdinnen und Mitglieder der polnischen Widerstandsbewegung in dem Todeslager hingerichtet, berichtet die Agentur. Nach dem Krieg wurden einige Wachleute des KZ und Ärzte, die die Versuche an den Insassen durchführten, bei den Nürnberger Prozessen angeklagt und zu Tode verurteilt.

    Die Urteile wurden auch vollstreckt. Andere KZ-Mitarbeiter hatten damals zwar lebenslange Haftstrafen bekommen, wurden jedoch wegen guter Führung schon in den Fünfzigerjahren entlassen. „Viele Ärzte, die an den Lagerinsassen experimentiert hatten, erhielten in den 1950er Jahren vom deutschen Staat wieder eine Berufszulassung“, heißt es in der Institutsmitteilung.

     

     

    Zum Thema:

    Auschwitz-Museum sucht in Deutschland persönliche Dinge von KZ-Personal
    Gestohlenes KZ-Tor aus Dachau in Norwegen aufgetaucht
    Zweieinhalb Jahre Haft für 88-jährige Holocaust-Leugnerin
    Israels Präsident gibt Ukrainern Mitschuld am Holocaust
    Tags:
    Ermittlung, Frauen, Konzentrationslager, Polen, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren