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    Eröffnung der Bait-ul-Wahid-Moschee in Hanau

    Toleranz braucht Grenzen: Gegen Hassprediger konsequent vorgehen –Islamexperte

    © AFP 2019 / DPA/Boris Roessler
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    Von Predigten in den meisten Moscheen in Deutschland geht eine Gefahr aus, auf die reagiert werden muss. Das sagt der Islamwissenschaftler Dr. Abdel-Hakim Ourghi. Er findet nicht überraschend, was der TV-Journalist und Islamkenner Constantin Schreiber in seinem aktuellen Buch "Inside Islam - Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird" beschreibt.

    „Keine Überraschung“ – so kommentierte der Freiburger Islamwissenschaftler Ourghi gegenüber Sputnik den Inhalt des am Vortag erschienenen Buches. „Das wissen wir seit Jahren, was da in den Moscheen gepredigt wird. Man muss die Sache aber differenzieren.“ Es gebe zwei Gruppen von Moscheen: In den einen würden sogenannte Import-Imame aus der Türkei oder aus anderen Ländern tätig sein und in anderen sogenannte Self-Made-Imame. Diese selbsternannten Imame hätten keine theologische Ausbildung und würden überwiegend in den arabischen Moscheen agieren, erklärte Ourghi.

    „Wir haben bis jetzt beobachtet, dass in diesen Moscheen wenig hinterfragt und alles ohne Reflexion hingenommen wird", so der Freiburger Islam-Experte. Er kommt auch in der dreiteiligen Reportage "Moscheereport" auf tagesschau24 zu Wort, die Buchautor Schreiber gleichzeitig produzierte. Der beschreibt in seinem Buch unter anderem, dass die Predigten, die er angehört hat, mit der deutschen Lebensrealität oft gar nichts zu tun haben. Das habe ihn schon gewundert, sagte der Autor in einem Interview mit der Zeitung Rheinische Post: "Diese Predigten sind irgendwie aus der Zeit gefallen."

    Neue Generation von Gläubigen folgt dem konservativen Islam

    Islamwissenschaftler Ourghi erklärte gegenüber Sputnik-Korrespondent Bolle Selke: "Es gibt die sogenannten Imame des konservativen Islam. Diese sind keine Genies, denn sie haben praktisch nichts erfunden. Sie haben nur das Gedachte, woran alle Muslime glauben, in die Tat umgesetzt. Wir können also schon davon ausgehen, dass durch den gepredigten konservativen Islam in vielen Moscheen eine Stufe der Vorradikalisierung stattfindet.“

    Den Moscheen sei es gelungen, eine neue Generation von Gläubigen ins Leben zu rufen: „die Generation des Halal und Haram“, die „Generation des Erlaubten und Verbotenen oder Verwerflichen“, erläuterte der Experte. „Alles, was nicht mit dem Islam zu tun hat, ist eher verwerflich. Dadurch werden auch bei vielen die Werte der westlichen Kultur abgelehnt. Nur derjenige, der auch mit dem Islam zu tun hat, wird angenommen."

    Unter den vielen Muslimen, die die von Schreiber zitierten Predigten besuchen, gebe es „Leute, die die Inhalte verstehen“. Die Botschaften seien ganz klar: „Alles, was nicht mit dem Islam zu tun hat, wird als eine unerlaubte Innovation betrachtet.“ Diese Imame predigten die Rückkehr zum Koran nach der Tradition des Propheten, betonte Ourghi. Dadurch sei „die Kultur des Konfliktes vorprogrammiert“.

    Forderung nach Predigten auf Deutsch

    Nach seinen Angaben wurden 2006 ungefähr 40 der Moscheen vom Verfassungsschutz beobachtet. Inzwischen handele es sich um etwa 90 dieser Einrichtungen. „Einige der Prediger kommen aus dem Ausland und predigen dort ihr salafistisches Gedankengut." Der Islamwissenschaftler aus Freiburg sprach sich dafür aus, „dass die Predigten endlich mal auf Deutsch gehalten werden“. „Man sollte einfach die deutsche Sprache als verbindende Kommunikationsbrücke für die religiösen Inhalte betrachten."

    Die in Deutschland geltende Religions- und die Meinungsfreiheit müssten verteidigt werden, betonte Ourghi. Doch er warnte auch: „Aber diese Toleranz gegenüber dem Islam, Islamisten oder diese hochkonservativen Imame birgt in sich auch Gefahren für alle Menschen in Deutschland. Toleranz bedeutet auch Schutz der hier lebenden Menschen vor den islamistischen Predigern und vor ihrer Macht.“

    Der Gefahr begegnen – auch durch Imam-Ausbildung an Hochschulen

    In Frankreich sei aus gleichem Grund damit begonnen worden, Moscheen zu schließen, die Imame in die Heimatländer ihrer Eltern abzuschieben und ihnen die französische Staatsangehörigkeit zu entziehen. Der Islamwissenschaftler wandte sich dagegen, mit den Islamisten, die Andersgläubige als Ungläubige verteufelten, „irgendwelche Dialoge“ zu führen.  Auch in den Moscheen der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion“ (DITIB) habe er „am Ende des Jahres Predigten gehört, wo Hass gegen Juden, gegen Christen oder gegen Weihnachten und Silvester gehetzt wurde“. Es habe ebenso entsprechende  Posts auf den Facebook-Profilen der Moscheen gegeben. „Wo eine Gefahr herrscht, da kann der Staat auch agieren", meinte Ourghi dazu.

     "Wir müssen darüber offen reden. Es gibt eine Gefahr in einigen oder den meisten Moscheen hier bei uns in Deutschland. Das muss man thematisieren. Es ist wichtig, dass man offen über Tabuthemen spricht. Es geht nicht darum, irgendwelche Hassprogramme gegen den Islam zu entwickeln oder zu betreiben, sondern es geht hier einfach darum, über Tatsachen zu reden. Wenn wir ein Problem haben, dann kann man einfach darüber debattieren. Das hat nichts mit Islamophobie zu tun, sondern es hat mit der Aufklärung zu tun.“ Er sehe „als einzige Möglichkeit“ dagegen die Ausbildung von Imamen in deutschen Hochschulen.

    Das Interview im Originalton:

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    Tags:
    Toleranz, Islam, Abdel-Hakim Ourghi, Deutschland